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Ein Treffen für den Neuanfang

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Von: Hanna von Prittwitz

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Ein Nachmittag der Begegnung: Die Gemeinde Wörthsee lud Geflüchtete aus der Ukraine, Gastgeber und Bürger am Donnerstag zu einem Treffen in die Aula der Grundschule ein.
Ein Nachmittag der Begegnung: Die Gemeinde Wörthsee lud Geflüchtete aus der Ukraine, Gastgeber und Bürger am Donnerstag zu einem Treffen in die Aula der Grundschule ein. © Andrea Jaksch

Wer in ein fremdes Land flieht und dort neu anfangen muss, für den ist ein Netzwerk wichtig. Unter diesem Motto fand in Wörthsee ein Treffen für Geflüchtete aus der Ukraine statt. Im Pfarrsaal der katholischen Kirche soll in Zukunft ein fester Treffpunkt entstehen.

Steinebach – Auf Stellwänden informierten Vereine und Bürger über ihr Angebot, und schnell entwickelten sich zwischen den rund 100 Besucherinnen und Besuchern des Treffens für Geflüchtete aus der Ukraine in der Aula der Grundschule Wörthsee lebhafte Gespräche. Die Gemeinde wolle den etwa 100 Ankömmlingen aus der Ukraine „ein Gefühl von Willkommen und Sicherheit bieten“, sagte Bürgermeisterin Christel Muggenthal in ihrer Begrüßung am späten Donnerstagnachmittag. Und sie bedankte sich für die überwältigende Hilfsbereitschaft im Ort.

Vertreten waren bei dem Termin auch die Nachbarschaftshilfe Wörthsee, die Kirchengemeinden, der SC Wörthsee, die Helferkreise sowie Gemeindemitarbeiter – und dazu zahlreiche Familien und in der Gemeinde lebende Menschen, die insgesamt bereits bis zu 100 Geflüchtete bei sich aufgenommen haben. Ziel war, die Menschen über das Angebot im Ort zu informieren, außerdem sollten sie sich kennenlernen. Einiges wurde mit Händen und Füßen und dem Handy als Übersetzer besprochen, mit der in Wörthsee lebenden Ukrainerin Yuliia Shchehlova stand auch eine versierte Dolmetscherin zur Verfügung.

Als die ersten Bomben in der Ukraine fielen, hatte sich die Wörthseerin Sassa Bäumler direkt an die Organisation Münchner Freiwillige gewandt. „Ich konnte nicht nur rumsitzen und nichts tun. Und ich habe Platz“, sagt die Juristin. Mittlerweile beherbergt sie sechs Frauen aus Odessa bei sich – und zählt zu den Hauptorganisatorinnen des Helferkreises. „Es ist eine Bereicherung“, sagt sie über das Zusammenleben. Das Treffen in der Aula sei das richtige Signal für die Ankömmlinge. „Und jeder kann helfen und etwas beitragen.“ Am dringendsten werde Wohnraum benötigt: „Es gibt so viele leer stehende Häuser in Wörthsee oder Häuser, die nur zur Hälfte bewohnt sind. Es wäre schön, wenn sich der eine oder andere einen Ruck geben könnte“, sagt Bäumler.

Nikolas Freiherr von Lüninck, Sprecher des Pfarrgemeinderats der katholischen Kirche, kündigte an, den Pfarrsaal zur Verfügung zu stellen. Dieser ist derzeit geschlossen, weil er renovierungsbedürftig ist. Ab nächste Woche soll er zu einem neuen Treffpunkt werden. „Dort können VHS-Sprachkurse stattfinden, auch Kinderspielgruppen sind möglich“, sagte er. Über dem Pfarrsaal gibt es zudem Jugendräume und einen Sitzungsraum, außerdem verfügt die Kirchenstiftung über Wohnungen: „Das wird alles geprüft“, sagte von Lüninck. Er lobte die Veranstaltung, bemerkte aber auch mit Blick auf die Regierung von Oberbayern, dass zu viel Verantwortung auf den Schultern der Helferkreise liege.

„Wir denken und organisieren in alle Richtungen“, sagte Christel Muggenthal. Das Einwohnermeldeamt versuche gerade, Zahlen für den Bedarf an Kindergarten- und Grundschulplätzen zu ermitteln. „In der Schule haben wir kein Problem, dort lässt sich eine Willkommensklasse einrichten“, sagte sie. Für den Kindergarten gebe es dagegen Wartelisten, „an denen ich nicht einfach vorbeiagieren kann“. Möglich sei die Einrichtung von Kindergartengruppen etwa in einem leer stehenden Raum des Kindergartens am Dahlienweg.

Auch Marita Heßmann von der NBH war am Donnerstag zugegen. „Die Flüchtlinge können sich in unserer Kleiderbörse bedienen“, sagte sie. Viele hätten auf der Flucht nichts mitnehmen können und das Angebot schon genutzt. Die Nachbarschaftshilfe will auch Gastgebern bei Bedarf beim Einkauf finanziell unter die Arme greifen. „Das wäre so eine Idee von uns.“

„Es war ein guter Nachmittag“, bilanzierte Kulturreferentin Juliane Seeliger-von Gemmingen, die gemeinsam mit Andrea Grün aus der Verwaltung den Nachmittag innerhalb kurzer Zeit mitorganisiert hatte. „Unser Ziel, dass sich die Menschen begegnen, haben wir erreicht.“

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