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Fachkräfte montieren auf den Dächern der Firma Soyer Solarmodule. Es wird die größte Dach-Anlage des ganzen Landkreises werden.

Solarenenergie

Firma Soyer baut die größte Anlage des Landkreises

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Auf den Dächern der Firma Soyer Bolzenschweißtechnik in Etterschlag entsteht in diesen Wochen die größte Dach-Solaranlage des Landkreises. Ab Juli produziert das Unternehmen auf insgesamt vier Gebäuden rund 500 Kilowatt Peak. Und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein.

Etterschlag– Nachgedacht hat Firmenchef und Gründer Heinz Soyer über eine Solaranlage auf seinen insgesamt vier Firmengebäuden schon sehr lange. „Mein Unternehmen ist schließlich seit 20 Jahren umweltzertifiziert. Und ich erhoffe mir einen Wettbewerbsvorteil“, sagt der umtriebige 79-Jährige. Allerdings musste er ziemliche Überzeugungsarbeit leisten, vor allem gegenüber seiner Frau Helga. „Sie findet, ich verunstalte die Gebäude“, gibt er zu. Doch sie fanden einen Kompromiss: Der untere Teil der Pagodendächer bleibt frei, die größte Dach-Solaranlage des Landkreises entsteht auf dem Rest der vier Firmengebäude in Etterschlag. „Das, was oben drauf ist, das sieht man schließlich doch gar nicht“, sagt Soyer und strahlt.

Sein Unternehmen ist auf Bolzenschweißtechnik spezialisiert und zahlt monatlich rund 12 000 Euro für Strom an die Stadtwerke Fürstenfeldbruck. „Das ist auch Ökostrom“, betont Soyer. Weil er gerade in neue Maschinen investiert hat, werden sich die Stromkosten bald auf etwa 15 000 Euro monatlich erhöhen. „Daher machen wir ab 1. Juli den Strom selbst, und den Überschuss speisen wir ein.“ Insgesamt stehen für das Projekt rund 2300 Quadratmeter Dach zur Verfügung, sie bieten Platz für 1506 Module, die 472 kWp (Kilowatt Peak) produzieren, das ist fast ein halbes Megawatt.

Die Anlage kostet fast 500 000 Euro. „In sechs, sieben Jahren hat sie sich amortisiert. Dann wird Geld verdient“, sagt Wolfgang Helwig. Er arbeitet seit 1990 bei der Firma Soyer und hat als Assistent der Geschäftsleitung den Bau der Solaranlage organisiert. „Das war nicht so einfach, weil ich mich nicht auskannte. Aber das Landratsamt Starnberg hat uns unterstützt.“ Auch Alfons Rauscher, Energiepreisträger aus dem Jahr 2009, begleitete das Projekt ehrenamtlich.

Herbert Schwarz, Umweltberater im Landratsamt Starnberg, freut sich über die Initiative der Firma Soyer. „Das ist ein Vorzeigeprojekt“, sagt er. „Es ist uns ein Anliegen, dass man Unternehmen dazu bringt, in Solarenergie zu investieren.“ Das Problem sei, dass sich in den Firmen oftmals niemand finde, der sich des Themas annehme. „Da braucht es jemanden, der das anschiebt.“ Oft seien auch die Amortisationserwartungen zu hoch. „Zwei, drei Jahre, das finden viele noch interessant, aber so schnell ist so eine Anlage nicht abbezahlt.“ Da müsse man eher von sechs bis zehn Jahren ausgehen. „Auf der anderen Seite läuft so eine Anlage auch mehr als 20 Jahre. Unterm Strich ist das für eine Firma kein Draufzahlgeschäft.“ Und über die Bedeutung für den Umweltschutz müsse man gar nicht reden. „Erneuerbare Energien zu nutzen, ist die einzige Möglichkeit für die Menschheit – und eine gesellschaftliche Verpflichtung.“

Unternehmer, die sich für den Bau einer Solaranlage interessieren, können sich an Schwarz im Landratsamt,  (0 81 51) 14 84 42, oder aber an Gerd Mulert von der Energiegenossenschaft Fünfseenland wenden,  (0 81 52) 9 99 72 64. „Wir können auch ganz genau ausrechnen, ob und was eine Anlage bringt“, erklärt Mulert. Dazu bräuchte er nur die Adresse des Firmengebäudes. Via Google werde das Dach ausgemessen. „Virtuell packen wir dann dort Module drauf und simulieren anhand der Wetterdaten für den Standort den Ertrag.“ Für ihn ist klar: „Man kann heute keine höhere Rendite erwirtschaften, das ist eine höchst sinnvolle Investition.“ Er wüsste aber auch, dass Unternehmen Besseres zu tun hätten, als sich um ihre Dächer zu kümmern. Daher bietet die Energiegenossenschaft Unterstützung bei der Planung und der Finanzierung an. Vor wenigen Wochen erst ging die zweitgrößte Anlage des Landkreises auf dem Dach der Munich International School in Percha ans Netz (wir berichteten). Sie erwirtschaftet etwa 200 Kilowatt Peak.

Auf dem Dach der Firma Soyer wird indessen fleißig gewerkelt. 13 Module sind beim Hagel an Pfingstmontag zu Bruch gegangen. Ansonsten läuft alles wie am Schnürchen. Nik Saller, Chef der Firma Feneco aus Fürstenstein bei Passau, steht selbst auf dem Dach und legt Hand an. Die Sonne brennt. „Bei dem Wetter wirst du von unten und von oben durchgebraten“, sagt Saller und lacht. Die Solaranlage für die Firma Soyer zähle durchaus zu den größeren Projekten für seine Firma.

Mehr als die Hälfte der Dächer sind bereits von Modulen bedeckt. Im Hof stehen große Paletten mit weiteren Elementen. Sallers Mitarbeiter wuchten die fast 19 Kilogramm schweren Platten ungerührt auf schwere Gestelle. Das Dach glänzt. Heinz Soyer ist begeistert. Selbst im Landkreis Fürstenfeldbruck gebe es laut Stadtwerke keine größere Dach-Anlage. Für ihn gibt es keine Alternative. „Wir müssen mit der Zeit gehen.“ Und irgendwie gefällt ihm die Optik auch. „Das schaut doch aus wie Silicon Valley in Etterschlag.“

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