Bürgermeisterin Christel Muggenthal vor dem ehemaligen Kirchenwirt im Zentrum Steinebachs.
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Bürgermeisterin Christel Muggenthal vor dem ehemaligen Kirchenwirt im Zentrum Steinebachs. Der Entwickler will mit dem Projekt bis Mitte 2023 fertig sein.

DAS BRINGT DAS JAHR 2021

Herzensprojekte und Ärgernisse

In der Gemeinde Wörthsee ist die politische Diskussion kurz vor Weihnachten hochgekocht. Am 22. Dezember überreichten Vertreter des Bündnisses „Rettet den Kuckuckswald“ Bürgermeisterin Christel Muggenthal Listen mit 800 Unterschriften. Ihr Anliegen: den geplanten Bau des Supermarktes nahe des Teilsrains per Bürgerbegehren zu verhindern. Muggenthal kündigte bereits an, dass sich der Gemeinderat im Januar mit dem Anliegen beschäftigen wird. Dabei ist das Projekt nicht das einzige, das in Wörthsee auf der Tagesordnung steht.

Wörthsee – Frau Muggenthal, Ihre Wiederwahl ist wegen der Corona-Pandemie ja fast zur Nebensache geworden. Was haben Sie am Anfang des Jahres und zum Beginn der Pandemie gedacht und gefürchtet?

Keiner wusste ja am Anfang, wie schlimm es ist und was da auf uns zukommt, wie sich das auf unser Leben und die Kommune auswirkt. Damals wie heute finde ich die Situation bedrohlich. Dass Operationen verschoben werden müssen, weil Intensivstationen voll belegt sind, ist doch beängstigend.

Wie sind Sie in der Verwaltung vorgegangen?

Meine Geschäftsführerin Christel Heintel hat sich sehr stark eingearbeitet. Wir haben gleich zwei Teams gebildet und das Homeoffice ausgebaut. Das bewährt sich auch jetzt. Ich habe auch frühzeitig Alltagsmasken besorgt, da waren die noch gar nicht vorgeschrieben. Ich habe schon mit einer zweiten Welle gerechnet, und wir haben die steigenden Zahlen im Auge behalten.

Wie schlagen sich die Wörthseer in diesen Zeiten?

Sehr unterschiedlich, so ist mein Eindruck. Einige halten sich streng an die Regeln und sind sehr engagiert. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Aber viele sind auch sehr unglücklich. Als die Münchner im Frühjahr ausrückten, waren einige in heller Aufregung. Sie hatten Angst, spazieren zu gehen, weil so viele Leute unterwegs waren. Mir persönlich fehlt der persönliche Austausch mit den Bürgern. Die Öffentlichkeitsbeteiligung bei großen Themen wie dem Kirchenwirt kann nicht in gewohntem Umfang stattfinden. Es ist wichtig, dass die Menschen zusammenkommen, um gemeinsam kreativ zu werden. Nun hören wir die Meinungen voneinander losgelöst.

Was hat Sie besonders empört?

Ach, ich bin ja kein Mensch, der sich empört. Und wenn, dann nur ganz kurz. Als belastend empfinde ich es, dass immer mehr Briefe an unsere Verwaltung ein gerüttelt Maß an Aggressivität beinhalten. Damit muss man sich auseinandersetzen. Ich will aber nicht jammern. Wenn ich im Ort unterwegs bin, habe ich auch sehr viele, schöne Gespräche – mit Abstand natürlich.

Sind Projekte auf der Strecke geblieben wegen Corona?

Nein, das kann man nicht sagen. Zum Kirchenwirt haben wir eine Umfrage machen können mit hoher Rücklaufquote, da ist nichts ins Stocken geraten. Die Umfrage wird jetzt ausgewertet. Auch bei den anderen großen Projekten wie dem genossenschaftlichen Wohnen am Teilsrain oder dem Architektenwettbewerb für das Areal der Kirchenstiftung gab es keine Verzögerungen.

