Herrsching hatkeinerlei Ansprüche

Volleyball

Verbandsentscheidung „wie ein Tritt ins Gesicht“

  • schließen

Herrsching - Der TSV Herrsching wehrt sich gegen die Entscheidung des Volleyball-Verbandes, das Heimrecht im Pokal-Halbfinale dem Gegner Berlin überlassen zu müssen.

Es ist der große Aufreger derzeit im deutschen Volleyballsport. Der Verband hat dem TSV Herrsching das Heimrecht für das Pokal-Halbfinale entzogen, weil der keine regelkonforme Halle hat. Nun findet das für die Herrschinger eigentlich als Spiel des Jahres titulierte Match beim aktuellen Deutschen Meister und Bundesliga-Tabellenführer Berlin Recycling Volleys statt, dem auch sämtliche Einnahmen zustehen. Am Ammersee und bei allen Fans herrscht blankes Entsetzen. Die Verantwortlichen des GCDW können die Entscheidung nicht nachvollziehen. Folgend die Stellungnahme des TSV Herrsching:

Wenn an einem Freitag, den 11.11 um 11.11 Uhr eine E-Mail kommt, könnte man im ersten Moment einen schlechten Witz vermuten. Beim GCDW Herrsching handelte es sich allerdings um einen Bescheid der Volleyball-Bundesliga. „Bescheid zum Heimrechttausch DVV Pokal Halbfinale“ lautete der Betreff der E-Mail, der an beide Vereine durch das Kontrollorgan der Liga, dem VBL-Center, versandt wurde.

Ob man es tatsächlich Tausch nennen kann, ist mehr als fraglich, eher sogar falsch, denn der Inhalt des Bescheids besagt: Das Heimrecht wird an Berlin übertragen, Herrsching hat keine weiteren Ansprüche, wie z. B. auf eine Einnahmenbeteiligung. 

„In der Juristik unterscheidet man den Tausch von der Gabe und der Schenkung durch jeweils einseitig aktives Handeln, und man spricht beim Tausch von einer gegenseitigen Übertragung – daher würde ich das, was das VBL-Center hier betrieben hat, wohl eher eine erzwungene Schenkung nennen“, so Marketingmanager André Bugl. „Denn uns als GCDW bleibt am Ende nichts als der Blick ins Rohr.“

Insgesamt zeigt sich der Verein sehr enttäuscht über das Vorgehen der Ligaverantwortlichen. „Es wurde zu keinem Zeitpunkt versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden und beide Vereine plus Liga zusammenzuholen, um das Bestmögliche für alle aus der Situation zu machen – vielmehr wurde uns klar gemacht, dass seitens der Liga keine Kompromisse gemacht werden“, berichtet GCDW-Geschäftsführer Fritz Frömming.

Der Verein denkt nun über weitere Schritte nach, denn gefühlt sei das wie ein „Tritt ins Gesicht“, nicht nur den GCDW-Verantwortlichen gegenüber, sondern auch der Mannschaft. Denn durch das blinde Verfolgen von Statuten, die mehr als fragwürdig sind, wird vor allem eines in den Hintergrund gedrängt: der Sport.

Das vielleicht spannendste Spiel der gesamten Volleyballsaison, womöglich des gesamten Pokalwettbewerbs mit einer fantastischen Leistung beider Teams und dem Erfolg des Underdogs – das Alles wird verdrängt und ignoriert aufgrund des blinden Verfolgens eines Systems, das wohl zusammengebrochen wäre, hätte es andere Ergebnisse gegeben. „Man muss sich einmal vorstellen, dass fünf von acht Vereinen im Viertelfinale keine, wie es so schön heißt, ‚regelkonforme Halle‘ hatten. Jetzt stelle man sich einmal vor, Lüneburg hätte gegen Berlin gewonnen, hätten wir dann das Halbfinale gar nicht gespielt? Oder gewürfelt?“, sagt Bugl. Doch auf diese Frage habe das Volleyball-Center nur mit dem Argument, es sei ja nicht so gekommen, geantwortet – von einem Lösungsansatz für eine solche Situation also keine Spur. Und das, obwohl die Herrschinger schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen hatten, dass es zu dieser Konstellation kommen könnte.

Interessant ist auch die Tatsache, dass das Halbfinale zwischen den Netzhoppers Königs Wusterhausen und dem VfB Friedrichshafen in der Landkost Arena Bestensee stattfindet, obwohl auch diese nicht regelkonform ist. Einzige Begründung ist hier ein so genannter Bestandsschutz, der lediglich darauf beruht, dass die Halle zwischen 2005 und 2014 erbaut wurde. Kurz gesagt: Hätte man die Nikolaushalle in Herrsching also erst einige Jahre später erbaut, würde das Halbfinale trotz nicht regelkonformer Bedingungen in Herrsching stattfinden.

