+
Ein Sommernachtstraum: Flüchtlinge und Einheimische beim Dreh mit Tjark Lienke (r.) im Wald.

Asyl

Ein kleiner grüner Hoffnungsschimmer

In Weßling stehen Einheimische und Flüchtlinge gemeinsam für Shakespeares „Sommernachtstraum“ vor der Kamera. Der Starnberger Merkur war bei den Dreharbeiten dabei.

Weßling Der vierjährige Amir will Helenes Hand gar nicht mehr loslassen. Glücklich läuft der kleine Bub neben der 13-jährigen Münchnerin her, sein Kostüm glitzert grün im Sonnenschein. „Schau mal“, ruft er plötzlich aufgeregt. „Eine Schlange!“ Und tatsächlich windet sich am Boden ein kleiner Regenwurm.

Amir ist vor zwei Jahren mit seiner Familie aus seinem Heimatland Afghanistan geflohen. Sein Bruder, der 13-jährige Naim, und seine Schwester, die 17-jährige Hawa, sind schon seit einiger Zeit bei den Film- und Theateraktionen der Nachbarschaftshilfe Weßling dabei. Ihr neuestes Projekt ist die Verfilmung des Theaterstücks „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare. Gestern war der Starnberger Merkur am Set.

Der Helferkreis rund um „IntegrationsPunkt Weßling“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Einheimische und Asylsuchende zu vernetzen. Die gemeinsamen Aktionen fördern den Zusammenhalt der Weßlinger untereinander. Sie werden vom bundesweiten Projekt „Kultur macht stark“ und dem Verein „Bayern liest“ gesponsert, weil den Kindern ein persönlicher Zugang zu Bildung und Kultur außerhalb der Schule ermöglicht wird.

Naim erzählt stolz vom Fortschritt seiner Deutschkentnisse. Zunächst sei es ihm schwergefallen, doch das Projekt erleichtere die Sache. Selbst das anspruchsvolle Stück von Shakespeare stellt inzwischen kaum Probleme mehr dar.

Ulrike Roos und Tjark Lienke, die beiden Hauptorganisatoren, helfen den Kindern, den komplizierten Text zu verstehen. Lienke filmt und schneidet die Szenen anschließend zusammen. Ulrike Roos, pensionierte Museumspädagogin, nutzt ihre Kontakte und organisiert die Dreherlaubnis an Orten wie dem Bayerischen Nationalmuseum oder der Villa Stuck in München. Unter der Regie der beiden wird jeder eingespannt, selbst Bürgermeister Michael Muther huscht als kleine Nebenrolle durchs Bild.

Auf die Frage, ob Naim schon Freunde außerhalb des Asylheims gefunden hat, strahlt er und sagt: „Ja, natürlich!“ Neben ihm sitzt der elf-jährige Tim Loris, er kommt aus Weßling und kennt Naim bereits vom letzten Film, „Prinz Achmed und die Feenkönigin“. Tim Loris hat sogar schon eine Agentur gefunden und will Schauspieler werden. Und er ist nicht der einzige. Zabiullah, ein 19-jähriger Afghane, träumt ebenfalls von einem Job vor der Kamera. Für ihn bedeutet Deutschland Freiheit. Freiheit, die er in seinem Heimatland nicht hatte, erzählt er traurig. Auch für den kleinen Amir in seinem grünen Gewand ist Deutschland ein Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft.

Wann der Weßlinger „Sommernachtstraum“ fertig ist, steht noch nicht fest. Interessierte sollen ihn sich auf jeden Fall auf DVD kaufen können.

Von Lea Hütt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mann verletzt 65-jährige Nachbarin  schwer
Ein 49-jähriger Seefelder ist nach 17 Jahren Streit ausgerastet und hat seine Nachbarin verprügelt. Dafür musste er sich vor Gericht verantworten. 
Mann verletzt 65-jährige Nachbarin  schwer
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Weil er zu schnell in eine Baustelle gefahren ist, ist ein Südkoreaner auf der A 95 in die Mittelleitplanke gekracht und hat dadurch einen Unfall und eine Sperrung …
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Schneider zieht Bilanz
348 Kinder haben in diesem Jahr am Ferienprogramm Herrsching teilgenommen.
Schneider zieht Bilanz
Nach Protest: Essen aus der Region
Feldafinger Eltern freuen sich: Seit Anfang des Monats gibt es für die Kinder in den BRK-Kindertagesstätten Essen von einem neuen Anbieter. Und zwar von einem aus der …
Nach Protest: Essen aus der Region

Kommentare