Hat Vorschläge in Sachen Schulranzen: : Dr. Cornelia Singer, Kinderärztin aus Weßling.

Wie schwer sollte die Tasche sein?

Kinderärztin schlägt Alarm: Schulranzen sind zu schwer

Die Weßlinger Kinderärztin Dr. Cornelia Singer schlägt Alarm: Die Schulkinder sind mit zu schweren Taschen unterwegs. Dass die Rückenmuskulatur darunter leidet, sieht sie täglich in ihrer Praxis. Und appelliert in einem Aufruf an die Eltern, sich die Taschen mal genauer anzuschauen und zu wiegen.

Weßling – 1995 ist die Kinderärztin Singer mit ihrer Familie an den Weßlinger See gezogen, seit 1996 praktiziert sie dort auch. Das Thema Schulranzen war schon für sie als Mutter ein Thema: Singer hat drei Kinder, heute 18, 23 und 25 Jahre alt. „Es gab mal die sinnvolle Vorgabe, dass ein Kind nicht mehr als zehn Prozent seines Körpergewichts tragen soll“, sagt die 59-Jährige. Von unterschiedlichen Seiten werde ein höherer Prozentsatz angegeben. Davon hält sie nichts, auch wenn jedes Kind natürlich anders gebaut und unterschiedlich belastbar sei. „Grundsätzlich ist es doch immer gut, wenn man wenig zu schleppen hat“, findet Singer. Und dass die meisten Kinder zu viel tragen, das beweist die Anzahl der kleinen Patienten, die wöchentlich in ihrer Praxis landen. „Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen“, das sind die symptomatischsten Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. „Wenn die Kinder mit der schweren Tasche dann auch noch auf das Rad steigen, strecken sie die Arme nach vorne und verkrampfen im Nacken und der Schulter – dann ist es noch schlimmer.“ Die Taschen gehörten auf jeden Fall auf den Gepäckträger.

Zweiter Büchersatz als Lösung?

Obwohl Singer seit Jahren immer wieder an die Eltern appelliert, auf die Taschen zu achten, hat sie wöchentlich mit dem Thema zu tun. Dabei sind schwere Lasten gerade in Zeiten des Wachstums sehr problematisch für den wachsenden Körper, „das Skelett ist noch sehr fragil“. Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind, schickt Singer ihre Patienten zur ostheopatischen Behandlung oder Physiotherapie.

„Dabei ist es gar nicht so schwer, die Schultasche leichter zu machen“, findet die Kinderärztin und rät den Eltern: „Kaufen Sie einen zweiten Büchersatz.“ Sie selbst hat es stets so gehandhabt. „Da geht es um 100 Euro im Jahr – und die Bücher lassen sich wieder verkaufen.“ Wichtig sei auch ein leichter Schulranzen mit breiten Tragegurten und einem gepolsterten Rückenteil, der zu der Körperform des Kindes passe. „Achten Sie täglich darauf, dass Ihr Kind nur die nötigsten Bücher und Hefte mitnimmt.“

Wirbelsäulen- und Gelenkschädigungen vorbeugen

Was den zweiten Büchersatz angehe, so solle in den Schulen unbedingt angeregt werden, dass die Bücher dortbleiben könnten. „Einige Schulen praktizieren das bereits“, weiß Singer. Leider sei dies gerade bei vielen weiterführenden Schulen, die von dann pubertierenden Kindern besucht würden, oft nicht mehr der Fall.

„Die 100 Euro Investition in den zweiten Büchersatz lohnen sich auf jeden Fall“, davon ist Singer überzeugt. Denn sie bewahren das Kind nicht nur vor Beschwerden, sondern sogar vor „eventuellen Wirbelsäulen- und Gelenkschädigungen“. Abgesehen davon: „Kinder laufen und springen doch gerne. Mit so viel Gewicht auf dem Rücken, das ist kein beschwingtes Leben“. Eltern sollte es wichtig sein, ihre Kinder nicht mit „dieser Schwere auf dem Rücken loszuschicken“.

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