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Enttäuschung über späte Hilfe

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Trocken wie die Wüste: eines der vier Laichbecken nahe der Weßlinger Umfahrung. © Brombach

Schwere Zeiten für Amphibien in Weßling: Drei von vier Laichgewässer liegen derzeit trocken und Abhilfe ist erst im Herbst 2019 in Sicht.

Weßling – Erst klebten die Amphibien am Beton fest, jetzt liegen drei von vier Laichgewässern trocken, die im Zuge der Baumaßnahmen als Ausgleichsfläche angelegt wurden: Beim Bau der Weßlinger Umfahrung wurden an die 800 000 Euro für den Natur-, vor allem aber den Amphibienschutz ausgegeben. Die Wirkung jedoch ist umstritten. Die Klebefalle hat das Staatliche Bauamt Weilheim nach eigenen Angaben im Sommer beseitigt. Die trockenliegenden Laichgewässer aber werden erst im Herbst 2019 saniert – dies teilte Weßlings Vize-Bürgermeister Michael Sturm dem Gemeinderat in der jüngsten Sitzung mit.

Daniela Brombach ist besorgt. „Das bedeutet: kein Amphibiennachwuchs 2018“, wettert die Wörthseerin, die sich ehrenamtlich dem Schutz der Amphibien verschrieben hat. Auf ihrer Internetseite www.amphibien--news.de dokumentiert sie die Geschehnisse entlang der Weßlinger Umfahrung, und gilt auch im Weßlinger Gemeinderat als Fachfrau.

Vier Amphibienarten gelten als gefährdet

In der Umgebung der Umfahrung lebten bisher acht verschiedene Amphibienarten, vier davon würden als gefährdet eingestuft, berichtet Brombach. Die vier 2016 gebauten Gruben seien nicht fachgerecht angelegt und wiederholt ausgetrocknet, so der Vorwurf. Es fehlten flache und tiefe Bereiche und möglichst nährstoff- und humus-armer Gewässeruntergrund sowie Wasserpflanzen, an denen Molche ihre Eier hängen könnten. Am Teich müssten mit Totholz und Wurzelstöcken Rückzugsmöglichkeiten geschaffen, ein Teil des Gewässers müsste beschattet werden, erklärt die Tierschützerin. „Offensichtlich hat die letzten Jahre keine gesetzlich vorgeschriebene Wartung und Pflege stattgefunden, sonst hätte man bemerkt, dass die Gruben nicht als Amphibienlaichgewässer funktionieren können.“

Dagegen wehrt sich Marika Hoyer, Sachgebietsleiterin Landschaftsplanung vom Staatlichen Bauamt Weilheim. „Das Thema hat bei uns Priorität“, betont sie. Entsprechend habe man heuer mehrere Maßnahmen durchgeführt. So seien etwa Betonproben entnommen und an die TU München zur Auswertung geschickt worden, um das Problem mit den festklebenden Hüpferlingen zu analysieren. Damit sie nicht mehr festklebten, habe man eine Schutzschicht auf den Beton gestrichen. Des Weiteren sollen Plexiglasscheiben an den 42 Durchgängen den Luftzug minimieren, und es seien Versteckmöglichkeiten zwischen der Grünsinker Straße und dem Wald und an den Einlässen gepflanzt worden. Die Landwirbeltiere sollen mit einem Überkletterschutz am Queren der Straße gehindert und mit Richtungsweisern in die Tunnel gelotst werden.

Brombach: Nur zehn Prozent der Amphibien nutzen die Unterführungen

Ein Monitoring werde allerdings erst 2019 durchgeführt. „Bislang hat unser Fachmann lediglich Verhaltensbeobachtungen gemacht. Das Resultat liegt mir mündlich vor“, sagt Hoyer und betont: „Es ist längst nicht so schlimm, wie behauptet wird.“ Brombach ihrerseits spricht von gerade einmal zehn Prozent der Amphibien, die den Weg durch die für sie gebauten Unterführungen nutzen würden. Die Maßnahme für die Gewässer sei ausgeschrieben, aber man finde so schnell keine Baufirma für die Teichsanierung, bedauert Hoyer. Die Ausschreibung lehne sich unter anderem an die ihnen vorliegenden Vorgaben des Sachverständigen für Amphibienschutz Martin Kyek vom Ifö-Institut Salzburg an. Eine provisorische Maßnahme mit Folie und Kies, die das Versickern unterbinden soll, werde am 11. Januar im Rathaus besprochen, versprach Hoyer.

Weßlings Bürgermeister Michael Muther findet es unverständlich, dass sich die Angelegenheit mit den Laichgewässern so hinzieht. „Das ist sinnloser Ärger für alle Seiten“, sagte er gestern gegenüber dem Starnberger Merkur.- „Die Naturschützer sind frustriert, die Behörden werden geschimpft.“ Gerade weil es sich um so seltene Arten handele, herrsche dringender Tatbedarf. „Wir müssen da schon drauf schauen.“

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