Eine Firma, drei Generationen: (v.l.) Geschäftsführer Heinz Soyer jun., Firmengründer Heinz Soyer und Florian Soyer (Fertigungsleiter).  Foto: Soyer
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Eine Firma, drei Generationen: (v.l.) Geschäftsführer Heinz Soyer jun., Firmengründer Heinz Soyer und Florian Soyer (Fertigungsleiter).

Herausforderung zum 50. Jubiläum

Vor 50 Jahren gründeten Helga und Heinz Soyer in einem kleinen Garagenanbau in Planegg das Unternehmen Soyer Bolzenschweißtechnik. Das Jubiläum sollte heuer groß gefeiert werden. Dann kam Corona. Heinz Soyer über die größte Herausforderung seines Unternehmerlebens.

Etterschlag – Pressetermine, Öffentlichkeit, das alles ist Heinz Soyer ein Gräuel. Zum 50. Geburtstag seines Unternehmens nimmt er sich dann doch mal Zeit für ein Gespräch. Wegen Corona aber nur am Telefon. Doch selbst durch den Hörer ist die Energie des Firmengründers zu spüren, und es ist kaum zu glauben, dass er am 1. September 80 Jahre alt wird.

Natürlich ist Soyer noch von früh bis spät in seinem Unternehmen unterwegs, und zwar auch mal zwölf Stunden täglich. Weil er Vorbild sein will, und schließlich auch wegen Corona. „Dafür gab es kein Drehbuch. Und es hat uns so hart getroffen wie viele andere in der Metallbranche auch.“ 50 Prozent der Einnahmen brachen im März weg, heute sind es noch bis zu 30 Prozent. Doch während die Unternehmen ringsum ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit und Urlaub schickten oder gar ausstellten, erhöhte Soyer die Schlagzahl. „Wir wollten die Krise auf jeden Fall alleine meistern.“

Klar habe man intern auch über Kurzarbeit diskutiert. In der Familie habe das Thema im Raum gestanden. Dazu muss man wissen, dass bei Soyers drei Generationen zusammenarbeiten: Ehefrau Helga verwaltet die Finanzen, Sohn Heinz ist Geschäftsführer, Tochter Ingrid ist Marketingchefin, Schwiegersohn Oliver Pohlus leitet den Export, und Enkel Florian (31) ist seit 1. März Fertigungsleiter. Da sind also schon viele, die ein Wörtchen mitreden. Letztendlich habe man sich jedoch geeinigt und keine Kurzarbeit beantragt. Die Mitarbeiter wüssten dies sehr zu schätzen und seien froh, auch weiterhin in Vollzeit arbeiten zu können. „Man kann diese Zeit auch nutzen“, so die Ansage vom Firmengründer. Für Forschung beispielsweise und Entwicklung. „Man kann Alleinstellungsmerkmale schaffen, dafür hat man sonst keine Zeit.“

Die Mitarbeiter honorierten den Schwung, mit denen Soyer die Corona-Pandemie in Angriff nahm. „Unsere Mitarbeiter waren sehr in Sorge und sind froh, dass wir bis dato keine Kurzarbeit anmelden mussten. Wir wissen die Unterstützung unserer Mitarbeiter sehr zu schätzen“, sagte Heinz Soyer jun. dem Starnberger Merkur.

Also ließ sich die Firma für die harten Monate jede Menge einfallen: „Wir haben Sondereditionen und Angebote gemacht, es gab 50-Jahre-Soyer-Sonderrabatte“, zählt Seniorchef Soyer auf. Die große Jubiläumsparty fiel allerdings aus. Soyer investierte in neue Maschinen, „weil die Konditionen gut sind“. Und weil die Firma gut gewirtschaftet hatte. „Wir konnten das alles aus der Sicherheit heraus“, sagt Soyer. In den fetten Jahren nach der Finanzkrise 2009 habe er Reserven gebildet. „Die nächste Krise war doch absehbar, wenn auch nicht in diesem Ausmaß.“ Er ist stolz, dass es das Unternehmen bis heute ohne staatliche Unterstützung geschafft hat. „Und wir können noch weiter durchhalten.“

Die heutige internationale und nationale Geschäftswelt betrachtet Soyer grundsätzlich mit Argwohn. Von Privatisierung hält er nichts. „Die Gewinne werden privatisiert, der Rest sozialisiert“, sagt der 79-Jährige. Er findet das nicht fair, „denn viele haben in den vergangenen Jahren eine Menge Geld verdient“.

Zurücklehnen ist für Heinz Soyer nichts. Er sei dankbar, dass er noch arbeiten dürfe und könne. Mal Urlaub machen, das sei nichts für ihn, betont er. Obwohl: Im Februar 2020, zum 80. Geburtstag seiner Frau, habe er dann doch mal mit ihr eine Reise nach Spanien geplant. „Das war alles schon gebucht. Doch dann kam Corona.“ Es klingt dann aber nicht so, als wäre die geplatzte Reise für Heinz Soyer wirklich schlimm gewesen.

Noch ein paar Fakten zur Firma Soyer:

Helga und Heinz Soyer gründen am 1. Januar 1970 in einem Garagenanbau in Planegg die Firma Soyer. Heinz Soyer kommt aus Peißenberg, seine Frau ist gebürtige Münchnerin. Die beiden beschäftigen zwei weitere Mitarbeiter. Die ersten kleinen Handgeräte mit Spitzentzündung gehen in Serie. Vier Jahre später zieht die Firma nach Germering um. Die Anzahl der Mitarbeiter steigt auf 20, die Größe der Gewerbefläche auf 600 Quadratmeter. 1976 entwickelt das Unternehmen robuste Hubzündungs-Bolzenschweißgeräte für den Bauboom, 1978 beginnt der Sondermaschinenbau.

1986 bauen die Soyers in Etterschlag ihr erstes eigenes Firmengebäude mit 2500 Quadratmeter Fläche, Die Mitarbeiterzahl steigt auf 40. 1988 gibt es den ersten Staatspreis auf der Internationalen Handwerksmesse in München, 1989 folgt der erste Bundespreis. Bis 2002 entstehen in Etterschlag drei weitere Gebäude. 2006 beginnt die Firma Soyer mit der Markteinführung der SRM Technology, für die es den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk gibt.

2010 entsteht ein fünftes Gebäude für die Fertigung von großformatigen Bolzenschweißmaschinen. 2015 führt die Firma ein integriertes Managementsystem für die Normen Qualität, Umwelt, Arbeits- und Gesundheitsschutz ein. Das Unternehmen darf zudem den zertifizierten Herkunftsnachweis „Made in Germany“ führen. Heute arbeiten in dem Unternehmen in Etterschlag 70 Mitarbeiter.

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