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Lauter kleine Schätze wie dieser Circus Krone bringen auch Notburga und Wilfred Waiblinger zum Staunen. „Holzverarbeiter“ Heinz Heinzmann (r.) freut sich über solche Reaktionen am meisten.

Spielzeugausstellung

Wiederhersteller aus Leidenschaft

„Die Laubsäge war meine erste Liebe“, sagt Heinz Heinzmann. Der Holzverarbeiter zeigt seine Werke in einer Ausstellung.

Weßling– „Aus dem Spielalter kommen Männer eben nie raus“, sagt Heinz Heinzmann schmunzelnd. In der laufenden Ausstellung ist der 70-Jährige umgeben von Nussknackern, Puppenhäusern, Marionetten oder dieser Spielzeugrakete aus Blech, die er aufzieht und durch seine Sammlung von „Spielzeug vergangener Tage“ im Pfarrstadel in Weßling fahren lässt.

„Die Laubsäge war meine erste Liebe“

Im Pfarrstadel hat der Weßlinger Holzverarbeiter, wie er sich nennt, das Ergebnis von 20 Jahren Baukunst aus Holz und Blech versammelt. Alles Einzelstücke, die er liebevoll gesammelt und repariert hat. Aus seinem Kinder-Kakaogeschirr zum Beispiel wurde 1910 zum ersten Mal getrunken. Und sein Wilhelm Tell mit der Armbrust aus Holz schoss Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal seinem Sohn den Apfel vom Kopf. Sohn und Apfel gingen verloren, der hölzerne Tell erreichte den passionierte Sammler Heinzmann ohne Bein. Und dieser wäre nicht Holzverarbeiter, wenn er es mit seinen geschickten Händen nicht nachgeschnitzt und angeklebt hätte.

Jedes der Sammlerstücke hatte der Weßlinger mindestens einmal auf der Werkbank in seinem selbstgezimmerten Pavillon liegen. Die Kinder-Bäckerei aus dem 19. Jahrhundert bereicherte er mit Backwerk aus Pappkarton, den Miniatur-Circus-Krone mit einem neuen Zirkuswagen. Eine Laubsägearbeit mit der Säge, die seine Großmutter dem damals Fünfjährigen schenkte. So hatte alles begonnen. „Die Laubsäge war meine erste Liebe.“ Fortan stand dem Schüler die Welt Modell, und er sägte „einen Kilometer“ Figuren und Gegenstände.

Sogar im Urlaub graste er die Märkte ab

Die schulischen Leistungen waren „so lala“, sagt Heinzmann. So begann er mit nur 13 Jahren die Lehre bei einem Bildhauer in München. Als Selbstständiger lebte er vom Trend der Bauernmöbel, bekam Stühle und Tische zugetragen, „die andere nimmer machen“. Und zwischen Arbeitsleben und Ruhestand im klassischen Unruhestand entstand die Sammelleidenschaft. Vielleicht, weil Spielzeug in seiner Kindheit, in den kargen Nachkriegsjahren, schlicht nicht vorhanden war.

Auf Versteigerungsplattformen oder Flohmärkten kaufte der Bildhauer ein Stück nach dem anderen ein. Sogar im Urlaub graste er die Märkte ab, bis sein VW-Bus voll war. Der Restaurator oder besser „Wiederhersteller“ reparierte alles, was ihm in die Finger kam. Darunter ein Schulrollbild mit Münchhausen, das er für drei Euro bei Ebay ersteigerte. „Das Bild war aufgerollt und verklebt.“ Er griff zu Pinsel und Farbe und malte den auf der Kanonenkugel über die Landschaft Fliegenden nach. Jetzt hängt es wie neu an der Wand.

Ausstellung ist nochmal zu sehen

Heinzmann nämlich malt auch, ein Wiederhersteller eben. Zu seiner Sammlung gehören auch eine mannshohe Weihnachtspyramide, Holzpuzzle und Nussknacker mit lebhaften Glasaugen. Jedes Ding verpackte er in Kisten – bis irgendwann Keller und Speicher voll waren. Das war dann der richtige Zeitpunkt für die Ausstellung, bei der er die Spielsachen auf Verhandlungsbasis verkauft. Sein neues Hobby ist nämlich schon startklar: Im Segelboot über den karibischen Wörthsee fahren. Aus Holz ist das Boot nicht, aber Arbeit macht es genügend.

Zu sehen ist die Ausstellung „Spielzeug vergangener Tage“ noch einmal am kommenden Wochenende von Freitag bis Sonntag, 12. bis 14. Januar. Geöffnet ist an allen Tagen jeweils von 10 bis 17 Uhr.

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