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Großformatige, farbenfrohe Drucke sind ihr Markenzeichen: Claudia Rutter-Tuchler in ihrem Atelier über der Schreinerei Jursch in Etterschlag.

Tag des Kunstdrucks

Großes Faible für alte Technik

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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In Etterschlag gibt es ein Druckkunst-Atelier. Claudia Rutter-Tuchler öffnet am Tag der Druckkunst. 

Etterschlag – Unter den Füßen vibrieren zwischendurch sachte die Maschinen der Werkstatt, es duftet nach Farben: Über der Schreinerei Jursch in Etterschlag ist seit sechs Monaten Claudia Rutter-Tuchler mit ihrem Atelier ArtTuchler zuhause. Am Freitag, 15. März, öffnet sie ihren besonderen Arbeitsplatz Neugierige. Anlass: der Tag der Druckkunst.

Die Druckkunst fasziniert Claudia Rutter-Tuchler seit ihrer Jugend. Damals lebte sie mit ihrer Familie noch in Rio de Janeiro, der Stadt des Samba und der Farben. Ihre Eltern waren Kaufleute, die Geschwister studierten Medizin, „ich war die Künstlerin irgendwie“, sagt sie. Mit einem Sinn für die Realität. Denn statt Malerei studierte sie Grafikdesign. In einer Art Nebenstudium belegte sie Kurse an einer privaten Kunstschule. 1987 zog Claudia Rutter-Tuchler nach Deutschland, studierte in Nürnberg Gold- und Silberschmiede-Design und eröffnete in Düsseldorf eine Galerie für Schmuck und Kunst.

Die Sache mit dem Druck aber ließ sie nie los, wenngleich die Mutter von zwei Kindern, heute 15 und 17 Jahre alt, aus zeitlichen Gründen zwischendrin eine kleine Schaffenspause einlegen musste. Seit 2009 lebt sie nun mit ihrer Familie in Krailling, betrieb auch dort ein kleines Atelier für Goldschmiede und Malerei, bis sie schließlich 2012 in Gauting ihr „Studio 54“ für Lithografie und Malerei eröffnete. Die Verhältnisse waren beengt. Dann kam die Gelegenheit in Etterschlag. „Aber mit meinen Maschinen hier in den ersten Stock - das musste ich mir zweimal überlegen.“ Schließlich packte die gesamte Familie Jursch mit an, um die tonnenschweren Druckmaschinen in den ersten Stock zu hieven. Dort stehen sie nun, eine Radierungs- und eine Lithografiepresse.

In ihren großformatigen Bildern kombiniert die 55-jährige Künstlerin nun die unterschiedlichen Druck-Techniken, angelehnt an Motive aus der Natur. „Sie kommt in meinen Arbeiten in ihren erkennbaren Formen und verschwindet im Laufe des Arbeitsprozesses“, erklärt sie. „Die Natur ist da, auch wenn sie nicht mehr zu sehen ist.“ Bei der Lithografie hantiert Claudia Rutter-Tuchler mit schweren Steinplatten, die sie immer wieder abschleift. Da ist die Collagrafie etwas einfacher, weil sie hier als Druckstock beispielsweise Holz, Plastik oder Pappe verwenden kann. Auf die Platten arbeitet sie Carborundum oder andere Materialien ein, um sie anschließend zu drucken.

Die noch relativ junge Mokulito-Technik hat es Claudia Rutter-Tuchler besonders angetan. Sie kommt aus Japan und ist in unseren Breiten noch gar nicht so bekannt. Dabei steht Moku für Holz, Litho für Stein. Die Bearbeitung ist einfacher, „aber es muss auch alles schneller gehen“, erklärt Claudia Rutter-Tuchler. Die einzelnen Druckplatten können immer nur einmal verwendet werden.

Seit 15. März 2018 steht die Druckkunst im UNESCO-Verzeichnis für immaterielles Kulturerbe. Denn gedruckte Text- und Bildmedien sind seit mehr als 500 Jahren Teil der europäischen Kultur. Albrecht Dürer und Johannes Gutenberg stehen für ihre Anfänge, heute werden die Techniken vor allem von Künstlern gepflegt und weiterentwickelt.

„Für mich ist die Kombination der Techniken etwas sehr Lebendiges“, sagt Claudia Rutter-Tuchler und bedauert, dass in Deutschland der Markt für Druckkunst relativ klein ist. „In den USA, England und auch Polen ist die Wertschätzung dafür größer.“ Zwei bis drei Wochen kann der Herstellungsprozess für einen der großformatigen Drucke dauern. Das Besondere dabei sind auch die Farben – sie verlängern und verkomplizieren den gesamten Prozess jedoch erheblich. Das Ergebnis aber ist bestechend: Fließende, mäandernde Formen und Farbtöne, je nach Technik auch reliefartig, unterlegt mit Papier und Stoffen, verleihen den Arbeiten von Rutter-Tuchler die persönliche Note. Angesichts des aufwendigen Herstellungsprozesses ist der Preis da fast schon geschenkt: Unter 1000 Euro kostet eines der Bilder. Jedes ist ein Unikat. 

Das Atelier in Etterschlag (Münchner Straße 30) ist am Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 

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