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Neu aufgestellt präsentierte sich das Team des Dorfladens Wörthsee um Geschäftsführer Dr. Christoph Lachmann (l.) noch im August.

Allen Mitarbeitern gekündigt

Dorfladen Wörthsee kündigt allen Mitarbeitern und meldet Insolvenz an - trotzdem gibt es Hoffnung

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In Zeiten, in denen die kleinen Geschäfte an der Ecke aussterben, gründete sich der Dorfladen Wörthsee. Schon eineinhalb Jahre später steht das Gemeinschaftsprojekt vor dem Aus. Steigende Kosten und sinkende Umsätze haben es in die Insolvenz getrieben. Immerhin gibt es Hoffnung auf eine Nachfolge.

Wörthsee – Es war eine große Vision: „Ein Ort des Einkaufens unter Freunden mit einem besonderen Sortiment aus regionaler Herstellung, Bioprodukten, vegetarisch, palmölfrei, verpackungsreduziert und dazu ein sozialer Treffpunkt“. So umreißt Geschäftsführer Dr. Christoph Lachmann das Projekt Dorfladen Wörthsee.Die Idee wurde im Jahr 2014 geboren, das Geschäft in ehemaligen Räumen der Kreissparkasse in Steinebach im Juni 2018 eröffnet. Am vergangenen Donnerstag meldete der Dorfladen Insolvenz an. Allen Mitarbeitern, einer Vollzeit- sowie sechs Teilzeitkräften und Minijobbern wurde zum 15. Januar gekündigt.

Auf Nachfrage des Starnberger Merkur teilt Lachmann die Gründe mit: „Die Umsatzentwicklung konnte die Kosten nicht decken.“ Die mit der Bank vereinbarte Staffelmiete sei seit April um mehr als 20 Prozent angestiegen und werde weiter steigen. Außerdem stünden für Neben- und Heizungskosten „erhebliche Nachzahlungen“ für 2018 aus. Im August 2019 mussten alte Kühlgeräte ausgetauscht werden, weil sie mehrfach ausgefallen waren und zu viel Strom verbraucht hatten – „unaufschiebbare Investitionen, die unsere knappen Ressourcen weiter belastet haben“, so Lachmann.

„Kaum zu beziffernde Imageschaden, der bis heute nachwirkt“

Auch der Mittagstisch habe sich als nicht kostendeckend erwiesen. Die seit Frühsommer tätige Geschäftsführung habe „nach schweren emotionalen Turbulenzen erhebliche Altlasten vorgefunden“: Lohn musste nachgezahlt werden und einige Tausend Euro Anwaltskosten für die Beratung der ersten Geschäftsführung. Eine weitere Altlast laut Lachmann: der „kaum zu beziffernde Imageschaden, der bis heute nachwirkt“.

Richtig rund lief es nie im Dorfladen, den 220 Gesellschafter mit etwa 94 000 Euro an den Start gebracht hatten. Mehrmals wechselte die Geschäftsführung, die sich ab und an über die Köpfe der anderen Beteiligten hinwegsetzte. Einer Marktleiterin wurde gekündigt, immer wieder wurde gestritten.

„Die Lage ist schwierig, aber nicht hoffnungslos“: Das sagt der Berger Wolfgang Gröll. Seine Firma „newWay“ berät Dorfläden bayernweit und hilft bei der Umsetzung. In das Wörthseer Projekt war und ist Gröll involviert. Eine Gruppe, hauptsächlich bestehend aus derzeitigen Mitarbeitern, überlege, eine Nachfolgegesellschaft zu gründen, berichtet er. „Sie haben sich noch nicht ganz entschieden, verspüren aber starke Unterstützung aus der Ortschaft.“

Insolvenzverwalter sieht „keine allzu großen Hürden“

Insolvenzverwalter ist der Münchner Rechtsanwalt Mirko Möllen. Bisher seien keine möglichen Nachfolger auf ihn zugekommen, sagt er. Er müsse sich zunächst einen Überblick verschaffen. Möllen signalisiert, dass einer Weiterführung des Dorfladens nichts im Weg steht, wenn finanzielle Mittel und Mitarbeiter zur Verfügung stehen. „Es gibt von meiner Seite keine allzu großen Hürden. Die Sache ist nicht so komplex.“

Dorfladen-Experte Gröll sieht’s ähnlich: „Die Investitionen ließen sich auf sicherer Basis berechnen.“ Man kenne ja die Werte, also zum Beispiel die vorhandenen Einrichtungsgegenstände.

Bis Silvester bekommt der Dorfladen noch frische Ware, alles Vorbestellte kann bis dahin abgeholt werden. Wie es weitergeht, wird die Versammlung der Stillen Gesellschafter am Montag, 13. Januar, zeigen. Sie sind dann um 19.30 Uhr in die Gaststätte Augustiner eingeladen.

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