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Derzeit gehen Experten von mehr als 30 Wolfsrudeln in Deutschland aus.

Leiter des Referates "Wildtiermanagement“

"Wir müssen uns an Wölfe gewöhnen"

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Starnberg - Über den Wolf in Bayern sprachen wir mit Walter Joswig, Leiter des Referates „Landschaftspflege, Wildtiermanagement“ am Landesamt für Umwelt (LfU).

Schon wieder ist ein Wolf in Oberbayern aufgetaucht. Kennen Sie das Tier?

Walter Joswig: Dem Landesamt für Umwelt liegt als Nachweis nur ein Foto vor. Anhand dieses Fotos können wir nichts über die Herkunft oder die Zugehörigkeit zu einem Rudel sagen. Dafür würden wir eine genetische Probe benötigen.

Wie viele Tiere leben derzeit in Bayern?

Joswig: In Bayern wurden im vergangenen Jahr fünf Einzeltiere nachgewiesen. In diesem Jahr wurden bisher zwei Tiere fotografiert: Mitte Januar im Nationalpark Bayerischer Wald und aktuell im Landkreis Starnberg. Bisher hat sich jedoch noch kein Wolf dauerhaft in Bayern angesiedelt.

Woher kommt der Wolf, der im Kreis Starnberg gesichtet wurde?

Walter Joswigist beim Landesamt für Wildtiere zuständig

Joswig: Bayern liegt zwischen zwei Wolfspopulationen: der alpinen Population in Norditalien, Südostfrankreich und der Schweiz, und der mitteleuropäischen Flachlandpopulation, die Westpolen und Nordostdeutschland umfasst. Außerdem gibt es in der Tschechischen Republik dauerhaft ansässige Wölfe. Vom Landkreis Starnberg aus gesehen lebt das nächste Rudel im Kanton Graubünden in der Schweiz. Jede Aussage zur Herkunft des gesichteten Wolfes bliebe aber Spekulation.

Ist dieser Wolf allein unterwegs?

Joswig: Wir gehen davon aus, dass es sich um ein einzelnes Tier handelt. Junge Wölfe verlassen im Durchschnitt mit eineinhalb Jahren das elterliche Rudel, um selbst ein Revier und einen Geschlechtspartner zu suchen. Vor allem männliche Tiere können dabei weite Strecken zurücklegen. Wir vermuten, dass es sich um solch einen jungen Wolf handelt.

Ist er noch da?

Joswig: Das wissen wir nicht. Junge Wölfe sind auf ihrer Suche nach einem eigenen Revier sehr mobil und können in kurzer Zeit große Entfernungen zurücklegen. Über die Zeit werden weitere Hin- und Nachweise belegen, wenn sich das Tier noch in der Region aufhält.

Haben Sie damit gerechnet, dass ein Wolf München so nah kommt?

Joswig: Wölfe sind sehr flexibel, sie kommen auch in der Kulturlandschaft zurecht. Das Auftauchen eines Wolfs nahe der Großstadt München ist daher nicht abwegig.

Ist er eine Gefahr für Mensch und Tier?

Joswig: Seit 1996 gibt es in Deutschland wieder Wölfe, wir gehen derzeit von mehr als 30 Rudeln aus. In der ganzen Zeit ist noch nie ein Mensch verletzt worden. Die Hauptbeute von Wölfen sind Rehe, Hirsche, Füchse, Hasen. Aber auch Nutztiere wie Schafe oder Ziegen können erbeutet werden, vor allem wenn sie nicht ausreichend geschützt sind.

"Am besten ist es, wenn man sich ruhig entfernt"

Was raten Sie Menschen, die dem Wolf über den Weg laufen?

Joswig: Am besten ist es, wenn man sich langsam und ruhig entfernt. Einen Hund sollte man anleinen. Wenn einem der Wolf zu nahe kommt, sollte man auf sich aufmerksam machen, also laut sprechen, unter Umständen auch gestikulieren oder sich anderweitig deutlich bemerkbar machen. Man sollte dem Wolf nicht hinterher laufen.

Freuen Sie sich, dass es immer mehr Wolfssichtungen in Bayern gibt?

Joswig: Für den Naturschutz ist die Rückkehr einstmals ausgerotteter Arten ein Erfolg. Dies trifft auch für den Wolf zu. Aber wir haben Verständnis dafür, dass die Rückkehr von Wölfen nach Bayern vielen Menschen auch Sorgen bereitet, insbesondere den Nutztierhaltern.

Werden wir uns an Wölfe in Bayern gewöhnen müssen?

Joswig: Das entspricht unserer Einschätzung.

Beobachtet das Landesamt für Umwelt die Wölfe in Bayern? Wenn ja, wie?

Joswig: Die meisten Hin- und Nachweise von Wölfen in Bayern haben wir Meldungen aus unserem Netzwerk Große Beutegreifer zu verdanken. Ein Monitoring über Fotofallen, wie es das LfU beispielsweise beim Luchs im ostbayerischen Raum durchführt, erfolgt für Wölfe nicht. Das ist letztlich erst dann sinnvoll, wenn sich Wölfe in Bayern etabliert haben, wenn man also weiß, wo sich ein Revier befindet oder wo ein Rudel lebt.

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