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Hans Schneider in seinem Reich, der Garteneisenbahn. 
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Eine von vier Loks, die in der Gartenbahn auf zwei Trassen unterwegs sind.
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Darf nicht fehlen: der Bahnhof Steinebach. 
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Auch ein ICE ist bei Hans Schneider unterwegs. 

Hobby

Der Herr der Garteneisenbahn

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In Etterschlag, Gemeinde Wörthsee, betreibt der Sammler und Bastler Hans Schneider seit vielen Jahren eine besondere Attraktion. 

Etterschlag – Es gibt in Etterschlag Kinder, die finden nicht ins Bett, ohne zuvor noch mal bei Hans Schneider gewesen zu sein. Dort stehen sie dann mit großen Augen am Zaun und staunen, wenn der stattliche ICE aus dem Tunnel rauscht oder die Dampflok den Berg hinauf schnauft und dabei sogar pfeift. Hans Schneider ist Besitzer der einzigen und größten LGB-Gartenbahn weit und breit, die sich jeder anschauen kann und sogar fahren darf. Per Knopfdruck.

Termin im Garten bei Schneiders. Zwei bellende, aber freundliche Hunde stürmen dem Besucher entgegen, eine Katze huscht ins Haus, es duftet nach Pfannkuchen. Hans Schneider (71) kommt mit dem Bulldog um die Ecke. Wenige Meter Luftlinie entfernt baut er bei Etterschlag gerade ein Haus für seine Tochter. Aus diesem Grund hat er seit etwa zwei Jahren keine eigene Gartenbahn-Lokomotive mehr gebaut, weder für sich, noch für andere. Er hat genug zu tun mit dem Hausbau und mit dem reinen Unterhalt der Gartenbahn sowieso, die seit 1997 die Attraktion im Ortsteil Etterschlag ist. Zuvor, von 1992 bis 1997, hatte Schneider die Anlage an der Münchner Straße in Steinebach errichtet. „Dort konnte sie nicht bleiben. Als wir dann hier gebaut haben, haben wir sie im Garten gleich eingeplant“, berichtet Schneider.

Sein Vater war Krippenbauer 

Natürlich hat Schneider schon als Bub eine Eisenbahn besessen. Das handwerkliche Geschick allerdings, das hat er von seinem Vater gelernt, der ein leidenschaftlicher Krippenbauer war. Schneider spezialisierte sich erst später auf die Eisenbahn. Er fährt auch gerne selbst damit, also mit der richtigen, am liebsten mit der Rhätischen Bahn in der Schweiz. Einige seiner selbst entworfenen und gebauten Loks und Wagen im Keller tragen aus diesem Grund auch deren Schriftzug.

Überhaupt, der Keller: Regale bis zur Decke, voll mit Zubehör, Urkunden, Fotos. Dazwischen kunstfertig gebaute Miniatur-Häuser, Schubladen voll mit Figuren, herrliche Loks und Zugwagen in allen Farben und Formen und nicht zuletzt eine bestens ausgerüstete Werkbank, bei der jedem Bastler Tränen in die Augen treten. Kein Wunder, dass Hans Schneider in der Szene der Modell- und Gartenbahnfans auch über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist wie ein bunter Hund. Das erzählt er nicht selber, sondern das muss man ihm fast ein bissl aus der Nase ziehen. Hans Schneider, ganz das verschmitzte, bayerische Original, grinst lieber nur wissend und gibt dann fast kryptisch zu, „dass, wer mich kennt, mich auch anruft, und dann bau ich ihm dies oder jenes“. Auch mit Reparaturen kennt sich Schneider gut aus, kleinste Ersatzteile hängen in Tütchen an der Werkstatt-Wand. Bis zu drei Wochen braucht er, um eine Lok zu bauen oder einen Wagen, bis zu 200 Euro sind die Sammlerstücke wert, zum Teil unverkäuflich.

Eine Menge zu schauen und zu staunen

Auf dem Gelände im Garten gibt es ebenfalls eine Menge zu schauen und zu staunen. 120 Meter Schienen hat Schneider auf etwa 100 Quadratmeter Fläche verlegt, auf dieser sind vier Lokomotiven unterwegs, gleichzeitig auf zwei Gleistrassen. Ein Hubschrauber kreist über der Szenerie. Am Bahnhof Steinebach warten die Fahrgäste, die Brücke über der Schlucht wird gerade von einem Trupp Arbeiter repariert, an einem Felsen hängen – schließlich befinden wir uns im Voralpenland – Sportkletterer. Detailverliebt bis in die hintersten Ecken hat Schneider seine Gartenbahn ausgebaut. Sogar die Bepflanzung – Zypressen, Lorbeer, Efeu, Fichte und Bergahorn – schneidet er immer wieder passend auf seine Fantasielandschaft zu. Alles in einem Maßstab von 1:22. Dabei hat Schneider keine Berührungsängste, sich auch mal bei Spielwarenherstellern wie Playmobil zu bedienen. Nur die bunten Männchen, auf die verzichtet er lieber und ersetzt sie durch natürlichere Figuren.

Die Menschen, die am Zaun vorbei gehen, grüßen freundlich. Ein Radler bleibt stehen und bedankt sich für „die tolle Anlage, das wollte ich immer schon mal sagen“. Eine Familie aus Hamburg, das erzählt Schneider beiläufig, kommt mit ihrem Sohn seit 20 Jahren jeden Sommer. Und mit den Hapkes aus Hannover, „die kennen wir auch wegen der Eisenbahn“, fährt Schneider oft mit der Rhätischen Eisenbahn durch die Schweiz.

Per Knopfdruck also lässt sich Schneiders Eisenbahn vom Zaun aus bedienen. Von November bis März etwa steht die Anlage still, worüber sich der ein oder andere Zaungast dann auch schon mal beschwert. Auch einen Erben für seine Bahn hat Schneider schon gefunden: Enkel Liam beweist mit vier Jahren schon, dass er Sinn für diese Leidenschaft hat, berichtet der stolze Großvater. Das freut ihn besonders, denn gerade für die Kinder ist seine offene Gartenbahn gedacht, die kleinen, aber auch die in uns allen.

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