Ich wollte ausprobieren, ob ich das kann. Toni Ostermair über seine Anfänge des Bierbrauens
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Ich wollte ausprobieren, ob ich das kann: Toni Ostermair über seine Anfänge des Bierbrauens

Hobby-Bierbrauer Toni Ostermair träumt von einer Brauerei im Weßlinger Bahnhof

Vom Hobby zur Leidenschaft

Mittwochs ist Brautag, und im ehemaligen Kinderzimmer der Ostermairs duftet es wie in einer Backstube. Das liegt an dem frisch gemahlenen Weizen, den der Hobby-Bierbrauer Toni Ostermair in den Sud rührt. Es zischelt und dampft, bevor das Gemisch geläutert und in einen Gärbehälter umgefüllt wird, damit das bayerische Getränk in eine Maß gefüllt werden kann.

Weßling - Der 64-jährige Finanzbeamte Ostermair steht kurz vor der Pension – und träumt davon, mit einer professionellen Brauerei und einer kleinen Gastronomie in einem in Zukunft umgebauten Bahnhofsgebäude in Weßling einzuziehen. Derzeit braut Ostermair jährlich 200 Liter Bier. Ausschließlich für den privaten Gebrauch, sagt er. Noch. „In Weßling fehlt die Kneipe, in die man auf ein Bier einkehren kann“, betont Ostermair, der in Weßling aufgewachsen ist. Das möchte er ändern. Und zwar mit einer kleinen Brauerei im Bahnhof.

Diesbezüglich kontaktierte der Hobby-Brauer schon im vergangenen Herbst Bürgermeister Michael Sturm, der den Gedanken in eine Art Ideenkatalog für den Bahnhof aufgenommen hat. Zeitgleich hatten auch Weßlings Gastronomen, die Verantwortlichen der Bücherei und Weßlings Künstler Interesse an dem Raum angekündigt (wir berichteten). „Vielleicht könnten sich die Interessenten zusammenschließen“, überlegt Bürgermeister Sturm.

Dem mit einer Braunummer registrierten Freizeit- Bierbrauer Ostermair schwebt indessen neben der Brauerei noch eine kleine Gastronomie mit wechselnden Gerichten vor, in der natürlich auch entscheidende Fußballspiele übertragen werden sollen. Hergestellt würden wöchentlich an die 1500 Liter Bier im ehemaligen Kiosk, so die Idee. Seine Hobbyanlage müsste Ostermair allerdings durch ein rund 50 000 Euro teure Brauanlage ersetzen. Freilich bräuchte er dazu eine entsprechende Konzession, so dass die Eigenmarke in einem Extraraum serviert werden könnte. Die Raumgröße? „So ungefähr für 100 Besucher, die sich dort wohlfühlen, ähnlich wie in der Giesinger Brauerei zum Beispiel.“ Ausgeschenkt würde vom Fass, sagt der Vater zwei erwachsener Söhne. Mit dem Brauen hat er vor vier Jahren begonnen. „Ich wollte ausprobieren, ob ich das kann“, begründet er die ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung. Familie und Freunde agieren seither als Vorkoster für die gängigen Weißbier- und traditionellen Biersorten sowie die ständig wechselnden Spezialbiere.

Bevor Ostermair an die Arbeit geht, müssen alle Behälter und Arbeitsmittel blitzblank sein. „Sonst kannst du das Bier nachher wegschütten“, weiß er. „Entscheidend ist nicht nur das Wasser, sondern auch die verschiedenen Malzsorten und natürlich auch die Hefesorte.“ Seinem Sud fügt er nach Geschmack noch Bitter- und Aromahopfen bei.

Zufrieden betrachtet und kostet Ostermair nach dem gut acht Stunden langen Brautag das Resultat. Ob er sein Bier in naher Zukunft in der Weßlinger Ortsmitte verkaufen kann, steht und fällt mit der Bahn: Als lebenslange Mieterin müsste sie entweder der Aufhebung des Vertrags zustimmen oder aber die Räumlichkeiten an die Gemeinde zurück vermieten. Bis dahin wird einfach weiter daheim gebraut.

Michèle Kirner

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