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Besichtigungstermin in Weßling: Viele Bürger wollten wissen, wie es in so einer Wohnanlage ausschaut. 

Asyl

Kein Betüdeln, kein Bevormunden

Weßling - Weßlinger Bürger haben die Containeranlage unter die Lupe genommen. Die ersten Bewohner sind schon eingezogen. 

Der Regen prasselte erbarmungslos auf die Containerdächer, trotzdem drängten sich beim Besichtigungstermin in Weßling die Menschen: Viele wollten wissen, wie die Asylsuchenden in der Wohnanlage neben dem Feuerwehrhaus untergebracht werden. Auch bei der Nachbesprechung herrschte starker Andrang.

144 Menschen haben in der Wohnanlage Platz, die ersten sechs sind gestern eingezogen. Bis nächste Woche sollen es laut Landrat Karl Roth 24 sein. Dabei handelt es sich insgesamt um zwei Familien aus Afgahnistan, drei Männer aus Somalia, zwei aus Afghanistan und vier Nigerianer. Wie es weitergeht, weiß niemand. Sabine Neumann, Fachbereichsleiterin Asyl im Landratsamt, geht aber davon aus, dass die Anlage bis Ende des Jahres belegt ist. „Wir werden drauf achten, dass je zu 50 Prozent Familien und alleinreisende Männer dort wohnen“. Es ist die siebte Anlage im Landkreis – und die erste ohne Sicherheitsdienst. „Wir wollen es so probieren. Die Bewohner sind ja nicht neu im Land, sondern schon länger da.“ Erst wenn die Anlage voll sei, würde die Firma Jonas Better Place die Betreuung übernehmen. Herrschings Polizeichef Erich Schilling beruhigte die Weßlinger auch gleich: „Wenn es Probleme gibt, dann sind das interne Rangeleien.“

Die Unterbringung sei der erste Schritt, „nun brauchen die Menschen jemanden, der sie an die Hand nimmt“, sagte Roth mit Blick auf den Helferkreis. Dieser wird von einem Team um Johanna Ebbinghaus koordiniert, und zwar unter dem Leitwort „Hilfe zur Selbsthilfe“, wie die Weßlingerin erklärte. „Wir wollen kein Betüdeln und Bevormunden.“ Die Gruppe hat sich „Integrationspunkt“ genannt, und unter diesem Namen wird es in ein, zwei Wochen auch eine Internetseite geben. Ebbinghaus hatte gleich einige Listen dabei, in die sich zahlreiche Weßlinger nach der Versammlung eintrugen. Auch in der Gemeinde gibt es ab 15. Juli mit Franziska Werner eine feste Ansprechpartnerin. Völlig offen ist, wie viele schulpflichtige Kinder ab September die Weßlinger Grundschule besuchen werden. Roth versprach Rektorin Maria Streifinger, dieses Thema bei der Auswahl der Bewohner im Auge zu behalten. Georg Reik, der in Weßling einen Elektrobetrieb führt, würde gerne einen Praktikanten anwerben. „Alles möglich und am besten mit dem Helferkreis absprechen“, sagte Neumann.

Und sonst? Die Küchen sind mit Induktionsherden ausgerüstet. „Wegen der Sicherheit: Wenn Sie den Topf wegziehen, ist die Platte aus“, erklärte Roth. Und ohne Wäschetrockner gehe es auch nicht, „wenn es regnet wie heute zum Beispiel“.

hvp

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