Fläche für Asylunterkunft

Debatte um Etterschlager Grundstück

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Wörthsee – Das Landratsamt favorisiert die Unterbringung von Flüchtlingen in Etterschlag. Das versuchte die CSU mit einem Antrag zu kippen.

„Beifallsbekundungen sind im Gemeinderat nicht vorgesehen und eigentlich verboten“, richtete der Zweite Bürgermeister Konrad Gritschneder (CSU) am Mittwoch eine klare Botschaft an die Zuhörer im überfüllten Gemeinderatssaal. Die Stimmung kochte wegen eines CSU-Antrags zwischenzeitlich hoch. Demnach sollte das Landratsamt prüfen, ob auf die Unterbringung von Asylbewerbern auf der Fläche in Etterschlag nicht doch verzichtet werden könnte, was von den Zuhörern mit Applaus honoriert wurde. Dafür schlug die Fraktion eine Unterkunft auf der Fläche unter dem Friedhof Buchteil in Kombination mit sozialem Wohnungsbau vor. 

Von den drei von der Gemeinde vorgeschlagenen Flächen favorisiert das Landratsamt allerdings die in Etterschlag, weil bei den Flächen in Steinebach „insbesondere die Topographie ein Hindernis darstellt“. Martina Jursch (CSU) betonte, das Gelände sei nicht zu steil: „Das ist Schmarrn. Das Landratsamt macht es sich zu einfach.“ Die Anbindung und weitere Kriterien seien bei den anderen Grundstücken besser erfüllt. 

Etterschlag: "Integration kann dort am allerwenigsten stattfinden"

Paul Grundler (Wörthsee Aktiv) zeigte sich „tief enttäuscht von diesem Antrag. Ich finde es traurig, dass wir dieses ernste Thema jetzt schon für den Wahlkampf nutzen“. Jursch wieß das zurück und erklärte: „Das war einfach eine Watschn für die Etterschlager. Ich bezweifel, dass das Landratsamt das ernsthaft geprüft hat.“ Auch wenn er den Antrag seiner eigenen Fraktion als „ein bisschen populistisch“ bezeichnete, betonte Gritschneder: „Alles ist richtig. Nur helfen tut´s gar nichts.“ 

Es sei Sache des Landratsamts: „Sehen wir unsere Beschränktheit ein.“ Auch Dirk Bödicker (Wörthsee Aktiv) sagte: „Das Landratsamt hat sich das Recht geschaffen, dort zu bauen. Ich sehe mich in einer gewissen Ohnmacht.“ In dieser möchte die CSU aber nicht verharren. „In Etterschlag läge Grundstück an Grundstück“, argumentierte Josef Kraus (CSU), das sei eine „Zumutung“. Er verwies auf das Zahlenverhältnis zwischen den erwarteten 144 Asylbewerbern und Etterschlager Einwohnern. „Integration kann dort am allerwenigsten stattfinden.“ Bürgermeisterin Christel Muggenthal gab zu: „Es gibt geeignetere Grundstücke. Aber die haben wir nicht bekommen.“ 

"Etterschlag wird nicht das Ende, sondern der Anfang sein"

Würden mehrere Unterkünfte errichtet werden, könnte die Anzahl der Flüchtlinge in Etterschlag reduziert werden. Doch für Unterkünfte mit weniger als 90 Bewohnern würde weder ein Sozialarbeiter, Sicherheitsdienst oder Hausmeister gestellt werden, betonte Muggenthal. Der Sozialarbeiter müsste sich überdies um mehr als einen Standort kümmern. „Ein Sozialarbeiter kann sich sehr wohl auf zwei Orte aufteilen. Die sind nur 2,5 Kilometer entfernt“, sagte Jursch. 

Die Diskussion beruhigte sich wieder. Muggenthal erinnerte: „Das Landratsamt hat einen Vertrag abgeschlossen. Die Haltung ist halt so.“ Aber es gäbe noch Unstimmigkeiten wegen der Entwässerung auf dem Grundstück. Außerdem, erklärte Arthur Schnorfeil (SPD), „wird Etterschlag nicht das Ende, sondern der Anfang sein.“ Auf die anderen Grundstücke würde wegen der zunehmenden Flüchtlingszahlen eben später zugegriffen werden. Letztlich einigten sich die CSU und der Gemeinderat auf einen Kompromiss. Demnach soll das Landratsamt die Ablehnung für das Etterschlager Grundstück detailliert, nicht nur formlos, formulieren.

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