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Während auf dem Wall (oben rechts) zunächst still protestiert wurde, durchschnitten sie das Band: Thomas Linder (Oberste Baubehörde), Landrat Karl Roth, Michael Kordon (Staatliches Bauamt), Bürgermeister Michael Muther sowie die Pfarrer Anton Brandstetter und Constantin Greim (von links).

Umfahrung ist eröffnet

Weßling feiert, Naturschützer protestieren

Weßling - Es ist vollbracht: Gemeinde und Staatliches Bauamt haben gestern feierlich die Weßlinger Umgehungsstraße eröffnet. Ihren Schlussakkord setzten dabei auch die Gegner des Projekts, die die Feier mit schwarzen Fahnen und stillem Protest begleiteten.

Der geforderte und realisierte sichere Radweg von Weßling nach Etterschlag war das Sahnehäubchen für die Bürger, die jetzt vor allem darauf hoffen, dass möglichst viele Autos und Lkw einen großen Bogen um das Dorf machen. Nach Meinung von Bürgermeister Michael Muther hat der Radweg auch dazu beigetragen, dass gestern keine Weßlinger auf dem Wall neben der Ortsumgehung standen: 25 Umfahrungsgegner des Bund Naturschutz aus Wörthsee und dem übrigen Landkreis ließen dort ihre schwarzen Fahnen im eiskalten Wind wehen. Als das Band durchschnitten war, erklärten sie in einem musikalischen Beitrag, was sie von der neuen Verbindung halten: nichts.

Unterhalb, auf der Straße, sah man das freilich anders. „Die Kritiker wohnen alle nicht an der Weßlinger Hauptstraße“, erinnerte Rathauschef Muther an die Bürger, die seit Jahrzehnten unter dem Durchgangsverkehr leiden. 15 000 Fahrzeuge waren es zuletzt, die sich täglich durch den Ort quälten.

Die Weßlinger hatten 2012 bei einem Bürgerentscheid selbst grünes Licht für den Bau gegeben, der in Sonderbaulast erfolgte. 10,2 Millionen Euro kostete die 3,3 Kilometer lange Trasse samt dreier Brücken und 42 Amphibiendurchlässen. Ministerialrat Thomas Linder zog gestern seinen Hut vor dem Weßlinger Bürgermeister, der satte 85 Prozent staatliche Zuwendungen herausgehandelt hatte. Üblich seien 75 Prozent. Die Gemeinde kostet die Umgehung letztlich also gerade einmal 1,5 Millionen Euro.

Auch Bauamtschef Michael Kordon bedankte sich für die „ausgesprochen konstruktive und prima Zusammenarbeit“ mit der Gemeinde Weßling. Man sei früher fertig geworden als geplant (2017), erklärte Kordon, die Kosten blieben im Rahmen. Jetzt liegt es an den Autofahrern, das Angebot zu nutzen: 12 500 Kfz pro Tag sind prognostiziert. Vor dem Ort geht es für sie in einen Kreisverkehr und von dort auf direktem Weg zur A 96-Anschlussstelle Wörthsee. Landrat Karl Roth betonte gestern ebenso wie der Bürgermeister die Wertschätzung, die dem Radverkehr zuteil wird.

Den geistlichen Segen gaben die Pfarrer Anton Brandstetter und Constantin Greim: „Gesegnet werden alle Menschen, die künftig auf dieser Straße unterwegs sind.“ Das letzte Wort kam vom Protestwall: „Wir sind heute hier, um unsere Trauer zum Ausdruck zu bringen“, erklärte Wörthsees BN-Chef Kurt Heine. 20 Jahre habe man gegen das „unsinnige Projekt“ gearbeitet.   jvr

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