An ihm scheiden sich die Geister: der geplante Supermarkt am Teilsrain
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An ihm scheiden sich die Geister: der geplante Supermarkt am Teilsrain. Auf dem Dach sind etwa 20 kleine Wohnungen geplant.

Bürgerentscheid in Wörthsee

Bürgerentscheid: das Prozedere

Eine Woche noch, dann entscheidet sich, wie es mit der Planung am Teilsrain in Steinebach weitergeht. Bis Sonntag, 21. März, 18 Uhr, haben die Bürger Gelegenheit, sich im Rahmen des Bürgerentscheids an der Entwicklung des Orts zu beteiligen. Wir erklären das Prozedere.

Steinebach – Entsteht am Teilsrain in Steinebach ein Vollsortimenter mit genossenschaftlichem Wohnungsbau oder kippt die Planung? Am 21. März haben die Bürger in Wörthsee darüber zu entscheiden, wie es in ihrem Ort weitergeht. Allerdings reicht bei der Abstimmung nicht nur ein Kreuz. Insgesamt müssen die Wählerinnen und Wähler drei Fragen mit Ja oder Nein beantworten.

Das Bürgerbegehren

Das Bürgerbegehren steht unter dem Titel „Nein danke zu einem Vollsortimenter nördlich Zum Kuckucksheim“. Die Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wörthsee für den geplanten Neubau eines Lebensmittelvollsortimenters mit Wohnungen keine planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft und deshalb das Bauleitplanverfahren für den Bebauungsplan Nr. 76 ,Sondergebiet Lebensmittelvollsortimenter und Wohnungen nördlich Zum Kuckucksheim‘ sowie die ,7. Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Wörthsee‘ hinsichtlich des Sondergebietes ,Lebensmittelmarkt und Wohnen‘ einstellt und nicht weiterverfolgt?“

Das Ratsbegehren

Das Ratsbegehren steht unter dem Titel „Ja zu Wohnungen für alle Generationen und Einkommensgruppen sowie einen der Nahversorgung dienenden Vollsortimenter nördlich ,Zum Kuckucksheim‘. Die Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wörthsee im Planungsgebiet ,Am Teilsrain‘ die planungsrechtlichen Voraussetzungen für Wohnraum für alle Generationen und Einkommensgruppen und einen der Nahversorgung dienenden Supermarkt (Vollsortiment) schafft, wie derzeit in den Bebauungsplanverfahren Nr. 76 und Nr. 68 vom Gemeinderat beabsichtigt?“

Die Stichfrage

Die Stichfrage lautet: „Werden die bei den Bürgerentscheiden zur Abstimmung gestellten Fragen in einer miteinander nicht zu vereinbarenden Weise jeweils mehrheitlich mit Ja oder jeweils mehrheitlich mit Nein beantwortet, welche Entscheidung soll dann gelten? Die Planungen der Gemeinde sollen fortgeführt werden, oder: Die Planungen für einen Vollsortimenter sollen gestoppt werden.“ Das ist die dritte Frage, die von den Bürgern beantwortet werden muss, um endgültige Klarheit zu haben.

Die Wahlberechtigten

Wahlberechtigt sind alle Bürger Wörthsees, die das 18. Lebensjahr erreicht haben – 4163 Menschen. Alle haben wegen der Corona-Pandemie Briefwahlunterlagen erhalten, etwa 2080 haben diese bisher zurückgeschickt. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von circa 50 Prozent. Damit wäre bereits das sogenannte Quorum erreicht, also die Mindestbeteiligung, die erreicht werden muss, damit das Ergebnis gültig ist.

Der Wahltag

Wer seine Unterlagen nicht an die Gemeinde zurückschicken will, kann am Sonntag, 21. März, auch in der Aula der Grundschule wählen. Dazu sind die Briefwahlunterlagen mitzubringen. Die Abgabe aller Briefwahlunterlagen ist bis 18 Uhr möglich.

Das Ergebnis

Mit der Auszählung der Stimmen wird am 21. März um 18 Uhr begonnen. Das Ergebnis wird noch am Abend bekannt gegeben. Das Votum ist für ein Jahr bindend. Der Starnberger Merkur berichtet live unter www.starnberger-merkur.de.

Statement zum Bürgerbegehren von Doja Muggenthaler

Ich wohne in der Nähe der Kuckuckstraße. Wenn ich durch diese Straße mit ihrem schönen alten Buchenwald komme, ist dies für mich zu jeder Jahreszeit ein Naturgenuss. Nun hat der Wald leider schon viele Lücken, aber der Bereich, in dem der Vollsortimenter gebaut werden soll, ist noch relativ natürlich. An feuchtwarmen Frühlingstagen kann man dort Fröschen und Kröten begegnen. Sie suchen sich ihren Weg ins Naturschutzgebiet Schluifelder Moos, doch es wurden in den letzten Jahren immer weniger.

