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Lädt ab kommenden Freitag zur neuen Sonderausstellung in die Gemeindegalerie Weßling ein: Ortshistoriker Erich Rüba mit einem Bild von Heinrich Brüne, dessen Geburtstag sich am 5. November zum 150. Mal jährt. 

Kultur

Ortsgeschichte mit Heinrich Brüne

Heinrich Brünes Geburtstag jährt sich am 5. November zum 150. Mal. Daher widmet ihm die Gemeindegalerie in Weßling eine Sonderausstellung.

Weßling– Er lebte und malte in Oberpfaffenhofen, öffnete sein Atelier Künstlern wie Pierre-Auguste Renoir und ließ sich auf Waldspaziergängen in Weßling inspirieren: Carl Heinrich Brüne, dem Erich Rüba zum 150. Geburtstag am 5. November in der Gemeindegalerie eine Sonderausstellung widmet. Unter dem Motto „Künstlerkollegen zu Besuch am Weßlinger See“ zeugen an die 60 Bilder aus Rübas privater Sammlung, aus Privatbesitz und dem Archiv von Evarist Adam Weber von dem Zusammentreffen unter Künstlerfreunden am kleinsten Landkreissee.

Hohe Stirn, randlose Brille und ernster Gesichtsausdruck: So sah Brüne sich selbst. 1907 kaufte er für 700 Mark in Oberpfaffenhofen ein Grundstück und baute dort sein künftiges Zuhause und Atelier. Fortan gingen die Kreativen dort ein und aus. Unter ihnen Renoir, der Brüne nachhaltig beeindruckte. Fasziniert „von der Arbeitsweise des Impressionisten“ entstand unter anderem das Ölgemälde „Nach dem Ball“, das eine junge Frau nach einer durchtanzten Nacht zeigt. In Renoir sah Brüne die „Befreiung von erlerntem Zwang“, erklärt Ortshistoriker Rüba.

Reisen prägten Brünes Schaffen genauso wie die Geschehnisse im 20. Jahrhundert. Ausgezeichnet mit der „Großen silbernen Medaille“ von der Akademie der Bildenden Künste oder der Medaille 1. Klasse für das „Frühstück im Grünen“ fanden seine Werke durchaus Anerkennung – und doch war Brüne zeitlebens auf Gönner angewiesen. Unter ihnen war der Kunstsammler Bernhard Kohler, den ein Foto in der Ausstellung zeigt.

Jedes Ausstellungsstück zeichnet den Alltag des Oberpfaffenhofeners nach. Darunter Briefe wie jener an seine Frau Sophie 1915 von der Front: „... wann wird dieser Krieg einmal sein Ende finden, dieses furchtbare Zerreißen und Zerfetzen der warmblütigen Menschenleiber.“ Zu sehen sind auch Werke von Malerfreunden wie Max Unold, der das Gemälde „Kartoffelernte“ dem 60-jährigen Brüne zum Geburtstag schenkte. Oder das farbstarke Werk von Evarist Adam Weber „Südlicher Hafen mit rotblauem Turm“ sowie die Bleistiftzeichnung „Sanary-Sur-Mer“ seines Schülers Herbert Appelbaum, eine Erinnerung an eine gemeinsame Reise ans Mittelmeer.

Die Sonderausstellung dokumentiert – neben bildlichen Eindrücken – den Sinneswandel eines Mannes, der sich noch im Ersten Weltkrieg freiwillig zum Einsatz an der Front meldete. Brüne erkannte in einem Brief an eine Cousine bereits 1932 „den Phrasenschwall eines Hitlers“ und Menschen, die „bei einem Feuerwerk plötzlich im Dunkel stehen, ernüchtert, frierend und Hunger im Bauch“.

Am 1. Mai 1945 starb der Maler – und geriet mit dem Tod aus dem Fokus der Kunstwelt. Rüba lässt sein Schaffen wieder aufleben und zeichnet gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte nach, das sich unter anderem am Weßlinger See abspielte. Die Sonderausstellung „150. Geburtstag Heinrich Brüne – Künstlerkollegen zu Besuch am Weßlinger See“ ist bis zum 19. April 2020 in der Gemeindegalerie (Hauptstraße 57) zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Freitag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen auch nach Vereinbarung unter (0 81 53) 40 40. 

Michèle Kirner

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