+
Kleine Schätze: Die Badehütten nahe der Alzheimer Villa am Weßlinger See. 

Weßlinger See

Sieben kleine Paradiese

Die kleinen Badehütten am Weßlinger See sind schon lange in Besitz einzelner Privatleute. Die Gemeinde prüft derzeit, ob nicht zumindest die Pacht erhöht werden kann. 

Weßling– Die Badehütten am Weßlinger See sind sehr begehrt, hinter ihnen liegt eine bewegte Vergangenheit. Seit Jahrzehnten sind sie in der Hand einzelner Weßlinger Familien. Deshalb folgte der Gemeinderat vor einem Jahr dem Vorschlag der Rechnungsprüfer. Die Verwaltung sollte prüfen, ob die Stege und Badehütten öffentlich ausgeschrieben und die Pacht erhöht werden könnte. Zudem sollte die Vertragslaufzeit nach Möglichkeit beschränkt werden, sodass auch andere befristet in den Genuss einer Anlage am See kommen könnten.

„Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Bürgermeister Michael Muther auf Rückfrage des Starnberger Merkur. Allerdings sehe er persönlich kaum Chancen, dass die Stege und Hütten anderweitig vergeben werden könnten.

Wohl kaufte die Gemeinde 1968 den See von Graf Toerring, aber die Holzhütten sind nach wie vor Privateigentum der Vertragspartner. Diese bezahlen für ihr Seehaus lediglich eine Pacht von aktuell rund 500 Euro pro Jahr. Unter den Pächtern ist auch die Familie von Rebay. Für Konni von Rebay war das Seeanwesen, das ihr Großvater 1934 erwarb, im Sommer mehr oder weniger ihr zweites Zuhause. Mit Freunden und den drei Brüdern stürzte sie sich in den 1970er Jahren vom Dach ins Wasser. „Das war eine Art Mutprobe“, erinnert sie sich. Sie genoss von der Badeplattform aus zahlreiche Sonnenuntergänge, abends zerrte die Familie Holztisch und Stühle aus dem Inneren und machte Brotzeit. Ab und zu schwammen die Jugendlichen zur damaligen Badeanstalt, wo heute der Kiosk steht. Dort sprangen sie vom Sprungturm, um anschließend umgehend wieder in ihr „Zuhause“ zurückzukehren.

Mittlerweile reihen sich nahe der Alzheimer Villa sieben Badehütten aneinander. Die ersten drei wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Ohne Boden, den brauchte man wegen der Boote nicht. Und zum Schwimmen wurden sie damals kaum genutzt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie nach und nach zu Badehäuschen umgebaut. Die Holzgebilde auf Stelzen bekamen innen einen Boden und zum See hin eine herunterklappbare Badeplattform. In züchtigen Badeanzügen bestiegen die Damen über die Treppen das kühle Nass. Das änderte sich in den 1980er Jahren, als junge Erwachsene die Stege und den Bereich um die Badehütten als FKK-Strand nutzten. Manch einer schaute heimlich rüber, andere oder genau genommen ein Weßlinger stach sogar täglich mit seinem Ruderboot in See, um das skandalöse Spektakel von der Nähe aus zu betrachten, erinnert sich von Rebay schmunzelnd.

Das war freilich lange, nachdem Schulinspektor Pfarrer Ferstl das Hüttchen vom Pfarramt zum Baden nutzte. Geschützt von den Holzwänden tauchte er ab und zog ungesehen seine Bahnen durch den See. „Öffentlich hätte ein Pfarrer damals unmöglich baden gehen können“, erklärt Konni von Rebay. So lebhaft wie vor 40 Jahren geht es in den Badehütten nicht mehr zu, bedauert sie. Aber ein Treffpunkt für Jung und Alt sind die Häuschen bis heute geblieben.

Michèle Kirner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nicht ausgeschildert, nicht genehmigt: Immer öfter Ärger mit Baustellen in Starnberg
Die Polizei stellt zunehmend fest, dass Baustellen in Starnberg nicht ausreichend gesichert sind, die Umleitungen nicht richtig ausgeschildert sind oder die behördlichen …
Nicht ausgeschildert, nicht genehmigt: Immer öfter Ärger mit Baustellen in Starnberg
Zwei BMW geknackt und Navis im Wert von je 3000 Euro gestohlen
Auf fest eingebaute Auto-Navis im Wert von 3000 Euro hatten es Diebe in Tutzing abgesehen.
Zwei BMW geknackt und Navis im Wert von je 3000 Euro gestohlen
Attacke mit Maßkrug
Beim Kehraus in der Unterbrunner Mehrzweckhalle hat es einen Zwischenfall gegeben. Ein 22-Jähriger schlug dabei einem 28-Jährigen einen Maßkrug  ins Gesicht. 
Attacke mit Maßkrug
Attacke auf Umladestation
Die geplante Umladestation des AWISTA KU bei St. Gilgen steht in der Kritik. Die Bürger für Gilching (BfG) und die Bürgerinitiative umweltfreundliche Asphaltmischanlage …
Attacke auf Umladestation

Kommentare