Aus dem Gerichtssaal

Nach Psycholyse-Seminar: Das ist das Urteil

Die Razzia vor einem Jahr in Weßling hat ein Nachspiel vor Gericht. Angeklagt war ein 80-jähriger Mann.

Weßling – Deutschlandweit hat ein 80-jähriger Berliner Psycholyse-Seminare abgehalten – auch eines in Weßling. Neben Atemmeditationen und Tanz wurden den heilsuchenden Teilnehmern auch unterschiedliche Drogen angeboten. Im November funkte dem Berliner eine Fernsehjournalistin dazwischen. Die Sat1-Reporterin hatte sich gegen die Teilnahmegebühr von 330 Euro in ein Weßlinger Wochenendseminar eingeschlichen und die Sache per Polizei-Einsatz platzen lassen. Gestern musste sich der bisher unbescholtene Berliner wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Starnberger Schöffengericht verantworten.

Alarmierende Berichte über Zusammenbrüche nach vollzogener Psycholyse ließen die TV-Journalistin aufhorchen. Im November 2017 meldete sich die Reporterin zu dem in Weßling anberaumten Seminar an – allerdings nicht, ohne vorher die Polizei zu informieren. Zu Seminarbeginn war die Journalistin mit einem Alarmknopf ausgestattet. Als der Angeklagte für die 14 Teilnehmer jede Menge Kapseln mit LSD, MDMA, Pilzen und anderen Drogen in Schälchen bereitstellte, rief die Berlinerin per Signal die Polizei. Rund 50 Beamte sowie die Staatsanwaltschaft waren am Seminarhaus zugegen. „Zehn maskierte und bewaffnete Männer von der Sondereinheit sind reingekommen“, so die SAT1-Reporterin im Zeugenstand.

Verteidiger: „Die Einnahme war freiwillig“

Der Angeklagte selber äußerte sich zu den Vorwürfen lediglich über seinen Rechtsanwalt. Dem schmächtigen und blassen Musiklehrer wollte man Drogenkriminalität kaum zutrauen. Sein Verteidiger ließ wissen, dass die angebotenen Drogen dazu gedacht waren, Blockaden und Ängste zu lösen: „Die Einnahme war nicht Teilnahmebedingung, sondern nur freiwillig.“ Fakt ist, dass die Polizei hunderte Kapseln mit unterschiedlichen Drogen sicherstellte. „Die nicht geringe Menge wurde um das 7,7-fache überschritten“, stellte die Staatsanwältin fest, die bereits am Tattag dabei war. Mehrere Substanzen seien hochpotent und brächten konkrete Gesundheitsgefährdungen mit sich.

Laut Urteil des Starnberger Schöffengerichtes darf der 80-Jährige auf freiem Fuß bleiben. Die Bewährungsstrafe liegt bei einem Jahr und sechs Monaten. Als Wertersatz werden die bezahlten Seminargebühren von 2970 Euro eingezogen, der Angeklagte muss eine Geldauflage von 1500 Euro an Condrobs zahlen.

Rubriklistenbild: © dpa / Friso Gentsch

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