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Ein Teil des Teams hinter dem Dorfladen-Projekt (v.l.): Hildegard Zehetbauer, Bobby Gahn, Karl Weber, Bea Meissner, Birgit Dietrich, Peter Steinhöfel und Hanna Weber.

Dorfladen

„Ein bisschen wie David gegen Goliath“

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Der Dorfladen Wörthsee ist nun auch offiziell eröffnete. Nach viereinhalb Jahren Planung und einer Menge ehrenamtlicher Schufterei feiern die Bürger die neue Einkaufsmöglichkeit.

Steinebach – Irgendwie konnten sie es fast selbst nicht glauben, die Wörthseer, die vor viereinhalb Jahren die Idee zu einem Dorfladen in Steinebach hatten. Seit 7. Juni ist das Geschäft an der Etterschlager 14 in Steinebach geöffnet, am Freitag fand mit Pauken und Trompeten eine zünftige Eröffnung statt.

„Heute stehen wir vor dem Dorfladen – das ist schon ein tolles Gefühl“, sagte Hanna Weber bei ihrer Ansprache. Dann durften alle vor das zahlreiche Publikum treten, die seit Jahren die Initiative vorangetrieben und beim Finale in den vergangenen Wochen noch ordentlich geschuftet hatten: die Malerkolonne, das Reinigungsteam, der Brandschutzexperte, die Möbelbauer. „Wir hätten gerne den Dorfladenorden am goldenen Bande verliehen“, verkündete Mitinitiatorin Bobby Gahn. Das habe zwar nicht geklappt, dafür aber gab es jede Menge Applaus für alle ehrenamtlichen Helfer.

Von „Zauberei am Sägebrett“ sprach Hanna Weber mit Blick auf den Schreiner Wayne Lager, der fünf Wochen lang unentgeltlich gearbeitet habe. Dabei war der Amerikaner ursprünglich dort, um Urlaub zu machen. Seine Frau Guinevere lebt in Steinebach und ist stellvertretende Marktleiterin. „Sie macht das mit einer bemerkenswerten Ruhe“, sagte Hanna Weber anerkennend.

Denn natürlich gab es seit der „sanften Eröffnung“ auch erste Hürden. Weil vor zwei Wochen ein Blitzschlag die Kühltheken des Edeka-Markts in Etterschlag außer Gefecht gesetzt hatte und die Reparatur sich hinzog, stürmten mehr Kunden als erwartet die Kühltheke des Dorfladens. 350 Bons wurden am ersten Tag gedruckt, das Brot ging aus, der nachgeorderte Lieferant verfuhr sich, Kunden beklagten das langsame Tempo und fehlende Ware. „Das gehört dazu“, sagt die Sozialpädagogin Hanna Weber, die ihren Geschäftsführerposten an Johannes Englmeier übergeben hat, der Marktleiter ist. Weber ist aber nach wie vor Gesellschafterin. Gemeinsam mit Birgit Dietrich ist das Gesellschafterteam komplett.

Und sie haben noch einiges geplant, die drei: Neben Sonderaktionen soll es eine Kochbox geben mit allen Zutaten, um in 30 Minuten daheim ein Gericht zaubern zu können. Über einen Internetshop sollen Kunden die Waren für ein aufwendigeres Menü am Wochenende ordern können, und außerdem ist das Team noch auf der Suche nach einem Sponsor, der ein elektrisches Lastenrad zur Verfügung stellt, das sich die Kunden ausleihen dürfen. Es besteht Kontakt zu einer Biolandbäuerin, die Milchwirtschaft betreibt, aber immer wieder auch Stierkälber hat. „Da könnten wir eins kaufen und gemeinsam verwerten“, überlegt Birgit Dietrich. Und in der Mitte des Dorfladens steht noch ein „Saisontisch“, der regelmäßig mit speziellen Waren und Angeboten auch aus der Region bestückt werden will. Auch die Kunden sind gefordert: In einem Wunschbuch können sie aufschreiben, was ihnen fehlt und was besser sein könnte. Hochgelobt wird der Mittagstisch, den die Köchin Bea Meissner anbietet. Großen Wert legen die Initiatoren auf die Tatsache, dass der Dorfladen entgegen aller Gerüchte kein Geld der Gemeinde in Anspruch genommen hat. „Weil es kurz gewackelt hat, hat die Gemeinde eine Bürgschaft übernommen – diese wurde aber nie gebraucht“, sagte Vizebürgermeister Konrad Gritschneder.

Vor allem eins soll der Dorfladen Wörthsee sein: Ein Treffpunkt für die Wörthseer und Kunden aus den Nachbarorten, an dem sie bevorzugt Obst, Wurstwaren und Produkte aus der näheren Umgebung beziehen können, möglichst Bio und in möglichst wenig Plastik verpackt. Der Dorfladen arbeitet mit der Metzgerei Ruf aus Seefeld und der Bäckerei Cramer aus Gauting zusammen, das Gemüse stammt aus den Gärten des Dominik-Ringeisen-Werks. Dazu kommen Säfte aus Breitbrunn und zum Beispiel selbst gebrannter Gin der Familie Zehetbauer aus Wörthsee. Birgit Dietrich hofft, in Zukunft auch günstigere Waren anbieten zu können.

Nun läuft er also, der Laden. Bei der Eröffnungsparty ist dann auch der halbe Ort zugegen, und auch aus den Nachbarorten lassen sich Neugierige blicken. Von den ersten Rückmeldungen und dem Zulauf ist Birgit Dietrich überwältigt und spricht von einem „kleinen Wunder, das hier geschehen ist“. Dabei sei sie oft für verrückt erklärt worden in der Vergangenheit. „Ein bisschen ist das vielleicht wie David gegen Goliath, was wir hier machen“, sagt sie und lacht.

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