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Telefon-Odyssee wegen einer Schlange

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Fast schon niedlich: das etwas abgemagerte Schlangenmännchen, das am Dienstag nahe Etterschlag gefunden wurde und nun in der Auffangstation in München in Quarantäne ist. © Sabine Öfner

Ein Ehepaar aus Wörthsee hat am Dienstagnachmittag im Wald eine Boa constrictor gefunden. Mittlerweile wartet „140/20 - Etterschlag“ in München auf neue Besitzer.

Etterschlag – Es war das 140. Reptil, das in diesem Jahr in der Auffangstation für Reptilien in München abgegeben wurde: Wie berichtet, hatten Dr. Monika und Ulrich Ofer am Dienstagnachmittag zwischen Etterschlag und Inning nahe einer Kiesgrube eine Boa constrictor gefunden. Die Polizei Herrsching brachte die Würgeschlange am Dienstagabend nach München. „Sie ist eigentlich recht munter, aber etwas zu dünn für ihre Größe“, sagt Sabine Öfner, tiermedizinische Leiterin der Auffangstation. Das Schlangenmännchen misst knapp 1,40 Meter und wiegt mit 1,6 Kilogramm nur die Hälfte seines Normalgewichts.

Monika und Ulrich Ofer aus Wörthsee führten gerade den Familienhund Emmy spazieren. Normalerweise geht Monika Ofer allein und auch nicht am späten Nachmittag. Aber mit Corona hat sich auch bei den Ofers der Alltag verändert. Mitten auf einem Waldweg, knapp 300 Meter in das Waldstück hinein, fand das Paar die Boa.

Die Frage, die sich die Archivarin und Gemeinderätin daraufhin stellte, war: Wen rufe ich jetzt an? Da Emmy auf ihre Runde kommen wollte, führte Ulrich Ofer sie weiter, und Monika Ofer blieb bei dem Reptil. Sie rief zu allererst das Tierheim in Starnberg an: „Da war das Problem, erst einmal überzeugend zu schildern, dass man eine exotische Schlange gefunden hatte“, berichtet sie.

Das Problem versteht auch Sabine Öfner von der Auffangstation: „Bei uns gehen 99 Prozent solcher Anrufe auf Nattern oder andere Reptilien zurück, die bei uns heimisch sind, aber die die Menschen nicht mehr kennen“, sagt sie. Deswegen stellt Öfner allen Anrufern gezielte Fragen, um herauszufinden, um welche Art Reptil es sich bei einem Fund handelt. Bei Ofers Anruf wurde ihr schnell klar: Bei der Länge der Schlange handelt es sich keinesfalls um ein Exemplar aus dieser Region.

Männliche Boas können bis zu 2,30 Meter lang werden, Weibchen sogar bis zu 2,80 Meter. Sie zählen zu den südamerikanischen Würgeschlangen und ernähren sich von kleinen Säugetieren. Für erwachsene Menschen stellen sie aber keine Gefahr dar: „Sie zählen in der Reptilienhaltung zu den Anfängerschlangen“, sagt Sabine Öfner. Sie riet Monika Ofer, die Feuerwehr anzurufen, da diese extra Schulungen im Umgang mit Reptilien bekommt.

Doch die Feuerwehr hatte zu gegebenem Zeitpunkt keine Kapazitäten und verwies sie an die Polizei in Fürstenfeldbruck. Diese leiteten Ofer weiter an die Polizei in Herrsching, welche gegen 15.50 Uhr schließlich eine Streife in den Wald schickte. Monika Ofer konnte heimfahren. Aber die Polizei rief noch einmal an und bat um einen Karton. „Mein Mann bereitete dann einen Umzugskarton vor, und ich fuhr wieder zurück“, berichtet Ofer.

Schlussendlich konnten Polizeimeister Jonas Zink und eine Kollegin die Boa im Karton unbeschadet nach München bringen. „Sie scheint nicht allzu lange im Freien unterwegs gewesen zu sein“, sagt Sabine Öfner. Monika Ofer habe gut reagiert, denn vor allem Ruhe bewahren sei wichtig, sagt die Tierärztin. Im Zweifelsfall rät sie dazu, ein Foto zu machen und es einem Experten zu schicken, gerne auch der Reptilienauffangstation (info@reptilienauffangstation.de).

„Immerhin, ich habe durchgehalten und alle Telefonate durchgezogen“, sagt Monika Ofer. „Wenn man etwas beginnt, will man es auch zu Ende bringen.“ Zum Glück für „140/20 – Etterschlag“, wie die Boa jetzt in der Auffangstation heißt. Dort wird sie noch vier Wochen in Quarantäne bleiben und medizinisch untersucht, damit sie dann – hoffentlich bald – auch an ein neues Zuhause vermittelt werden kann.

 ALICE BECKMANN-PETEY

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