Wildschweine: Bei Frischlingen ansetzen

Gilching - Um dem Problem Wildschwein-Population beizukommen, sind neue Wege und eine engere Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten notwendig. Ein Resümee, das gestern bei einem Seminar in Gilching gezogen wurde.

„Wildschweine, Lustwild oder Frustwild“ lautete das Thema, zu dem Kreisobmann Georg Zankl in den Alten Wirt nach Gilching eingeladen hatte. Rund 100 Landwirte und Jäger hörten sich Vorträge der Experten an und diskutierten bis in den späten Nachmittag hinein über die Probleme. Zum einen ärgern sich Landwirte über immense Flurschäden, die von Jahr zu Jahr mehr werden. Andererseits ist das Bejagen der Wildschwein-Rotten deutschlandweit ein Problem. „Wir brauchen für das Schwarzwild eine neue Jagdstrategie. Denn auch das Wildschwein geht strategisch vor“, erklärte Franz Loderer, Schwarzwildberater aus dem Landkreis Eichstätt. Er bedauerte außerdem, dass man das Schwarzwildproblem jahrelang unterschätzt habe.

Ursache der Bestandszunahme sei unter anderem die Verbesserung der Nahrungssituation. Loderer appellierte an die Versammlung, das Problem überregional anzugehen und ganze Gebiete gezielt abzujagen. „Die bayerischen Jäger sind nicht schlecht. Sie müssen aber professioneller werden“, forderte er. Dazu gehöre auch, sich weniger an einem erschossenen 80 Kilo schweren Keiler zu erfreuen als vielmehr die Frischlinge zu bejagen. „Auch wenn es schwer fällt, auf so ein kleines Schwein zu schießen. Es kostet Überwindung. Es muss aber sein, will man dem Problem Herr werden.“ Andernfalls prophezeite Loderer eine Wildschweinpopulation, die man nicht mehr in den Griff bekomme. „Der Trend setzt sich fort. Wir sind noch lange nicht am Ende.“

Andreas Tyroller, Fachberater beim Bayerischen Bauernverband Oberbayern, erinnerte an eine Zeit, als man im Landkreis Pfaffenhofen noch überlegte, die vereinzelt auftretenden Wildschweine zu halten. „Das war Mitte der 90er Jahre. Heute haben wir Probleme, die Population einzudämmen. Ein wichtiger Schritt ist, alles zu tun, damit den Schwarzkitteln die Möglichkeit genommen wird, an Nahrung zu kommen.“ Tyroller rechnete vor, dass ein Wildschweinpärchen innerhalb von fünf Jahren 100 Frischlinge zeugt. „Derzeit besteht eine schier unaufhaltsame Ausbreitung des Schwarzwildes. Die Schäden dadurch sind enorm.“

Abschließend beschlossen die Teilnehmer eine überregionale engere Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten, um gemeinsam gegen die Verbreitung der Wildschwein-Rotten, die sich im Landkreis Starnberg insbesondere im Raum Gilching sehr stark vermehren, vorzugehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rekordjahr für den See-Neptun
Gemeinsames Liedersingen am Lagerfeuer und eine maritim anmutende Version des Nikolauses - damit unterhielten die ehrenamtlichen Helfer der Wasserwacht Pilsensee am …
Rekordjahr für den See-Neptun
Fairtrade-Kochshow in Tutzing: Unterhalten, informieren, essen 
In der Tutzinger Benedictus-Realschule gab es am Mittwochabend eine afrikanische Couscous-Pfanne. Zubereitet wurde sie im Rahmen einer Fairtrade-Kochshow. 
Fairtrade-Kochshow in Tutzing: Unterhalten, informieren, essen 
Digitaler Pakt Herrschinger Art
Die Gemeinde Herrsching greift für ihre Grund- und Mittelschule tief in die Tasche. 1,75 Millionen Euro fließen im kommenden Jahr in Sanierung und Digitalisierung der …
Digitaler Pakt Herrschinger Art
Das 13-Millionen-Euro-Weihnachtsgeschenk für die MS-Klinik in Kempfenhausen
Nächstes Frühjahr geht es los: Die Marianne-Strauß-Klinik startet Um- und Ausbauarbeiten auf ihrem Gelände in Kempfenhausen. Insgesamt geht es um Investitionen in Höhe …
Das 13-Millionen-Euro-Weihnachtsgeschenk für die MS-Klinik in Kempfenhausen

Kommentare