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Auf der Tennisanlage des SC Weßling bedrohte der Mann im Juli 2017 Trainer und Kinder mit einer Axt. (Symbolbild)

Gericht ordnet die Unterbringung des 53-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an

Axtschwinger bedroht Kinder und Trainer auf Tennisplatz

Ein heute 53 Jahre alter Mann aus Weßling hat vor knapp zwei Jahren Trainer und Schüler auf dem Tennisgelände des SC Weßling mit einer Axt bedroht. Nun stand der Mann vor Gericht.

Weßling – Plötzlich stand er vor ihnen, der wütende Mann mit der Axt. Für zwei Tennistrainer und ihre jungen Schüler war es wie der Albtraum aus einem Horrorfilm, der im Juli 2017 auf dem Tennisgelände des SC Weßling wahr wurde. Am Mittwoch musste sich ein 53 Jahre alter arbeitsloser Musiker aus Weßling wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Beleidigung und Bedrohung vor dem Starnberger Schöffengericht verantworten.

Der Tennisunterricht war an jenem Nachmittag bereits empfindlich von lauten Beschimpfungen des Angeklagten gestört worden. Der Tennistrainer (46) erinnerte sich im Zeugenstand noch gut an das wüste Schreien und Pöbeln. Barfuß habe der Mann mit den Füßen auf dem Tisch auf der Terrasse des Geländes gesessen, als er ihn aufgefordert habe, das Gelände zu verlassen. Zwar ging der Angeklagte unter Androhung diverser Übel tatsächlich zunächst weg, kehrte allerdings rund zehn Minuten später bewaffnet wieder zurück.

„Er kam durch den Wald gesprungen auf den Tennisplatz, mit der erhobenen Axt in der Hand“, schilderte es ein anderer Tennistrainer (45). Dabei soll der Angeklagte geschrien haben: „Ich schlage euch allen die Köpfe ab.“ Die sechs Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 14 Jahren rannten sofort weg. „Er ist direkt mit der Axt auf mich zugekommen“, sagte der 46- Jährige. „Ich erinnere mich an sein Grinsen – diesen Ausdruck im Gesicht, den man eigentlich nur im Film sieht. Dann bin ich gespurtet wie noch nie in meinem Leben.“

Sein Kollege wollte zunächst auch die Flucht antreten, entschied sich dann aber anders. Durch den Schutz eines hohen Maschendrahtzaunes stellte er den Weßlinger zur Rede. „Der Angeklagte sagte, er könne mir den Kopf entzwei hauen, er träfe auch aus 20 Meter Entfernung. Auch vom Abstechen hat er erzählt“, sagte der 45-Jährige. Verletzte gab es glücklicherweise keine – schlussendlich trollte sich der Angreifer, stieg aufs Rad und fuhr weg.

Zur Anklage stand ein weiterer Vorfall, der sich nur eine Woche zuvor in einem Spielcasino in Germering abgespielt hatte. Dort hatte der Weßlinger betrunken zwei Gäste provoziert, indem er sein T-Shirt auszog und sie zum Kampf aufforderte. Aus dem Streit ging er aber selber mit Blessuren hervor.

Nach Ausführungen der Gerichtspsychologin ist der Mann psychisch krank, seit 35 Jahren alkoholabhängig und reagiert insbesondere auf Cannabiskonsum mit Wahnvorstellungen. Sechs bis sieben Flaschen Wein täglich waren für ihn zeitweise Usus, eine manische Phase mit Verschwörungswahn tat das ihre. „Der Angeklagte stellte sich vor, als Köder angegriffen zu werden, hatte nur zwei bis drei Stunden Schlaf“, so die Sachverständige. Angesichts der erheblich verminderten Schuldfähigkeit und der nicht ausschließbaren Schuldunfähigkeit kam es zu einem Freispruch. Folgen haben die Exzesse für den 53-Jährigen dennoch. Das Schöffengericht ordnete seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Im Raum stehen zwei Jahre stationärer Aufenthalt. „Er braucht dauerhafte Hilfe“, betonte Richterin Christine Conrad.  nh

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