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Dr. Dietlind von Laßberg un d Hermann Schweigert in ihrem Alten Bahnhof. Das Foto entstand 2015 bei einer Diskussionsveranstaltung zur Zukunft des Bahnhofs.

Alter Bahnhof Steinebach

Gastronomie, Kultur – oder Büros?

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Der Alte Bahnhof Steinebach steht zum Verkauf. Die bisherigen Betreiber wollen das Kapitel absxhließen. 

Steinebach – Zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit Dr. Dietlind von Laßberg und Hermann Schweigert den gastronomischen Betrieb im Alten Bahnhof Steinebach einstellten. Seither gab es nur Konzerte und geschlossene Veranstaltungen. Doch auch damit soll bald Schluss sein, jedenfalls unter der Regie der Besitzer. „Es muss weniger werden“, sagen sie. Und haben den Bahnhof auf einer Immobilienplattform im Internet zum Verkauf angeboten.

Hermann Schweigert (65) klingt am Telefon recht aufgeräumt. Die normale Gastronomie im Alten Bahnhof sei zwar weggefallen, im Gegenzug aber hätten die privaten Veranstaltungen immens zugenommen, berichtet er. „In diesem Sommer sind wir ausgebucht.“ Das heißt im Umkehrschluss: Seit Schweigert und seine Frau, die heuer 55 Jahre alt wird, 2015 die Reißleine zogen, um Entlastung zu finden, hat sich wenig geändert. Tagsüber haben beide einen Fulltime-Job – sie betreiben gemeinsam ein Immobilien- und Consulting-Büro –, abends stehen sie dann doch wieder in ihrer Wirtschaft.

Preis ist Verhandlungssache

„Wir haben auch niemanden gefunden, der das so, wie wir uns das vorstellen, hätte betreiben wollen“, sagt Schweigert und räumt dann doch ein: „Vielleicht sind unsere Ansprüche zu hoch.“ Tatsache aber ist, dass der prächtige Bahnhof direkt an der S-Bahn in Steinebach nun zum Verkauf steht. Preis ist Verhandlungssache.

Dietlind von Laßberg und Hermann Schweigert hatten das gut 110 Jahre alte Gebäude 2011 gekauft und rund 250 000 Euro in die Renovierung gesteckt. Im Ober- und Dachgeschoss befinden sich zwei vermietete Wohnungen, in einem Nebengebäude logiert eine Praxis.

Ein bisschen sauer ist Schweigert insgesamt schon darüber, wie sich die Dinge entwickelt haben. Von der Gemeinde beispielsweise fühlt er sich im Stich gelassen. „Wir haben mal ein Gespräch geführt. Das war sehr gut und hat uns Hoffnung gemacht.“ Es sei um die Zukunft des Gebäudes gegangen, „und man wollte sich Gedanken machen“. Das war vor einem Jahr. Seither hat Schweigert nichts mehr von Bürgermeisterin Christel Muggenthal gehört. Und dann die Wörthseer. „Die Konzerte sind oft sehr gut besucht. Aber Wörthseer sind fast keine unter den Gästen.“ Schweigert ist das ein Rätsel. Er findet auch, dass ein Ort ohne Kulturangebot wenig Zukunft hat – „dazu gibt es Untersuchungen von der Unesco“. Danach sei das Kulturangebot ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität einer Kommune.

Erste Angebote liegen vor

Forcieren will Schweigert den Verkauf des Alten Bahnhofs nicht. „Das ist mehr so eine Art Versuchsballon.“ Vorstellbar sei auch, dass er das gute Stück an ein Unternehmen vermietet, das dort Büroräume bezieht. „Alles ist möglich“, sagt Schweigert. Angebote liegen ihm bereits vor. Neben Vermögensberatern meldeten sich auch Gastronomen aller Nationalitäten, aber wenige deutsche Wirte.

„Es war eine spannende Reise“, sagt Schweigert, wenn er auf die vergangenen Jahre zurückblickt. „Wir haben viel gelernt und möchten das nicht missen.“ Aber er will endlich weniger arbeiten, und seine Frau auch. Denn: „Gastronomie, das ist ein richtig hartes Geschäft.“

„Herr Schweigert hat das Gebäude wunderbar renoviert und viel investiert, dafür bin ich ihm dankbar“, sagt Bürgermeisterin Muggenthal auf Anfrage. Wenn der Bahnhof nun verkauft werde und dann für das Publikum nicht mehr nutzbar sei, „dann ist das Pech“. Aber die Gemeinde könne dort nicht finanziell eingreifen. „Das gehört nicht zu unseren Aufgaben.“ Sie hoffe jedoch sehr, dass sich jemand finde, „der dort eine Wirtschaft betreibt“.

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