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Termin vor Ort: Christian Probst, Bürgermeister Michael Muther, Stephanie Brundke, Marika Hoyer und Förster Florian Mergler an einem Eichen-Setzling.

Weßlinger Umfahrung

Drei Millionen für den Artenschutz

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Über den Nutzen der Weßlinger Umfahrung gehen die Meinungen noch auseinander. Keine Zweifel aber haben die Verantwortlichen daran, dass sie zum Schutz der Natur und der Arten alle Möglichkeiten ausgeschöpft und umgesetzt haben.

Weßling– Aus diesem Grund hatte das Staatliche Bauamt Weilheim gestern zu einem Pressegespräch geladen – auf die Bahnbrücke, die nahe des Kreisels die Umfahrung überquert.

Zauneidechsen, Fledermäuse, der Hirschkäfer, tausende Amphibien und mehrere Hektar Wald: der Bau der Weßlinger Umfahrung ist zweifelsohne ein Einschnitt in ein kostbares Stück Natur gewesen, in dem es von seltenen Arten wimmelt. In den zwölf Millionen Euro Gesamtkosten sind daher laut Christian Probst vom Staatlichen Bauamt etwa drei Millionen Euro in Maßnahmen geflossen, die die Wunden der Natur schließen, die Arten erhalten sollen.

Umso zufriedener war Förster Florian Mergler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gestern darüber, dass das Staatliche Bauamt „unseren Empfehlungen gefolgt ist“. Auf 3,8 Hektar Ersatzfläche sei hochwertiger Eichenwald entstanden. Für die Staatsstraße waren etwa drei Hektar Wald gefällt worden – „der war aber sehr fichtenlastig“.

Die Bepflanzung der größeren Ausgleichsfläche mit Eichen sei kostspielig gewesen, „darum freut es mich besonders“, so Mergler. Auch die seltene Elsbeere wurde in dem Bereich nachgepflanzt. Die Kosten der Aufforstung: etwa 66 000 Euro. Und die Tierwelt?

Die Amphibien: Springfrösche, Erdkröten, Berg- und Kammmolche – früh war klar, dass im Waldgebiet bei Weßling wertvoller Amphibienbestand die Umfahrung auf dem Weg in Richtung Golfplatz queren will. Dafür haben die Verantwortlichen 42 Amphibiendurchlässe gebaut – für 700 000 Euro reine Baukosten. Diese Durchlässe standen zuletzt in der Kritik (wir berichteten). Naturschützer wollen beobachtet haben, dass die Amphibien sie nicht nutzen. Belegbare Zahlen gibt es nicht. „Wir beobachten das, müssen unsere Rückschlüsse aber noch ziehen“, sagte Marika Hoyer vom Bauamt gestern. Unter Verdacht steht gelöster Kalkschlamm, in dem die Tiere haften bleiben. „Aber das ist nur eine Vermutung.“ Zwei Durchlässe hätten unter Wasser gestanden, doch die bautechnischen Mängel würden zeitnah behoben. Neben den Durchlässen sind auch vier Amphibienlaichgewässer am Waldrand in Weßling entstanden – für etwa 150 000 Euro.

Die Fledermäuse: Bart- und Zwergfledermäuse kreuzen die Umfahrung. „Wir haben Überflughilfen in Form von Sperrzäunen errichtet“, erklärte Stephanie Brundke vom Bauamt. Die grünen, vier Meter hohen Netze sind mit Sträuchern unterpflanzt. Sind diese hoch genug, kommen die Netze weg. Außerdem installierte das Bauamt 15 Fledermauskästen – „weil wir einige Bäume fällen mussten, die Quartiere boten“, so Brundke. Die Bäume seien unmittelbar vor der Fällung auf Fledermausbesatz kontrolliert worden.

Der Hirschkäfer: Direkt an der Umfahrung wurde er noch nicht gesichtet, wohl aber in Weßling. Am Südrand des Dellinger Buchet, im Fauna-Flora-Habitat (FFH) entstanden so genannte Hirschkäfermeiler aus Totholz. Sie simulieren alte Holzlagerplätze, an denen sich der seltene Käfer wohlfühlt.

Die Zauneidechse: Die kleinen Eidechsen wurden schon vor Baubeginn umgesiedelt. 3000 Quadratmeter Ersatzlebensraum entstanden zwischen der Zufahrt zum Golfplatz und der Umfahrung. „Da haben wir mehr als 100 Tiere reingesetzt“, berichtete Marika Hoyer. Anfangs mussten die Tiere quasi eingesperrt werden. „Mittlerweile können sie sich frei bewegen.“

Insgesamt verbrachten die Mitarbeiter des Bauamts gut 200 Stunden damit, Tiere umzusetzen, während der Bauzeit aufzusammeln und über die Straße zu tragen. Beraten wurde die Behörde bei der Durchführung aller Maßnahmen von einem auf Umweltbaubegleitung spezialisierten Fachbüro. „Früher hat unsere Behörde das selbst gemacht. Heute wird das ausgeschrieben“, erklärte Probst. Die Qualität aller Maßnahmen werde regelmäßig überprüft und verbessert, sagte Probst.

Und wie ist es jetzt mit dem Straßenverkehr? Seit einer Woche befindet sich in einem Leitpfosten der Umfahrung ein Zählgerät. Probst ist sicher, dass die Trasse früher oder später den Verkehr aus Weßling hinausziehen wird und der gewaltige Eingriff in die Landschaft nicht vergebens war. „Die Umfahrung ist nur eins von drei Puzzleteilen: Gemeinsam mit dem Ausbau der A 96 und dem Bau der Gilchinger Umfahrung wird sie funktionieren.“

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