Die größten Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Gelände des Sonderflughafens gibt es zwischen Start- und Landebahn und Unterbrunner Holz.

Millionenobjekt

Wie geht es auf dem Flughafen weiter?

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Oberpfaffenhofen - Der Verkauf des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen macht den Weg frei für ein gigantisches Gewerbegebiet zwischen Gilching, Gauting und Weßling. Die neuen Eigentümer wollen möglichst schnell die Entwicklung in Angriff nehmen.

Die Nachricht vom Verkauf des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen war zumindest im westlichen Landkreis am Freitag das Gesprächsthema Nummer eins. Und dabei treibt die Menschen vor allem die Frage um, wie es auf dem riesigen Areal weitergeht. Das ist der aktuelle Stand:

Wer sind die Käufer? Die in Trier ansässige Triwo AG und die Berliner Beos AG haben die kompletten Anteile der Airbus Group am Sonderflughafen übernommen. Bei der Triwo handelt es sich um ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung großer Gewerbeparks spezialisiert hat. Zum Portfolio gehören mit dem ehemaligen Heeresflugplatz Mendig, dem früheren Nato-Flugplatz Pferdsfeld und dem Verkehrsflughafen Zweibrücken (alle in Rheinland-Pfalz) bereits drei Airports. Auch die Beos hat sich auf dem Gebiet der Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeimmobilien etabliert, verwaltet unter anderem Gewerbeparks in Maisach und Oberschleißheim.

Wie hoch war der Kaufpreis? Offiziell haben alle Seiten Stillschweigen vereinbart. Nach Informationen des Starnberger Merkur soll der Preis jenseits von 80 Millionen Euro liegen. Dafür erhalten die Käufer das Flughafengelände – samt der Möglichkeit, dort eine Fläche von 400 000 Quadratmetern (40 Hektar) mit Gebäuden für „flugaffines Gewerbe“ zu bebauen. Insgesamt 547 000 Quadratmeter Geschossfläche sind möglich. Zum Vergleich: Das Gewerbegebiet Gilching Süd (Aldi-Markt, Drogeriemarkt Müller) an der Autobahn ist 30 Hektar groß.

Was planen die neuen Eigentümer? „Wir entwickeln große Industrie- und Gewerbeanlagen“, sagt Triwo-Vorstand Peter Adrian. „Unser Interesse ist es, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln.“ In Nachbarschaft zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Technik-Firmen wie der Ruag würde das also die Ansiedlung weiterer Hightech-Firmen, Labors und Forschungseinrichtungen bedeuten. „Wir werden uns primär auf die innovationsreiche Luft- und Raumfahrtbranche konzentrieren“, sagt Beos-Projektleiter Dr. Karim Rochdi. Ob dazu zum Beispiel auch ein Autotestzentrum gehören könnte – wie das von General Motors in Pferdsfeld – lassen die neuen Eigentümer offen.

Was heißt das für die Flugbewegungen? Laut Genehmigung dürfen in Oberpfaffenhofen pro Jahr 9725 Geschäftsflieger starten und landen. Nach jüngsten Erhebungen sind es aber nur 2300. Hinzu kommen mehrere tausend Flugbewegungen durch das DLR und die dortige Sportfluggruppe. Das heißt also, das zusätzliche Flugbewegungen rechtlich zulässig sind. Triwo-Vorstand Adrian betont: „Insgesamt wird der Flugplatz nicht ausgereizt. Wir haben kein Interesse, daran etwas zu ändern.“

Wie sieht der Zeitplan aus?Sowohl Triwo als auch Beos lassen keinen Zweifel daran, so schnell wie möglich loslegen zu wollen, sobald alles in trockenen Tüchern und mit den Gemeinden besprochen ist. „Erste Realisierungen sollen nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr erfolgen“, sagt Beos-Mann Rochdi. „Bei der Größe des Standorts wird die Entwicklung nach Erfahrungswerten gute fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.“ Fest steht, dass die neuen Eigentümer auf jeden Fall ein Büro im Fünfseenland eröffnen wollen.

Was sagen die Gemeinden?Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Weßlings Bürgermeister Michael Muther berichtet von einer großen Unsicherheit unter den Bürgern. „Wir wären froh, wenn wie frühzeitig erfahren würden, was dort passiert.“ Aktuell tappe er noch im Dunkeln, gibt Muther zu, der noch keinen persönlichen Kontakt mit Vertretern von Triwo oder Beos hatte. Fest stehe: „Wir werden uns 2017 massiv mit dem Flugplatz beschäftigen müssen.“

Wie ist die Reaktion im Gilchinger Rathaus? Bürgermeister Manfred Walter sieht in erster Linie die Chance, das geplante Gautinger Gewerbegebiet jetzt auf dem Flughafenareal zu realisieren und nicht mehr auf der Fläche daneben. Zumal: „Da kann die Ansiedlung von Firmen schneller realisiert werden.“ Und die Grünfläche am Unterbrunner Holz bleibe erhalten.

Was sagt Gauting zu diesen Überlegungen?Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger reagiert zurückhaltend auf die Ideen ihres Amtskollegen. Natürlich sei es erfreulich, wenn auf dem Flughafengelände flugaffines Gewerbe angesiedelt werde, aber: „Was wir mit unserem Gewerbegebiet entwickeln wollen, ist mehr.“ Und Gauting sei aufgrund der äußerst angespannten Finanzsituation dringend auf frische Einnahmen angewiesen.

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