Ausbeutung verpönt: Firmen-Vertreter aus dem Landkreis Starnberg an einer Druckmaschine bei Ulenspiegel in Machtlfing. Foto: Jaksch

Punkten für Gemeinwohl-Bilanz

Machtlfing - „Gute“ Firmen werden belohnt, „schlechte“ bestraft - mit Plus- und Minuspunkten der Gemeinwohl-Ökonomie. Eine solche Bilanz plant die Druckerei Ulenspiegel in Machtlfing.einer

Die Druckerei Ulenspiegel in Machtlfing ist bereits zum neunten Mal seit 1999 ohne Unterbrechung mit dem Öko-Siegel EMAS zertifiziert worden - als einziges Unternehmen seiner Branche in Oberbayern. Jetzt unternimmt die Firma den nächsten Schritt: Sie will als erstes Unternehmen im Landkreis Starnberg eine Gemeinwohl-Bilanz aufstellen.

Die so genannte Gemeinwohl-Ökonomie versteht sich als demokratische Alternative zur bestehenden Wirtschaftsordnung. Die Grundlagen wurden jetzt bei einem Unternehmertreffen vorgestellt, das die Wirtschaftsfördergesellschaft gfw und der Unternehmerverband UWS bei Ulenspiegel veranstalteten. An oberster Stelle einer Gemeinwohl-Bilanz stehen die Kriterien Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie demokratische Mitbestimmung und Transparenz, erläuterte Jörn Wiedemann aus München. Er ist der Ansprechpartner der Gemeinwohl-Ökonomie für den deutschsprachigen Raum.

Punkte werden danach vergeben, wie sich ein Unternehmen unter diesen Aspekten gegenüber Lieferanten, Geldgebern, Mitarbeitern und Eigentümern, Kunden und dem gesamten gesellschaftlichen Umfeld verhält.

Abzüge gibt es für Negativ-Kriterien: menschenunwürdige Produkte, Verletzung der Menschenrechte, Verstöße gegen Umweltauflagen, arbeitsrechtliches Fehlverhalten, Stellenabbau, Verhinderung eines Betriebsrats. Mit Punktabzügen bestraft werden auch feindliche Übernahmen, Dumpingpreise, Umgehungen der Steuerpflicht und „exzessive Einkommensspreizungen“. Gemeint ist damit das Verhältnis zwischen den niedrigsten und höchsten Bezahlungen von Mitarbeitern. 1 zu 6000 war die bisher größte Einkommensspreizung in Deutschland - und 1 zu 50 000 die größte in den USA.

Die Besten können es auf 1000 Pluspunkte, die „Schmutzigsten“ auf 2150 Minuspunkte bringen. Als positives Beispiel nannte Wiedemann Premium-Cola: Da zahle der Abnehmer der geringsten Mengen den niedrigsten, nicht etwa den höchsten Preis. So versuche das Unternehmen, kleine Strukturen zu erhalten.

Die Mitgliedschaft in einer Gemeinwohl-Akademie kostet 300 Euro im Jahr. Eine Gemeinwohl-Bilanz erhalten kleine Unternehmen laut Wiedemann für höchstens 1000 Euro, bei großen Unternehmen können es rund 6000 Euro sein. Ulenspiegel verhalte sich vorbildlich in seiner Region und seiner Branche, sagte Wiedemann. Geschäftsführer Christoph Merk formulierte es so: „Mir ist wichtig, dass wir die Leute nicht ausbeuten.“

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