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Auf Wiedersehen, Wörthsee: Pfarrer Andreas Miesen (Mitte) verlässt die Gemeinde nach sechseinhalb Jahren. 

Abschied von Pfarrer Miesen

Ein Visionär verlässt den Wörthsee

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Als Pfarrer Andreas Miesen vor sechseinhalb Jahren die katholische Pfarrgemeinde „Zum Heiligen Abendmahl“ in Wörthsee übernahm, ließ in seiner ersten Amtshandlung Bäume und Büsche auf dem verwilderten Kirchenareal entfernen. Die versperrten die Sicht auf das Gotteshaus. Auch bei seiner Verabschiedung am Sonntag ging es um Botanik.

Wörthsee – „Ein zartes Pflänzlein an Jugendarbeit“ hinterlasse er, sagte Miesen da. Das hat der 47-Jährige selbst herangezogen, er initiierte die Gründung einer Kinder- und Jugendgruppe bei den Ministranten. 2010 gab es fünf Ministranten, zum Abschiedsgottesdienst kamen 16. „Sie werden mir ganz besonders in Erinnerung bleiben“, sagt Miesen.

Am 1. März tritt Miesen seine neue Stelle an – er wird Beauftragter für den ständigen Diakonat im Bistum Augsburg und übernimmt die Leitung der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ (wir berichteten). In seiner Zeit am Wörthsee hat Miesen einiges bewegt. Vor ihm war Elmar Schnitzler 52 Jahre lang Pfarrer der Gemeinde gewesen – bis zu seinem Tod 2010. Dekan Anton Brandstetter sagte: „Da ist es als Nachfolger schwer, eigene Spuren zu hinterlassen. Aber Pfarrer Miesen ist eigene, gut katholische Wege gegangen.“

Neben den Sanierungen des Pfarrhauses und Kindergartens gelang die spendenfinanzierte Anschaffung einer Orgel. Doch manches ging dem Seelsorger nicht schnell genug. Etwa liegen die Pläne für die Sanierung des Pfarrsaals noch in der Schublade, berichtete Kirchenverwalter Joachim Muffler. „Sein Tatendrang und seine Geduld wurden einer harten Probe unterzogen.“ Miesen sei ein Visionär. „Die sechseinhalb Jahre waren ein Musterbeispiel in Sachen Zusammenarbeit mit der Kirchenverwaltung.“

In der Predigt seines Abschiedsgottesdienstes sprach der 47-jährige Miesen über die Relevanz des Evangeliums und darüber, wie Christen ihren Glauben ernsthaft leben können. Für den konservativen Pfarrer sind das wichtige Themen. Kirchenverwalter Jakob Aumiller sagt: „Die Predigten waren genial. Aber er ging streng nach der Liturgie – das muss man heute ein bisschen erneuern.“ Aumiller ist unter anderem als stellvertretender Feuerwehrkommandant und im Trachtenverein tätig. Die Ehrenamtlichen dort hätten sich von Miesen mehr Präsenz gewünscht. „Die Verbindung mit den Leuten ist wichtig. Der neue Pfarrer muss sich mehr im Ort sehen lassen.“

Ab 1. September gibt es die Pfarreiengemeinschaft Seefeld-Wörthsee, geleitet von Pfarrer Roland Böckler. Und der verspricht schon einmal, den Kontakt mit den Menschen suchen zu wollen. Bis Böckler übernimmt, hilft Alexandru Cobzaru als Pfarrer aus. Ab Herbst also wird sich die Pfarrgemeinde neu einstellen müssen. Miesen ist aber optimistisch: „Ich sehe es als Chance für die Pastorale.“ Und: „Wörthsee und Seefeld waren früher eine Gemeinschaft. Es wächst also zusammen, was zusammengehört.“

Ein Projekt hat der scheidende Pfarrer noch angestoßen. Auf dem Kirchengrundstück soll ein Altenpflegeheim entstehen. „Das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Nicht immer sei die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Miesen so gelaufen, wie es sich der Pfarrer vorgestellt habe. „Es gab durchaus Ecken und Kanten, auch Ärgernisse. Aber es lief konstruktiv“, sagt sie.

Zum Abschied erklärte Miesen noch, was er nicht vermissen werde: den Blick vom Pfarrhaus auf den Wörthsee. „Aber ich werde die Menschen vermissen.“

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