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Radler leben im Straßenverkehr oft gefährlich. 

Verkehr

Modellversuch mit  Tücken

Eine Testbeschilderung für Radler sorgt für Unmut in Weßling. 

Weßling– Die Gemeinde Weßling beteiligt sich an einem Modellprojekt, bei dem es um die Kennzeichnung von Geh- und Radwegen ohne Benutzungspflicht für die Radler geht. In der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses sorgte dies aber für Irritationen.

Im Rahmen des Weßlinger Versuchs wurden und werden verschiedene Schilder im Wechsel aufgestellt, damit – so das Ziel – am Ende die Beschilderung gefunden wird, die allen Verkehrsteilnehmern die neue Regelung am besten veranschaulicht. Dazu werden die Auswirkungen der verschiedenen Schildervarianten ausgewertet. Einfach gesagt: Überholen die Autofahrer den Radler hupend, haben sie das Schild nicht verstanden. Für das Pilotprojekt zeichnen die Oberste Baubehörde, die Technische Hochschule Nürnberg und die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern verantwortlich.

Im Oktober bereits entfernten die für das Projekt Verantwortlichen entlang der Hauptstraße zwischen den Einmündungen Nelkenweg und Gautinger Straße in Weßling das sogenannte Verkehrszeichen 240. Das ist das runde, blaue Schild, das oben Fußgänger und unten ein Fahrrad zeigt. Stattdessen soll ein weißes Schild mit der Aufschrift „Radfahrer auf Fahrbahn erlaubt“ Radler, aber auch Pkw- und Lkw-Fahrer darauf hinweisen, dass die Radler ganz legal die Straße nutzen dürfen. Was fehlt, ist der Hinweis, dass der Radfahrer bei Bedarf auch – in angepasster (Schritt-)Geschwindigkeit – den Gehweg nutzen darf. Im Vorfeld machten die Studenten Videoaufnahmen entlang der Hauptstraße. Sie dokumentierten die Anzahl der Radler, Geschlecht und Alter, Geschwindigkeit und Sicherheitsabstand, bevor sie die blauen Schilder demontierten.

Im Weßlinger Umweltausschuss fand dies alles keine rechte Gegenliebe. „Das ist überhaupt nicht erkennbar“, kritisierte Vizebürgermeister Michael Sturm (FW) das Vorgehen und sah darin ein Gefahrenpotenzial für die Radler. Gerhard Hippmann von der Mobilitätswende Weßling hatte auch rechtliche Bedenken. Der Radler dürfe ohne das blaue Schild den Gehweg gar nicht nützen, ermahnte er und berichtete, dass er diesbezüglich bereits mit dem Landratsamt einen regen Schriftwechsel führe. Ohne Ergebnis. Zudem habe er beobachtet, dass die Radler auf der Hauptstraße bedrängt, angehupt und beschimpft würden. Er war sich sicher, dass nach dem Verschwinden des blauen Schilds entsprechend alle Radler sogleich auf die Straße ausgewichen seien. Das sei gefährlich.

Verkehrsmanagerin Susanne Münster versicherte im Gespräch mit dem Starnberger Merkur, dass die blauen Schilder anbetracht dieser Schwierigkeiten zeitnah wieder montiert würden. Allerdings nur, bis im Frühjahr die roten Piktogramme kommen, die die gesamte Gemengelage für alle Beteiligten wieder besser erkennbar machen sollen. Zu dem blauen Verkehrszeichen stellte sie fest: „Im Rahmen einer Änderung der Straßenverkehrsordnung gilt die Benutzungspflicht für Radler innerorts übrigens nur noch in Ausnahmefällen.“

Insgesamt beteiligen sich elf bayerische Kommunen an den Modellversuchen. Weßling gehört neben Andechs (Fahrradpiktogramme) und Wörthsee (einseitige Schutzstreifen innerorts) zu den Auserwählten im Landkreis Starnberg. Die Ergebnisse des Projekts gibt’s 2020.

Michèle Kirner

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