Nehmen an der Demo am Dienstag teil (v.l.): Karin Endesfelder (Betriebsratsmitglied), Roberto Armellini (IG Metall), Markus Endesfelder (Betriebsratsvorsitzender) sowie Weßlings Bürgermeister Michael Sturm.
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Nehmen an der Demo am Dienstag teil (v.l.): Karin Endesfelder (Betriebsratsmitglied), Roberto Armellini (IG Metall), Markus Endesfelder (Betriebsratsvorsitzender) sowie Weßlings Bürgermeister Michael Sturm.

Wirtschaft

US-Konzern will 360 Jobs streichen

Weßling droht der Verlust Hunderter Arbeitsplätze. Das Unternehmen Emerson will seinen Standort ins Ausland verlagern. IG Metall und Belegschaft wollen demonstrieren.

Weßling – Die Corona-Krise ist offenbar nicht die Ursache: Einsparungsmaßnahmen sind es, die die Firma Emerson Process Management veranlassen, den Standort Weßling nach Rumänien zu verlegen. Im sogenannten „Wellenabbau“ sollen die 360 Mitarbeiter bis spätestens 2023 entlassen werden. Für kommenden Dienstag ist seitens der Mitarbeiter eine Kundgebung im Argelsrieder Feld geplant.

„Es war sehr enttäuschend“, stellte IG-Metall-Vertreter Roberto Armellini am Mittwoch bei einem Treffen mit Weßlings Bürgermeister Michael Sturm sowie den Betriebsratsmitgliedern Karin und Markus Endesfelder bedauernd fest. Für Dienstag sei mit ihm als Vertreter der IG Metall, mit dem Emerson-Betriebsratsgremium, Anwälten sowie Verantwortlichen der amerikanischen Geschäftsführung eine Video-Konferenz vereinbart gewesen, um etwas über die Zukunft der 360 Mitarbeiter zu erfahren. „Wir waren alle da, ein paar Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt aber wurde die Video-Zuschaltung seitens Emerson abgesagt. Begründung war, dass es auch nach fünf Monaten Vorbereitungszeit kein Konzept gibt. Dabei ist seit Anfang des Jahres bekannt, dass die Schließung beschlossene Sache ist. Viele der Mitarbeiter, die dem Unternehmen teils mehrere Jahrzehnte angehören, stehen nur vor einer ungewissen Zukunft“, betont Armellini.

Bekannt sei derzeit nur, dass die Standorte Weßling sowie Hasselroth (Hessen) nach Cluj in Rumänien verlagert werden. Karin Endesfelder, seit 1983 im Unternehmen, das bis 1990 noch unter Rosemount firmierte, räumt ein: „Für mich war es ein Schock, als wir erfuhren, dass unsere Tage gezählt sind.“ Auch in dem Wissen, dass es für sie als 58-Jährige schwierig werden wird, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Ähnlich ergeht es ihrem 51-Jährigen Bruder Markus Endesfelder (Betriebsratsvorsitzender), der der Firma seit 30 Jahren angehört. „Unmenschlich war, dass wir alle auf Wunsch unseres Arbeitgebers in der Corona-Krise an Weihnachten zwei Wochen unseres Urlaubs vorverlegt haben. Drei Wochen danach haben wir erfahren, dass wir rausgeschmissen werden.“

Dem US-Unternehmen mit Sitz in Ferguson, gegründet 1890, gehe es generell nicht schlecht geht, weiß Armellini. Weltweit zählt es 83 500 Mitarbeiter, der Nettogewinn sei für das Jahr 2019 bei zwei Millionen Dollar gelegen. „Um die Mitarbeiter nicht alleine zu lassen, werden wir jetzt die Hausaufgaben übernehmen, die Emerson nicht gemacht hat, und prüfen, ob eine Schließung wirklich Sinn macht beziehungsweise versuchen, ein schlüssigen Alternativkonzept vorzulegen“, erklärt Armellini.

Für kommenden Dienstag, 8. Juni, ist bei Emerson im Argelsrieder Feld von 9 bis 10 Uhr eine Kundgebung geplant, an der sich auch Bürgermeister Michael Sturm beteiligt. Zeitgleich gibt es eine Kundgebung im hessischen Hasselroth. „Nur gemeinsam sind wir stark und können das Beste für die Mitarbeiter herausholen“, ist Armellini überzeugt.

Vertreter des Unternehmens waren am gestrigen Feiertag nicht erreichbar. Seitens des Unternehmenssitzes in Missouri/USA wurde für die nächsten Tage eine Stellungnahme zu Weßling angekündigt.

Uli Singer

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