An welche Ereignisse in diesem Corona-Jahr denken Sie gerne zurück?

Die Veranstaltung „Wörthsee zeigt sich“ hat mir besonders gut gefallen. Da sind alle unterwegs gewesen, die Menschen haben die Angebote genutzt, trotzdem die Abstände eingehalten und Rücksicht aufeinander genommen. Viele Vereine haben einen großen Aufwand betrieben, es war für alle schön. Ich hoffe sehr, dass wir so etwas nächsten Sommer wiederholen können und dass überhaupt Veranstaltungen, wenn auch vorsichtig, wieder hochgefahren werden können.

Was den Bau eines Vollsortimenters am Kuckuckswald angeht, weht dem Gemeinderat gerade etwas Wind entgegen. Wie bewerten Sie das?

Das ärgert mich schon ein bisschen. Wir haben über das Projekt umfangreich berichtet und es vorgestellt. Im Zusammenhang mit der genossenschaftlichen Wohnbebauung, die dort entsteht, haben wir immer auch über einen Nahversorger gesprochen. Jetzt sind wir endlich soweit, und plötzlich heißt es, man sei nicht informiert worden. Der Gemeinderat hat sechs Jahre an einem Gesamtkonzept gearbeitet, übrigens auch mit Bürgerbeteiligungsformaten. Es ist bedauerlich, dass das jetzige Engagement einiger Bürger nicht früher gekommen ist, sondern erst, als der Bagger der Archäologen ums Eck kam. Das wurmt mich schon ein bisschen.

Welche Projekte möchten Sie im nächsten Jahr unbedingt weiterbringen?

Ich möchte beim Thema Nahwärme endlich Nägel mit Köpfen machen und nicht immer nur zuschauen, was andere Gemeinden machen. Dazu zählt auch die Entwicklung von Freiflächenfotovoltaikanlagen. Der Kirchenwirt wird im Frühjahr abgerissen, wir planen die Erweiterung des Kinderhauses, und auch der Bauherr des Supermarkts am Kuckuckswald möchte loslegen. Mein Herzensprojekt ist natürlich der Kirchenwirt. Das wird ein Gewinn für den Ort.

Was tut die Gemeinde in Sachen Tagestourismus?

Ich hoffe grundsätzlich sehr, dass die Menschen 2021 wieder verreisen können. Aber wir können ihnen natürlich nicht verbieten, zu uns an unseren schönen See zu kommen. Es wäre wirklich eine Erleichterung, wenn mehr Menschen mit der S-Bahn kommen würden. Abgesehen davon haben wir Rettungswege in Seenähe ausgewiesen, die Seestraße ist Fahrradstraße, für Autofahrer, die kreuz und quer parken wollen, wird es nun schwieriger. Wir haben im Ort nicht so viele Parkplätze und möchten auch keine ausbauen. Wir stellen fest, dass die Leute jetzt weiter weg vom See den Ort zuparken. Eigentlich könnten sie dann auch mit der S-Bahn kommen, finde ich, aber das können wir nicht erzwingen. Mit der Verkehrssituation werden wir uns aber im Januar in einer Sondersitzung befassen. Jetzt habe ich erst mal Sorge, dass der See zufriert.

Warum?

Dann wird es chaotisch, denn wenn die Menschen nicht skifahren dürfen, kommen sie von nah und fern an den See. Vielen ist jedoch nicht zu vermitteln, dass der See aus unterirdischen Quellen gespeist wird und daher beispielsweise rund um die Mausinsel nicht vollständig zufriert. Es ist nicht zu glauben, was sich bisher schon bei Eis abspielt. Ich mache mir Sorgen um unsere überlasteten Rettungskräfte.

Was wünschen Sie den Wörthseern zur Jahreswende?

Dass sie ihre Familie bei sich haben können und Freude erleben, dass sie gesund bleiben, und dass wir der Krise Herr werden.

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