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Ein unvergessliches Erlebnis: Als Lilly Reik als Erste durchs Ziel fuhr, schrie sie ihre Freude über den Sieg bei dem österreichischen Kultrennen laut heraus.

„Der Weisse Rausch“

Weßlingerin Lilly Reik triumphiert beim Kultrennen am Arlberg

Das Rennen genießt absoluten Kultcharakter: „Der Weisse Rausch“. Lilly Reik aus Weßling triumphierte am Ostersonntag am Arlberg - auf kuriose Weise.

Weßling– Eigentlich misst sich Lilly Reik (22) höchstens beim Weßlinger Skirennen mit anderen. Da ist sie meistens auch vorne mit dabei. Seit drei Jahren stürzt sie sich aber in St. Anton mit hunderten Wintersportlern den 2665 Meter hohen Vallugagrat hinunter. 2018 war sie beim alpinen Skirennen „Der Weisse Rausch“ die zweitschnellste Frau – und am Ostersonntag überholte sie auf den letzten Metern ihre Konkurrentin und bestieg als schnellste weibliche Teilnehmerin das Siegerpodest. Ein „unglaubliches Gefühl“ sei das gewesen, erzählt die 22-Jährige. „Ich fahre ja nicht so häufig Rennen“, sagt Lilly Reik. Vielmehr sei sie Freeriderin, Skitourengeherin. In dieser Saison stand sie an 50 Tagen auf den Skiern. Unter anderem am Arlberg, wo sie seit ihrer Kindheit Ski fährt und den sie wie ihre Westentasche kennt.

Seit ihrem Geburtsjahr werfen sich immer am letzten Tag der Wintersaison hunderte Wilde im Rahmen des Skirennens „Der Weisse Rausch“ in den Hang. Seit ihrem 19. Lebensjahr steht auch Lilly Reik mit ihnen am Start. Heuer war sie eine von 555 Mitwirkenden aus Ländern wie Österreich, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Neuseeland. Ein Kandidat kam sogar aus Japan. Auf dem Snowboard, Telemark- oder Abfahrtsskiern gaben die Wettbewerber im wahrsten Sinne volle Kante.

Die älteste Starterin war 84 Jahre alt

Mit der Startnummer 609 stand die Weßlingerin in ihrem luftigen Skianzug zwischen Teilnehmern in teilweise hautengem Renndress oder lustig verkleideten Spaßfahrern. „Die Älteste war 84 Jahre alt“, staunte Reik. Das Durchschnittsalter lag allerdings zwischen 20 und 40 Jahren – und wer den Massenstart auf den ins Netz gestellten Videos verfolgt, versteht, warum das so ist.

Am Tag, an dem die Lifte schließen, jagen die Fahrer im Pulk und mit Vollgas auf eine Verengung zu. Und zwar nicht über platt gewalzte, sondern über buckelige Pisten. Da brennen dem Betrachter schon beim Zuschauen die Oberschenkel. Der eine oder andere Sturz auf dem ersten Kilometer ist da Programm – und wer heil unten ankommt, auf den wartet die nächste Herausforderung in Form eines etwa 200 Meter hohen Buckels. Reik bewältigte den Aufstieg mit geschulterten Skiern. „Die Männer skaten teilweise hoch“, berichtet die Medizinstudentin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Das sei ihr viel zu anstrengend, gesteht sie und stellt nicht ohne Bewunderung fest: „Viele Männer sind ganz schön fit.“ Deshalb landete die Siegerin der Frauen in der Gesamtwertung hinter 55 Männern „nur“ auf Platz 56.

Erst am finalen Schneeberg überholt Lilly Reik die bislang Führende

Fit muss sie aber auch gewesen sein, bedenkt man, dass sie nach dem ersten Hindernis eine sage und schreibe acht Kilometer lange Abfahrt weitgehend in der Hocke bewältigte. Bis zu diesem Zeitpunkt führte die Damenklasse noch Reiks Landsmännin Petra Zeller an – die aber vor dem finalen aufgeschütteten Schneeberg die Bindung nicht aufbekam, so dass sie an ihr vorbeiziehen konnte. Nach 12:21,08 Minuten fiel Lilly Reik geradezu ins Ziel und riss überwältigt ihre Arme hoch. „Das war ein sehr intensives Erlebnis“, beschreibt sie jetzt dieses Gefühl. Unter anderem intensiv, weil sie kurz vor dem Startschuss eine Nanosekunde daran gezweifelt hatte, ob sie den Mut aufbringen würde, sich in das steile Gefälle hineinzuwerfen. Umso bewegender sei es gewesen, als ihr eine riesige Zuschauermenge zujubelte und mehrere Kamerateams die Gewinnerin des diesjährigen österreichischen Kultskirennens interviewten.

Klar, dass die älteste von vier Geschwistern im kommenden Jahr wieder am Start steht.

Michelle Kirner

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