Doch die größte Kontroverse stellt eigentlich die wirtschaftliche Seite dieser Entscheidung dar. Denn nicht nur, dass das Spiel jetzt nicht in Herrsching stattfindet, der GCDW hat auch keinerlei Ansprüche auf Eintrittsgelder, Beteiligung an Eintrittsgeldern oder Erstattung der Reisekosten. Vielmehr fallen nun weitere 5000 Euro Kosten an. Ein Thema, das Geschäftsführer Frömming besonders aufstößt: „Man stelle sich einmal vor, die Mannschaft hat den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erzielt und in Düren eine kleine Sensation geschafft, wir sind ins Halbfinale eingezogen ohne ein einziges Heimspiel, und das einzige, was wir als Verein davon haben, sind insgesamt 15 000 Euro Kosten.“ Wenn so die Zukunft des deutschen Volleyballs aussieht, dann müsse man sich doch wirklich noch einmal fragen, ob da tatsächlich alle Vorschläge, die aus dem Berliner VBL-Center kommen, so richtig sind und von allen getragen werden können. Und besser gesagt, ob sie dazu beitragen, dass es den Vereinen zukünftig besser geht. „Dass wir in Berlin spielen müssen, ist vollkommen in Ordnung, damit haben wir gerechnet; es gibt die Vorgabe, dass die Halle neun Meter hoch sein muss, unsere ist das nicht, und es gibt keine Ausnahmegenehmigung für das Pokalhalbfinale. Hier ist unsere regionale Politik gefragt, endlich einmal zu handeln und nicht nur abzuwarten, denn jetzt ist es so weit, dass wir den größten sportlichen Erfolg für die Region erzielt haben und nicht hier spielen dürfen. Dennoch kann es nicht sein, dass man aus einem zugelosten Heimrecht und einem Erreichen des Halbfinals am Ende nichts hat, außer zusätzlich 5000 Euro zu zahlen. Und das ist Sache der VBL.“

Der GCDW hat indessen auch Kontakt zu Ligasprecher und Vizepräsident Andreas Bahlburg aufgenommen. Über die weitere Vorgehensweise und den Umgang mit der Entscheidung des VBL-Centers wollen Frömming und Bugl sich vorerst noch einmal beraten und in der nächsten Woche entscheiden, wie dies aussehen wird.

Die Herrschinger Hallenproblematik

Dass die Nikolaushalle und auch alle weiteren Sporthallen im Landkreis Starnberg nicht den Anforderungen entsprechen, die der Deutsche Volleyball-Verband an Erstligisten stellt, ist keine Neuigkeit. Der TSV Herrsching spielt bereits in der dritten Saison im Volleyball-Oberhaus mit einer Ausnahmegenehmigung des Verbandes, die allerdings am Ende dieser Saison ausläuft. Der springende Punkt für die Nicht-Anerkennung der Herrschinger Dreifachhalle: Die Statuten des DVV verlangen eine Deckenhöhe von neun Meter – das hat die Nikolaushalle nicht zu bieten.

Den Herrschinger Volleyballern droht nächstes Jahr der Zwangsabstieg, denn ein Bau einer regelkonformen Halle im Landkreis scheint utopisch. Anfang Juni hatte der Zweckverband weiterführende Schulen den entsprechenden Bau einer Dreifachhalle an der Herrschinger Realschule abgelehnt. Herrschings Bürgermeister, selbst glühender Volleyball-Fan, hält die Entscheidung des Zweckverbandes für absolut nachvollziehbar: „Wir sprechen hier von einer Investitionssumme von 12 bis 14 Millionen Euro, das hat weder der Landkreis noch die Kommune.“ Das vom TSV Herrsching vorgelegte Finanzierungskonzept für eine Multifunktionshalle setze fast ausschließlich darauf, sich um die kommerzielle Vermarktung der Halle zu kümmern – also dafür zu sorgen, dass die Halle – wenn nicht von Schul- oder Vereinssport belegt – zum Beispiel für Konzerte oder andere Veranstaltungen vermietet wird und so der Neubau refinanziert wird. „Dieses Risiko geht keiner ein“, sagt Schiller, „und es wäre auch rechtlich gar nicht umsetzbar“. Zudem müssten für eine Halle dieser Größenordnung Parkplätze für rund 1000 Pkw zur Verfügung stehen, „dafür ist in Herrsching gar kein Grundstück vorhanden“, so der Bürgermeister.

Die Entscheidung des Verbandes, dem TSV einfach das Heimrecht für das Pokalfinale abzuerkennen, kann Schiller indes überhaupt nicht nachvollziehen. „Das ist eine absolute Sauerei“, schimpft er. Angesichts der Tatsache, dass das andere Halbfinale auch in einer nicht regelkonformen Halle ausgetragen wird, stellt sich für Schiller die Frage, „ob der Druck vom Volleyballverband überhaupt rechtens“ ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sampo, der selbslose Seenotretter
Er ist Architekt und war Lehrbeauftragter für Architektur an der Hochschule München. Er ist 74 Jahre alt und will nun Menschen retten. Sampo Widmann aus Starnberg ist …
Sampo, der selbslose Seenotretter
Stadtrat beschließt Verkauf für FOS
Die Fachoberschule (FOS) kommt doch nach Starnberg: Der Stadtrat beschloss am Montagabend den Verkauf des ehemaligen Bauhofs an den Landkreis. Es gibt aber noch eine …
Stadtrat beschließt Verkauf für FOS
Gaunerei geht nach Urteil nahtlos weiter
Das Internet eröffnet Betrügern so manche Möglichkeit. Für eine 24-Jährige, die zur Tatzeit in Gilching wohnte, endeten die Machenschaften jetzt vor dem Starnberger …
Gaunerei geht nach Urteil nahtlos weiter
Ohne Führerschein im Porsche: 44-Jährige ertappt
Die Polizei hat in Gilching eine Autofahrerin (44) aus dem Verkehr gezogen, die ohne Führerschein mit einem Porsche unterwegs war.
Ohne Führerschein im Porsche: 44-Jährige ertappt

Kommentare