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Wie geht es in Wörthsee im neuen Jahr weiter? Merkur-Redakteurin Hanna von Prittwitz (l.) hat mit Bürgermeisterin Christel Muggenthal über Wünschenswertes und Machbares gesprochen.

Jahresgespräch

Ins neue Jahr mit einer Klausur

Hinter der Gemeinde Wörthsee liegt ein Jahr mit vielen Verhandlungen, aber auch Entscheidungen. Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ist fertig geworden, der Dorfladen hat eröffnet und auch in Sachen Teilsrain ist eine Entscheidung gefallen. Bürgermeisterin Christel Muggenthal (63) ist zuversichtlich, dass auch 2019 etwas voran geht in Wörthsee – und am Teilsrain zumindest für die Erschließung die Bagger rollen.

Wörthsee – Das Jahr schloss mit einer guten Nachricht, die Christel Muggenthal in der letzten Sitzung vor der Weihnachtspause offiziell verkünden durfte. So ist der Vergabebeschluss für ein Münchner Büro in Sachen Kirchenwirt gefallen. „Von vielen Gemeinden hört man, dass es oft schwierig sei, Ausschreibungen durchzuführen, weil kaum oder manchmal gar keine Angebote eingereicht werden“, sagt die Bürgermeisterin und freut sich umso mehr, dass sich beim Vergabeverfahren für das Grundstück Kirchenwirt sieben Architekturbüros beteiligt haben, und zwar große und kleine. „Das zeigt, dass es ein interessantes Projekt ist, das auch Renommee bringt“, so Muggenthal.

Geplant ist, die alte Wirtschaft zu sanieren. Auf dem Grundstück sollen zudem zwei Gebäude mit Wohnungen entstehen. „Wie viele, das müssen wir noch aushandeln.“ Von der Dichte der Bebauung sind auch die Fördermittel abhängig – 2,5 Millionen Euro hat die Gemeinde für den Kauf des Areals ausgegeben, ein Zuschuss täte da gut. Muggenthal ist zuversichtlich, dass die Sanierung des in die Jahre gekommenen Kirchenwirts gelingt. „Dafür gibt es an anderen Orten sehr gute Beispiele. Da ist alles möglich.“ Die Gewerke werden voraussichtlich im Frühjahr ausgeschrieben, der Bebauungsplan erfordert nur geringfügige Änderungen.

Teilsrain

60 bis 80 Wohnungen könnten auf dem etwa 8000 Quadratmeter großen Grundstück am Teilsrain in Steinebach entstehen. Die Bürgermeisterin begrüßt die Tatsache, dass sich die Baugenossenschaft Wogeno in Zusammenarbeit mit dem Verein Wohnen am Teilsrain und der Gemeinde bereiterklärt hat, das Projekt zu stemmen. Sie weiß, dass der Verein sich intensiv mit den Möglichkeiten auseinandersetzt, die so ein Projekt bietet. „Der genossenschaftliche Gedanke lässt viel Raum, was das Zusammenleben angeht.“ Architektur, Ökologie, Mobilität, Energieversorgung – all dies werde intensiv betrachtet. „Ich bin da voll Zuversicht und auch ein bisschen stolz“, sagt die Bürgermeisterin. Wann auf dem Teilsrain Baubeginn ist, ist offen. Gegraben wird dort aber schon bald: „Denn es ist ein Bodendenkmalgebiet“, sagt Muggenthal. Also sind erstmal die Archäologen am Zug. Muggenthal geht aber davon aus, dass mit der Erschließung der Fläche, die über die Kuckuckstraße erfolgen soll, zumindest im Herbst begonnen werden kann. „Vielleicht bin ich ja auch überrascht, wie schnell alles geht.“

Supermarkt

Das Thema Supermarkt ist ein bisschen komplizierter. Wie berichtet, haben die Besitzer des Grundstücks an der Etterschlager Straße, auf dem einst ein Tengelmann-Markt stand, beantragt, dort Wohnungen zu bauen. „Die kann ich nicht ewig hinhalten“, erklärt Muggenthal. Denn die Gemeinde ist unentschlossen, ob und wo ein weiterer Supermarkt entstehen soll. Daher nehmen die Planer gerade eine Markterkundung vor mit Blick auf eine Fläche am Teilsrain, neben dem Wohnbauprojekt. „Die Ergebnisse dazu erhalten wir im Februar.“ Auch die Firmen Fristo und DM haben sich das Gelände schon angeschaut.

Kirchenstiftung

Gemeinsam mit der Kirchenstiftung ist die Gemeinde auf der Suche nach einem Investor, der auf kirchlischem Grund an der Etterschlager Straße Betreutes Wohnen mit Wohngemeinschaften realisiert. „Wir schauen uns auch ganz genau an, wie andere Gemeinden das machen“, sagt Muggenthal. Sie ist sicher: „Da werden nächstes Jahr Entscheidungen getroffen.“

Beeindruckt ist die Bürgermeisterin von Sabine Wenng, Leiterin der Koordinationsstelle „Wohnen im Alter“. Diese hatte im August 2018 die neuen Ideen für das Areal im Gremium vorgetragen – und überzeugt. Aber natürlich muss vor allem über Geld gesprochen werden in diesem Zusammenhang. „Wir müssen uns fragen: Was kann die Gemeinde finanziell?“, sagt Muggenthal. Grundsätzlich aber ist sie zufrieden mit dem Fortgang der Verhandlungen für das Areal: „Mich freut, dass wir uns mit der Kirchenstiftung einig darüber sind, dass es für unseren Ort wichtig ist, ein Seniorenzentrum für alle Einkommensstufen zu verwirklichen und damit Betreutes Wohnen, Pflegewohngemeinschaften, eine Beratungsstelle und einen Treffpunkt eventuell mit einem Café zu schaffen.“

ISEK und Verkehr

Das ISEK ist soweit fertig und liegt den Gemeinderäten vor (wir berichteten), Im Februar gehen sie in Klausur, um vielleicht letzte Feinheiten zu ändern und das ISEK den Bürgern noch im Frühjahr vorstellen zu können. „Wir werden bei der Klausurtagung auch versuchen, über eine Priorisierung zu reden – daher kommt der Kämmerer mit“, kündigt Muggenthal an.

Sie würde gerne so bald wie möglich ein Parkierungskonzept in Seenähe entwickeln, das auch eine Verkehrsberuhigung beinhaltet. „Wir können natürlich überall Parkverbote und Rettungswege ausweisen – aber es gibt auch die Idee, eine Fußgängerzone einzurichten.“ Darüber müsse mit Rücksicht auf Anwohner und Gastronomie gesprochen werden.

Von der Einbahnstraßenidee ist die Gemeinde abgekommen: „Die provoziert anscheinend mehr Verkehr, weil die Leute dann im Kreis fahren“, sagt Muggenthal. Eine stärkere Überwachung des ruhenden Verkehrs wird es nicht geben: „Wir haben schon die maximale Stundenzahl, mehr kann man nicht buchen.“

Die Gemeinde müsse sich auch überlegen, wie die Touristen besser von der S-Bahn an den See gelangen: „Da brauchen wir eine bessere Beschilderung.“ Pendelbusse seien für die insgesamt 800 Meter zum See nicht erforderlich, sagt die Bürgermeisterin.

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