Ein besonderer Moment: Thomas Neumann, Nils Determeyer und Stefan Odzuck (v.l.) haben auf einer Grabungsfläche in Steinebach ein
 Skelett entdeckt. Es handelt sich wohl um die sterblichen Überreste eines Kindes.
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Ein besonderer Moment: Thomas Neumann, Nils Determeyer und Stefan Odzuck (v.l.) haben auf einer Grabungsfläche in Steinebach ein Skelett entdeckt. Es handelt sich wohl um die sterblichen Überreste eines Kindes.

„Auch für uns ein Highlight“

Sensationsfund am Wörthsee: Archäologen graben voll erhaltenes Kinderskelett aus

Auf einer zukünftigen Supermarkt-Baustelle habe Archäologen einen Sensationsfund gemacht. Das Kinderskelett ist vermutlich über 2500 Jahre alt.

  • Spektakulärer Fund in Steinebach am Wörthsee (Landkreis Starnberg)
  • Bei Grabungen haben Archäologen am Dienstag ein Skelett entdeckt.
  • Vermutlich handelt es sich um die sterblichen Überreste eines Kindes aus der Eisenzeit. Alter: um die 2500 Jahre.

Sensationsfund im Landkreis Starnberg: „Ist für uns auch ein Highlight“

Steinebach – Seit Anfang Dezember graben Thomas Neumann, Nils Determeyer und Stefan Odzuck auf dem rund 3100 Quadratmeter großen Gelände in Steinebach nach archäologischen Funden. Dass dort etwas zu finden ist, hatte vorab ein sogenanntes Magnetogramm des Landesamts für Denkmalschutz ergeben. Es zeigt wie eine Art Röntgenbild Anomalien im Boden. Vor Weihnachten schließlich stießen die Archäologen unter den abgetragenen Humus- und Erdschichten tatsächlich auf die Reste eines Grabes mit einem relativ gut erhaltenen Skelett. „Das ist für uns schon auch ein Highlight“, sagt Grabungsleiter Neumann (36) im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Kindergrab am Wörthsee entdeckt: Wohl acht Jahre alter Bub

Sicher ist wohl, dass es sich um ein Kindergrab handelt. „Laut der Anthropologin Franziska Schreil, die die menschlichen Knochen barg, könnte es das Skelett eines etwa acht Jahre alten Buben sein“, sagt Neumann. Das sei aber wirklich nur „eine grobe Ersteinschätzung im Feld“. Zuvor hatten die Archäologen anhand von Verfärbungen in den Erdschichten sehen können, dass dort einmal Menschen gelebt haben müssen. Möglicherweise handelt es sich um eine Siedlung aus der Eisenzeit. Diese reicht von etwa 800 vor Christus bis zur Zeitenwende.

Bereits 80 dokumentierte Funde auf Feld „Traktor hat einiges abrasiert“

Bevor das Trio auf die Grabstelle stieß, hatte es bereits um die 80 Funde dokumentiert. Darunter Gruben und Pfostenspuren sowie einen kleinen Graben. Für Neumann war das bis dahin nicht so ergiebig. Dann jedoch entdeckten die Archäologen die Grabstelle. Erhalten ist allerdings nur noch die Sohle. „Im Laufe der Zeit hat da der Traktor einiges abrasiert“, sagt Neumann. Das Skelett war jedoch deutlich zu erkennen. Rechts und links vom Schädel bargen die Archäologen die Reste von Gefäßen, vermutlich Grabbeigaben mit Fleisch oder anderen Speisen für den Verstorbenen.

Woran das Kind gestorben ist, das müssen nun die Fachleute herausfinden. „Ob Gewalteinwirkung, Krankheit oder ein Unfall, da lässt sich heutzutage eine Menge feststellen“, sagt Neumann. Ganz abgesehen von dem Alter der Knochen und der Siedlung insgesamt. Er geht davon aus, dass die Wissenschaftler im Frühjahr mehr wissen.

Die sterblichen Überreste und Funde werden nun dem Landesamt für Denkmalschutz übergeben. „Sinn und Zweck ist der Erhalt für die Nachwelt“, erklärt Neumann. Üblicherweise teilen sich Grundeigentümer und Finder archäologische Funde. In diesem Fall aber hat der Eigentümer ein Anrecht auf den Fund, muss ihn jedoch dem Landesamt vorlegen.

Wie berichtet, soll auf der Fläche ein Supermarkt entstehen. Parallel zu den Grabungsarbeiten findet ein Bauleitverfahren statt. Neben dem Vollsortimenter plant die Maro-Genossenschaft dort den Bau von 60 Wohnungen.

Weil in dem Bereich Funde erwartet wurden, handelt es sich um eine sogenannte Notgrabung, auch Rettungsgrabung genannt. Die bauvorgreifende Maßnahme basiert auf einem Bescheid des Landratsamts, das diesen in Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege erstellt hat. Die Archäologen haben das Skelett und die Grabbeigaben mittlerweile komplett geborgen. Neumann geht davon aus, dass er noch bis Anfang des Jahres auf der Fläche beschäftigt sein wird. Mit einem Fund in dieser Qualität allerdings rechnet er nicht mehr. „Das war schon eine starke Überraschung.“

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