Der geplante Riesenmarkt mit seinem unnötig großen Landverbrauch und der 80 Meter langen Mauer, die den Hang abstützen soll, würde ihnen den Rest geben. Außerdem ist der „Kuckuckswald“ Lebensraum von bedrohten Fledermäusen, Vögeln, weiteren Amphibien und sogar Orchideen. Dieser Lebensraum würde fast um die Hälfte reduziert, der Rest der Bäume wäre durch den Bau ebenfalls gefährdet. Sie würden bei Sturm bald zu „Gefahrenbäumen“ degradiert. Es sind zwar Ersatzpflanzungen geplant, die entfalten jedoch erst in 30 bis 50 Jahren ihre volle Wirkung für den Klimaschutz.

Es heißt, dass das neue Quartier einen Nahversorger braucht. Das ist richtig, aber keinen in dieser Größe. So ein Riesenmarkt wird viel neuen Verkehr anziehen, die Rentabilität von zwei großen Supermärkten in 1,2 Kilometer Abstand ist zudem fragwürdig. In einem Entwurf für die Genossenschaftswohnungen war bereits ein kleiner Laden enthalten, außerdem ist beim Kirchenwirt ein weiteres Geschäft geplant. Das genügt.

Die Gemeinde hat den Klimanotstand ausgerufen, also sollte sie danach handeln. Das Holz am Bau gleicht den Schaden nicht aus. Singlewohnungen könnte man finden, indem man Einliegerwohnungen in zu groß gewordenen Häusern fördert, so wird kein weiterer Boden versiegelt. Die Gemeinde sollte aus dieser Sackgasse der Fehlplanung aussteigen und mit uns allen in eine neue, zukunftsgerichtete, umweltfreundliche Planung einsteigen. Dafür kämpfen wir mit dem Bürgerbegehren. Hoffentlich mit Erfolg.

Statement zum Ratsbegehren von Bürgermeisterin Christel Muggenthal

Am Teilsrain entsteht ein Zukunftsmodell für ländliches Bauen und soziales Miteinander. Hier wird in unmittelbarer Nähe zu Kindergarten, Schule und Kirche ein neues Quartier entstehen, das ökologisches Wohnen für alle Generationen und Geldbeutel in Wörthsee bietet – von der Starterwohnung für junge Menschen über Familienwohnungen bis hin zur barrierefreien Seniorenwohnung. Zur Quartiersentwicklung tragen die Nähe zur Schule, zu Kinderbetreuungseinrichtungen, zum Seniorenwohnen, zur Nachbarschaftshilfe und ein neues Kinderhaus bei.

Mit dem Bau des Vollsortimenters entsteht im wörtlichen Sinn Nahversorgung. Deshalb sind die Fußwege kurz, man kann schnell zum Einkaufen, schnell zum Kinderabholen, schnell zur Bushaltestelle, schnell zum See. Bewohner und Nachbarn, sie alle werden davon profitieren und das Auto seltener benötigen. Versorgungsfahrten werden sich reduzieren. Alle Wörthseer werden eine Einkaufsalternative haben, der Verkehr wird sich anders verteilen, aber insgesamt nicht zunehmen.

Durch Verkehrsberuhigung kann der Kreuzungsbereich von Familien, Kindern und Senioren sicherer überquert werden. Das Quartier wird über ein Nahwärmenetz versorgt werden, das mit klimaneutraler, idealerweise CO2-freier Energie arbeitet. Wesentlicher Bestandteil ist hierbei der Nahversorger als Grundlastabnehmer und Abwärmelieferant. Der Schutz von Klima und Umwelt wird vom Gemeinderat sehr ernst genommen. Durch die Holzbauweise des Nahversorgers mit einer langfristigen Speicherung von 380 Tonnen CO2 und das Nahwärmenetz, für das derzeit eine Machbarkeitsstudie erarbeitet wird, leisten wir einen deutlichen und ehrgeizigen Beitrag zum Klimaschutz. Ebenso zielen die Möglichkeit, ohne Auto den Alltag zu bewältigen, sowie die Anbindung des Quartiers an den ÖPNV in diese Richtung.

Und schließlich zählt dazu auch die hochwertige Aufforstung am Ziegelstadel mit 2943 Quadratmeter Fläche. Hochwertig, weil wir einen Mischwald anlegen werden mit Baumarten, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen.

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