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Die Königin der Häkelmützen: Sie ist in Corona-Zeiten kreativ

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Mützen in allen Farben: Weil auch in Wörthsee der Weihnachtsmarkt ausfällt, hat Elke Haase kurzerhand in ihrem Häuschen ein kleines Lädchen eingerichtet.
Mützen in allen Farben: Weil auch in Wörthsee der Weihnachtsmarkt ausfällt, hat Elke Haase kurzerhand in ihrem Häuschen ein kleines Lädchen eingerichtet. © Dagmar Rutt

Der beste Freund von Elke Haases Sohn, der Alex Erb, ist eigentlich an allem schuld. Im positiven Sinne. Denn als der Alex vor vier Jahren mal eine Mütze wollte und Elke Haase ihm ein besonders schönes Exemplar fertigte, war zugleich eine Geschäftsidee geboren. Mehr als 1000 Mützen hat die 67-jährige Rentnerin seither gehäckelt. Weil es heuer keinen Weihnachtsmarkt gibt, hat sie nun kurzerhand in ihrem kleinen idyllischen Häuschen in Walchstadt ein entzückendes Lädchen eingerichtet.

Walchstadt – Das Häuschen am Bacherner Weg ist fast 100 Jahre alt. Die Dielen knarren, der Ofen bullert. Haase heizt ausschließlich mit Holz, immer ganz in der Früh, und im Flur hängt noch ein alter Sicherungskasten. Seit 20 Jahren wohnt Haase in Walchstadt zur Miete, seit 1980 im Landkreis Starnberg. Geboren ist sie in Käfersberg in der Ortenau. Rund 17 Jahre lang arbeitete Haase im Kindergarten Regenbogen in Weßling und war dort auch Gruppenleiterin. „Die Arbeit war meine Berufung“, sagt sie und strahlt. Die 67 Jahre mag man ihr gar nicht glauben.

Handarbeiten hat Haase immer schon gemocht. Nach dem Erfolgserlebnis mit Alex, studierte sie weitere Anleitungen. Damals lagen selbstgehäkelte Mützen schwer im Trend. „Aber die saßen nicht gut“, fand Haase und tüftelte an eigenen Modellen herum, bis sie zufrieden war.

Nur kurze Zeit später landete Elke Haase dann gleich auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus in Steinebach. In einer gebrauchten Bude, durch die es auf die Mützen regnete, und mit Unterstützung von Alex Erb, der als Schlossermeister seine „erbstücke“ präsentierte. Sohn Max, von Beruf Steinmetz, zimmerte seiner Mutter für das darauffolgende Jahr eine kleine Hütte zusammen, die im Sommer beim benachbarten Landwirt steht, und zum Weihnachtsmarkt zum Rathaus in Steinebach gefahren wird.

Aus dieser Aktion wird nun heuer nichts. Doch Elke Haase ist kein Mensch, der die Hände in den Schoß legt. Ihr Neffe konzipierte eine Internetseite (manufaktur-elke.de), und mit Sohn Max richtete sie das kleine Esszimmer in ihrem Hexenhäuschen ein. Aus den Fenstern leuchten nun jede Menge Mützen in allen Farben. Und das ist nur ein kleiner Teil von den Schätzen, die Elke Haase liebevoll in großen Schubladen verwahrt. Denn sie hat auch schon Täschchen aus Filz, Klammerbeutel und Brotbeutel aus Leinen entworfen, Loops für den Hals sowie jede Menge Stirnbänder, geschlossen oder zum Binden. Wer also einen Termin mit Elke Haase in ihrem kleinen Paradies vereinbart, sollte etwas Zeit mitbringen.

Damit sich die Kunden im Mützen-Paradies zurechtfinden, hat Haase einen dicken Katalog zusammengestellt, in dem sich auf Wunsch auch – wegen Corona – vor der Tür in Ruhe blättern lässt. Mützen und Stirnbänder können bei ihr in drei Größen, Formen und Farben, gefüttert und ungefüttert bestellt werden. Für die Kopfgröße hat Haase einen geübten Blick und festgestellt: „Die Bayern haben meist etwas größere Köpfe.“

Rund vier Stunden häkelt Elke Haase an einer Mütze, die Stirnbänder gehen nicht viel schneller. Denn sie macht alles mit der Hand, auch das Einnähen des Futters. „Mit Kreuzstich, damit es sich dehnt.“ Für die Arbeitszeit scheinen die Mützen mit rund 30, 40 Euro zu günstig. Aber teurer möchte sie Haase nicht verkaufen. Sondern einfach nur ihre schmale Rente aufbessern und für ein neues Auto sparen, weil das alte bald auseinanderfällt.

Immer wieder kämen an dem Häuschen Spaziergänger vorbei, erzählt Haase. Auch deswegen habe sie die Idee zu ihrem kleinen Lädchen entwickelt. Neulich erst hatte eine Spaziergängerin kein Geld dabei und wollte trotzdem eine Mütze mitnehmen. „Ich hab ihr vertraut, und wenig später lag das Geld im Briefkasten“, sagt Haase. An einem anderen Tag klopfte die Betreiberin eines Schreibwarenladens in Fürstenfeldbruck an ihre Tür. Seither gibt es die Mützen auch in Fürstenfeldbruck. Haases Markenzeichen ist ein kleines, gehäckeltes Edelweiß am Mützenrand. Beim Weihnachtsmarkt 2019 seien die Menschen auch deswegen plötzlich ganz verrückt nach ihren Mützen gewesen, erzählt Elke Haase und schmunzelt.

Elke Haases kleine Manufaktor in der Bacherner Straße 6 in Walchstadt ist in der Weihnachtszeit freitags und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Unter (0 81 43) 44 49 66 kann ein Termin vereinbart werden.

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