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Weßlinger lauschen lieber am Bildschirm

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Von: Hanna von Prittwitz

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Gähnende Leere herrschte am Montagabend bei der Weßlinger Bürgerversammlung. An den Bildschirmen daheim jedoch verfolgten die Veranstaltung 60 Menschen bis zum Schluss.
Gähnende Leere herrschte am Montagabend bei der Weßlinger Bürgerversammlung. An den Bildschirmen daheim jedoch verfolgten die Veranstaltung 60 Menschen bis zum Schluss. © Andrea Jaksch

Für Weßlings Bürgermeister Michael Sturm war es die erste Bürgerversammlung – wegen Corona. Im Schützenheim nahm nur eine überschaubare Zuhörerschar Platz, doch immerhin verfolgten 60 Menschen Sturms Rechenschaftsbericht online und auch bis zum Ende der Veranstaltung.

Oberpfaffenhofen – So läuft das nun zu Zeiten von Corona mit den Bürgerversammlungen: Sie werden live übertragen, Fragen werden im Chat gestellt. Bei der Versammlung der Gemeinde Weßling im Schützenheim in Oberpfaffenhofen am Montagabend erhielten die zwölf angemeldeten Zuhörerinnen und Zuhörer noch eine rote oder grüne Karte. Meldeten sie sich mit einer roten zu einer Frage, blieben sie anonym. Auf den Bildschirmen daheim war ohnehin nur Bürgermeister Michael Sturm zu sehen. Ausführlich zog er Bilanz, angefangen bei der Organisationsstruktur der Gemeinde über die Finanzen bis hin zu großen Bauprojekten wie der Grundschule.

Die Finanzen

Finanziell ist die Lage gut, „wir bemerken bisher keinen signifikanten Einschnitt durch die Pandemie“, sagte Sturm. Die Einkommensteuereinnahmen lägen noch leicht unter dem normalen Niveau, die Gewerbesteuereinnahmen dafür umso höher. Auch aus personellen Gründen hielt die Gemeinde einige Bauprojekte zurück, „daher stehen für Bauunterhalt noch über 55 Prozent der geplanten Mittel zur Verfügung“, sagte Sturm. Die dünne Personaldecke habe auch Geld gespart, mittlerweile jedoch ist zumindest das Weßlinger Bauamt wieder gut besetzt. Die geplante Kreditaufnahme in Höhe von 4,8 Millionen Euro konnte vorerst ausgesetzt werden, die Gemeinde baute sogar durch Sondertilgungen Schulden ab. Weil die Einnahmen vor allem 2019 so gut waren, rechnet Sturm 2022 allerdings mit einer Kreisumlage von 8 Millionen Euro. Die Gemeinde hat mit Grundschulneubau, sozialem Wohnungsbau, der Ertüchtigung des Wasserleitungsnetzes, dem Ausbau des Gewerbegebiets Argelsrieder Feld und der Digitalisierung jedoch einige Großprojekte vor der Brust. „Daher werden wir bei den Haushaltsberatungen genau hinschauen“, kündigte Sturm an. Der Schuldenstand liegt Ende des Jahres voraussichtlich bei knapp 2 Millionen Euro. Das bedeutet eine Pro-Kopf-Verschuldung von 362 Euro, der Landesdurschnitt liegt bei 671 Euro.

Bauprojekte

Auch Florian Zarbo, seit Juli 2021 Vorstand des Weßlinger Kommunalunternehmens (KUGW), stellte sich der Versammlung vor. Zu seinen Projekten zählt nicht nur die Grundschule, sondern auch sozialer Wohnungsbau, der am Kesselboden 9 entstehen soll. Auf dem rund 4373 Quadratmeter großen Grundstück plant die Gemeinde ein Mehrfamilienhaus. Die staatlichen Förderungen dafür sind hoch, bis Sommer 2022 soll ein Entwurf vorliegen. Das Grundschulprojekt befindet sich im Zeitplan, auch wenn die „exorbitant gestiegenen Materialpreise“ problematisch seien, wie Zarbo sagte. „Wir sind aber guter Dinge, dass wir das Meisterstück schaffen.“ An der Eröffnung im Sommer 2023 werde festgehalten. Zarbo zeigte auch einen Entwurf zur Verkehrsplanung. Ein Teil des Steinebacher Wegs und der Meilinger Weg werden überplant. „Ziele sind ein sicherer Schulweg sowie eine Sanierung der Straßen, insbesondere unter Berücksichtigung der Widmung als Fahrradstraße.“ Eine Sanierung soll auch die Hauptstraße aufwerten, die Ausschreibung erfolgt ebenfalls 2022.

Der Bahnhof

Nur mühsam kommt die Gemeinde voran, was den Weßlinger Bahnhof angeht. Wie berichtet, soll dieser im Zuge des zweigleisigen Ausbaus ein Wendegleis erhalten und barrierefrei ausgebaut werden. „Aber die Ansprechpartner wechseln ständig“, stellte Sturm fest. Doch die Bahn wolle wohl 2024 loslegen. Er versprach zuvor umfassende Informationen über den barrierefreien Ausbau und auch das Wendegleis, auf dem Züge warten sollen, wenn dann eines Tages ab Weßling die Express-S-Bahn startet. Und er plauderte aus dem Nähkästchen. So habe die Bahn wohl versäumt, Öl für die Ölheizung zu kaufen. Die Heizung steht in dem Teil des Bahnhofs, der noch der Bahn gehört. Mit dem Ölkauf ließ sich die Bahn dann so viel Zeit, dass in der Wartehalle, die wiederum der Gemeinde gehört, die Rohre platzten. „Die Bahn hat das dann repariert, immerhin“, so Sturm leicht fassungslos.

Bürgerfragen

Für Fragen wurden dann auch Zuhörer aus dem Internet zugeschaltet. Für die Kreuzung Ettenhofener Straße/Hochstadter Straße forderte ein Bürger einen Spiegel, eine Bürgerin wünschte sich die Verlängerung des Gehwegs an der Stelle. Nach einer Beleuchtung rund um den See erkundigte sich eine weitere Zuhörerin. „Das wollen wir nicht“, sagte Sturm, „wir haben dort keine Promenade geplant“. Ein anderer Bürger schlug kostenpflichtige Parkplätze vor. „Wir haben da im Gemeinderat drüber nachgedacht“, berichtete Sturm. Doch die „starke Verparkung“ gebe es nur an wenigen schönen Tagen im Jahr. „Über das Jahr gesehen wäre das ein Draufzahlgeschäft.“ Die Besucherströme zu lenken, auch das bleibe ein Problem, vor allem für die Flächen ringsum. „Aber da sind wir im Gespräch mit dem Landkreis.“ Eine Zuhörerin sorgte sich insgesamt um die Verkehrsentwicklung mit Blick auf das Wachstum der Gemeinde. „In den vergangenen Jahren sind wir überschaubar gewachsen, jetzt wird der Druck stärker“, räumte Sturm ein. Die Gemeinde versuche, mit Radstraßen und der Förderung von Lastenrädern gegenzusteuern. Nichts Neues gab es zu der Frage nach der Nachnutzung der Schulhäuser. Nur so viel: „Es gibt viele Wünsche. Und einen Leerstand können wir uns nicht leisten“, sagte Sturm. „Aber wir sind noch nicht soweit.“

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