Wittelsbacher trauern um ihren „ruhenden Pol“

Leutstetten – Die Wittelsbacher trauern um Prinzessin Irmingard von Bayern, Mutter des „Bierprinzen“ Luitpold in Kaltenberg, die im Alter von 87 Jahren in Leutstetten (Kreis Starnberg) verstorben ist.

Irmingard von Bayern war das zweite von insgesamt sechs Kindern des Kronprinzen Rupprecht. Sie verbrachte eine unbeschwerte Kindheit an ihrem Geburtsort Berchtesgaden. Später zog die Familie ins Palais Leuchtenberg nach München um. Unter den Nationalsozialisten wurden die Wittelsbacher verfolgt – die Nazis erwogen, ihr komplettes Vermögen einzuziehen. Ab 1936 wurde die damals 13-jährige Prinzessin auf Schulen nach England, Belgien und Italien geschickt. Ab Ende der 1930er Jahre befand sich Kronprinz Rupprecht auf Einladung von König Vittorio Emanuelle im Exil in Italien – Rupprecht wurde dabei über Jahre in Florenz versteckt und von seiner Familie getrennt. Wenige Tage nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wurden viele Wittelsbacher verhaftet und unter furchtbaren Umständen als sogenannte Ehrenhäftlinge durch die KZ Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau verschleppt.

So erging es auch Irmingard, die versucht hatte, allein über die Berge in die Schweiz zu fliehen. Dabei war sie an Typhus erkrankt. Sie wurde am Gardasee von der Gestapo verhaftet. Bei Kriegsende wurde sie von der französischen Armee in Ammerwald/Tirol befreit und konnte sich in Luxemburg zusammen mit ihrer Mutter erholen. Seelische Narben blieben freilich. Irmingard schrieb ein Buch mit ihren Jugend-Erinnerungen und wurde in den 1980er Jahren auch als Malerin bekannt. Ihre Bilder seien „Ergebnisse ihrer tief bewegten Seele“, schreibt die Verwaltung des Hauses Wittelsbach in einem Nachruf.

Irmingard war leidenschaftliche Reiterin und Fechterin, sie kletterte auch. Viele dieser Hobbys teilte sie mit Prinz Ludwig von Bayern, ihrem Cousin, den sie 1950 geheiratet hatte. Bis zu dessen Tod vor zwei Jahren lebten sie eng verbunden miteinander und bewirtschafteten sowohl die Land- und Forstwirtschaft in Leutstetten als auch (bis 1976) die Brauerei in Kaltenberg. Danach zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück und wurde zum ruhenden Pol der Familie. Die Klatschspalten mied sie. Um die Verstorbene trauern ihr Sohn Prinz Luitpold, Schwiegertochter Prinzessin Beatrix sowie fünf Enkel. Ein Requiem findet am 4. November um 17.30 Uhr in der Münchner Theatinerkirche statt.

mm

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