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Roland von Rebay bleibt dem Gemeinderat fraktionslos erhalten. 

Parteiaustritt

Weßlinger CSU verliert Roland von Rebay

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Monatelang hatte es in ihm rumort, nach der Bundestagswahl, die der CSU eine schallende Ohrfeige brachte, steht Roland von Rebays Entschluss fest: Der Weßlinger Gemeinderat gibt sein Parteibuch ab.

Weßling– Roland von Rebay verlässt die CSU. 40 Jahre gehörte der Weßlinger Gemeinderat den Christsozialen an, jetzt hat er genug: „Es ist mir persönlich nicht möglich, einer Partei anzugehören, die eine offene rechte Flanke schließen muss und Positionen über Bord wirft, zu denen ich mich bekenne“, begründet der 60-Jährige seinen Schritt. Den von der Parteiführung in München angekündigten Rechtsruck empfindet von Rebay als populistisch: „Das widerspricht meinen christlich-liberalen Wertvorstellungen.“

Für die CSU vor Ort ist der Austritt des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden und Kreisrats ein herber Verlust. Von Rebay war es, der die brennendsten Themen im Ort mit anschob. Er kämpfte für die nicht unumstrittene Umgehungsstraße und sitzt seit diesem Jahr dem Verein „Verkehrsberuhigung Weßling“ vor. „Die Arbeit geht für den Verein jetzt erst richtig los“, betonte er nach seiner Wahl im Februar. Der Verein sei eine wichtige Unterstützung für den vor einem knappen Jahr gegründeten Arbeitskreis „mobil & lebenswert“. Mit großer Leidenschaft setzt sich der scheidende CSUler seit Jahren zudem für das neue Schulhaus in Weßling ein, in dem die Mädchen und Buben aus den drei Ortsteilen (Weßling, Hochstadt und Oberpfaffenhofen) in Zukunft unter einem Dach unterrichtet werden. Wie berichtet, wird der Neubau in der Nähe des Weßlinger Sportplatzes entstehen. Im Mittelpunkt steht das sogenannte Lernhauskonzept, das bereits in Wörthsee umgesetzt worden ist und auch im zukünftigen Herrschinger Gymnasium verwirklicht werden soll.

Aus der CSU wird sich der 60-Jährige verabschieden, aus der Politik aber bestimmt nicht: Er habe sein Gemeinderatsmandat nicht aufgrund der Zugehörigkeit zur CSU gewonnen, „sondern aufgrund persönlichen Agierens“, so von Rebay. Aus diesem Grund werde er sein Mandat nicht zurückgeben und künftig fraktionslos dem Gemeinderat angehören. Nebenbei sucht sich der Weßlinger eine neue politische Heimat. Wie so viele hatte der 60-Jährige vor der Bundestagswahl im Internet den „Wahlomat“ getestet, der Unentschlossenen hilft, eine politische Richtung zu finden.

„Da ist bei mir immer Grün herausgekommen“, sagt von Rebay und lacht. Dazu passt, dass der Weßlinger seit 40 Jahren ein Gegner der Kernkraft ist. „Ich habe immer gesagt, das kann nicht sein, wir kriegen den ganzen Dreck nicht weg“, so der 60-Jährige. Überdies hat der Weßlinger ein großes soziales Herz. So kümmert er sich bereits seit 2015 um fünf Brüder zwischen 13 und 20 Jahren, die aus Afghanistan geflohen sind. Unter anderem vermittelte er ihnen Praktika und half beim Deutschlernen.

Bei den Grünen wird der beruflich als Mediator tätige Unternehmensberater wohl dennoch nicht unterkommen. Er lässt durchblicken, dass er große Sympathien für die Liberalen hegt. „Die FDP ist mir schon sehr nahe“, gibt der Weßlinger zu. Und dass es in Weßling noch keinen FDP-Ortsverband gibt, ist dem 60-Jährigen auch nicht entgangen. Doch er lässt es langsam angehen. Von Rebay: „Im Moment fühle ich mich nicht gedrängt.“

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