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Eine Bilanz und Neues zum Großprojekt Kirchenwirt

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Von: Hanna von Prittwitz

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Rund 50 Bürgerinnen und Bürger interessierten sich für den Rechenschaftsbericht ihrer Bürgermeisterin Christel Muggenthal.
Rund 50 Bürgerinnen und Bürger interessierten sich für den Rechenschaftsbericht ihrer Bürgermeisterin Christel Muggenthal. © Photographer: Andrea Jaksch

In der Gemeinde Wörthsee wird sich in den kommenden Jahren das Ortsbild stark verändern. Auch dies war nach dem Rechenschaftsbericht von Bürgermeisterin Christl Muggenthal in der Grundschul-Turnhalle am Donnerstagabend klar. Eine gut 50-köpfige Zuhörerschar lauschte ihren Ausführungen. Zum Schluss gab es Applaus. Und viele Fragen.

Wörthsee - Als größtes Projekt der Gemeinde bezeichnete Muggenthal die Sanierung des Kirchenwirts. Der soll eines Tages wieder so ausschauen wie vor 100 Jahren, mit Sprossenfenstern und grünen Fensterläden. Im Moment ist das allerdings schwer vorstellbar, denn das Gebäude musste zuletzt bis auf die Grundmauern abgerissen werden (wir berichteten). „Vor Überraschungen ist man bei einem Altbau nicht gefeit“, sagte Muggenthal dazu. Laut Architekten und Baufirma jedoch seien dadurch keine Schäden zu erwarten. „Das habe ich mir schriftlich geben lassen“, sagte Muggenthal auf eine entsprechende Frage von Andrea Raabe, Witwe von Wilhelm Raabe (Tiger Willy), dessen Familie das Wirtshaus einst gehörte. Sie wohnt direkt gegenüber und äußerte starke Zweifel daran, dass der sogenannte jetzige Rohbau „mit Steinen aus 1800“, den Winter überstehen werde.

Geplant war der Abriss bis auf die Grundmauern tatsächlich nicht. De facto wurde der Kirchenwirt einst „nicht fachgerecht gebaut“, wie Architekt Grischa Heyer es auf Nachfrage ausdrückte. Beim näheren Zusehen erkannten die Fachleute „stumpfe Stoßstellen“ in den Mauern. Dort wurde einfach angebaut, ohne das Mauerwerk miteinander zu verzahnen. Das sorgt für Instabilität, beispielsweise beim Einbau von Fenstern. Zum Teil fehlte auch Fundament, an anderer Stelle griff der Brandschutz nicht. Noch dazu wurden einst nicht nur Ziegel, sondern auch Flusssteine vermauert, die den Bauarbeitern dann entgegen kullerten. „So führte das eine zum anderen. Das ist der traurige Grund dafür, warum es so aussieht, wie es aussieht“, erklärt Heyer. Ein Abriss wäre wohl wirtschaftlicher gewesen. Doch das Vorhaben sei schon zu weit gediehen gewesen, auch aus genehmigungstechnischer Sicht. Möglicherweise hätte man das Gebäude dann auch gar nicht an dieser Stelle, so nah an der Straße, wieder aufbauen dürfen. Das hätte auch das Ortsbild verändert. Heyer ist jedoch zuversichtlich, dass der Kirchenwirt und das gesamte Ensemble 2023 fertig übergeben werden können. Die Straßensperre bleibt soweit bestehen. Den hohen Kran müssen die Anwohner noch mindestens bis Februar aushalten.

Beim Kirchenwirt entstehen in Massivholzbauweise insgesamt 19 bezahlbare Mietwohnungen für Wörthseer Bürger, dazu kommen ein Veranstaltungssaal, eine Gewerbefläche und eine Tiefgarage. Die Kreuzung wird schmaler, der Maibaum wird in Zukunft gegenüber des Kirchenwirts aufgestellt. „Hier entsteht ein Projekt, bei dem die Gemeinde ein ortsbildprägendes Gebäude erhält, aber auch ihrer sozialen Verantwortung nachkommt mit einer Bauweise, die energetisch und ökologisch sinnvoll ist“, fasste Muggenthal zusammen. Pragmatisch sieht sie den Parkplatzmangel, der in dem Areal nicht neu ist. „Für die Bewohner der Appartements gibt es die Tiefgarage. Abgesehen davon sind unsere Zentren auf diese Massen von Autos nicht ausgerichtet. Es wird empfohlen, das hinzunehmen.“

Wenige hundert Meter weiter, zwischen Kirche und Teilrain, entsteht ein Quartier aus Seniorenwohnen, genossenschaftlichem Wohnungsbau, Kinderhaus und Nahversorger. Muggenthal sprach von „einem Quartier der kurzen Wege, bei dem man im Alltag nicht auf das Auto angewiesen ist“. Im Zuge dessen plant die Gemeinde auch ein Nahwärmenetz. Muggenthal kündigte noch weitere Schritte in Sachen Energiewende an, zum Beispiel Freiflächenfotovoltaik auf dem Areal am Ziegelstadel.

Eine Anwohnerin aus Walchstadt beklagte die „Flutlichtbeleuchtung“, die laut Verwaltung jedoch insektenfreundlich ist. Abdeckungen seien mit den Stadtwerken Fürstenfeldbruck zu diskutieren. Doja Muggenthaler wünschte sich Workshops, in denen sich Bürger gegenseitig beraten können, beispielsweise, wenn es um den Bau von Solaranlagen geht. Dabei nannte sie die Gemeinde Fuchstal bei Landsberg als positives Beispiel. Viel Lob gab es für die Fahrradstraße, aber auch den Wunsch, für die Radler noch mehr zu tun. Und im Ort Tempo 30 auszuweisen.

An dem Abend wurde ein Video aufgezeichnet, es soll in Kürze auf der Internetseite der Gemeinde zu sehen sein.

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