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Entscheidung des AWISTA

Umladestation im Landkreis Starnberg: Standort klar

Der Standort in Mischenried ist laut Gutachten besser geeignet für eine Umladestation des AWISTA als eine Fläche zwischen Oberbrunn und Hochstadt. Deswegen soll der Neubau dort entstehen, entschied der Verwaltungsrat am Donnerstag – viel früher als erwartet.

Landkreis – Viele haben das erwartet, sicher war es aber nicht: Der Standortvergleich für ein Servicezentrum des Entsorgungsunternehmens AWISTA und vor allem dessen Umladestation fällt zugunsten des Standorts Mischenried (An den Gruben) auf Weßlinger Gebiet nördlich der A 96 aus. Der Beschluss fiel laut Landrat Karl Roth im Verwaltungsrat einstimmig – und ist ein Baubeschluss. Ursprünglich hatte der AWISTA eine Entscheidung bis Jahresende angestrebt, doch der Standortvergleich war zu eindeutig.

Wie berichtet, plant der AWISTA den Bau eines Zentrums als Sitz des Kommunalunternehmens und als Standort für eine Umladestation, auf der der gesammelte Müll verladen und dann zur Verbrennungsanlage bzw. zu Entsorgungsfirmen gebracht wird. 2015 war der AWISTA mit dem Wunsch, dieses Zentrum An den Gruben zu bauen, im Weßlinger Gemeinderat gescheitert. Als er stattdessen eine Fläche zwischen Oberbrunn und Hochstadt erwarb, erhob sich ein Sturm der Entrüstung vor allem in Hochstadt – und die damalige Entscheidung wurde revidiert. Deswegen war Mischenried in direkter Nachbarschaft zum Entsorgungsunternehmen Remondis überhaupt wieder im Rennen.

Ein Fachbüro hatte nach Kriterien beide Flächen verglichen. „Das Kriterium Ökologie wurde dabei am Höchsten bewertet. Die weiteren fünf Prüfmerkmale, bestehend aus standortbedingten Logistikkosten, Nutzbarkeit, Infrastruktur, Standortumfeld und Risiken lagen alle prozentual sehr nah beieinander“, teilte der AWISTA mit. Mischenried lag in der Summe vorne, so dass der Beschluss einstimmig fiel. AWISTA-Vorstand Peter Wiedemann wird nun mit der Gemeinde Weßling über die Bauleitplanung und eine Änderung des Flächennutzungsplanes verhandeln. Der AWISTA will die Umladestation möglichst 2023 in Betrieb nehmen. Geplant ist in einem ersten Bauabschnitt auf dem derzeit unbebauten Bereich zwischen Remondis und A 96 die eigentliche Umladestation mit Waage, einem Waagenhäuschen mit Disposition und Umkleide sowie Lagerplätzen bzw. Stellflächen für Fahrzeuge und verschiedene Abfallfraktionen. Weitere Anlagen sollen folgen, wenn der AWISTA, dem die Flächen inklusive jener des Remondis-Standorts gehören, ab 2034 auch Zugriff auf die heute von dem Konzern genutzten Flächen bekommt.

Beschluss fällt einstimmig

„Ich bin froh, dass wir die beiden Standorte miteinander verglichen haben und zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen sind“, erklärte Roth. „Es war mir wichtig, dass wir den Erhalt der Trinkwasser- und Lebensgrundlagen für einen großen Teil der Bevölkerung geschützt wissen und dass wir unser Vorhaben an einem Standort realisieren können, der in allen untersuchten und bewerteten Eigenschaften am Vorteilhaftesten beurteilt werden konnte.“ Für den AWISTA ist die Umladestation – die erste seit 1993 – wichtig, um nicht komplett von Privatfirmen und deren Preisen abhängig zu sein. Offiziell klingt das so: „Ein wegweisender Schritt für ein zukunftsfähiges kommunales Entsorgungsunternehmen.“

Weßlings zweiter Bürgermeister Michael Sturm ist zufrieden mit der Entscheidung, die ihn auch nicht überraschte. Gegen den Standort Oberbrunn habe vor allem der Wasserschutz gesprochen, aber auch, dass die Umladestation auf freiem Feld gebaut worden wäre. In Mischenried sei dies anders. Dass Weßling 2015 abgelehnt hatte und nun zustimmt, begründet er mit geänderten Bedingungen – dazu gehört die Umgehungsstraße von Weßling, die den Verkehr zur Umladestation heute aus dem Ort heraushält, vor vier Jahren aber nicht fertig war. Weßling habe seinerzeit bereits mit den vorbereitenden Planungen für Mischenried begonnen, diese dann aber abgebrochen – darauf könne man nun aufbauen.

Gilchings Bürgermeister Manfred Walter, der vehementen Widerstand gegen Mischenried angekündigt hatte, kann erst mal nichts tun. Man werde, sagte er auf Anfrage, im Bebauungsplanverfahren als Nachbar angehört und seine Bedenken anbringen. Im Blick hat Walter die „multibelasteten“ Bewohner von St. Gilgen.

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