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Sie möchten in Wörthsee Bürgermeister werden : Florian Tyroller (Grüne), Amtsinhaberin Christel Muggenthal (parteilos) und Thomas Ruckdäschel (CSU, v.l.).

Kommunalwahl 2020

Muntere Runde vor vollem Haus

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Die Blaskapelle Wörthsee hatte zur Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten geladen. Die verstanden sich auf dem Podium weitestgehend gut. Und sorgten für einen übervollen „Augustiner“.

Steinebach – Dichtes Gedränge herrschte am Donnerstagabend im „Augustiner am Wörthsee“: Die Blaskapelle hatte zur Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten Christel Muggenthal (parteilos), Florian Tyroller (Grüne) und Thomas Ruckdäschel (CSU) geladen. Weit mehr als 200 Menschen interessierte, was die drei zu den kommunalpolitischen Themen zu sagen hatten. Viele Bürger mussten draußen bleiben und waren darüber relativ ungehalten. Rundfunksprecher Jürgen Kaul moderierte vor einem munteren Publikum eine sachliche Diskussion. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ackerten sich die Kandidaten in hohem Tempo durch Themen und Fragen. Eine Auswahl:

Wer setzt welche Schwerpunkte?

Wohnen, Verkehr und Ortsentwicklung – das sind die Themen, bei denen die Kandidaten ansetzen wollen. Die amtierende Bürgermeisterin Muggenthal bot stets eine breite Palette an Projekten, die der Gemeinderat anschieben konnte. Sie betonte: „Wir müssen alle Generationen betrachten.“ Und auch „Neues denken“. Gemeinderat Tyroller will den Preis für Bauland senken und nannte beispielhaft ein Modell in Ulm, bei dem die Stadt Bauerwartungsland für 80 Euro kauft, es zu Bauland macht und günstig anbietet, „für 250 Euro den Quadratmeter“. Das Wohnprojekt am Teilsrain sei ein Erfolg, „es gibt aber noch viele Dinge, die wir anstoßen können“. Dazu zähle auch beim Verkehr die Lenkung von Besucherströmen, der Ausbau von Radwegen. Ruckdäschel möchte in der Gemeinde umfassend Tempo-30- und Tempo-40-Zonen ausweisen, im Sommer den Verkehr stärker überwachen und sich auch der Wohnraumfrage annehmen. Aus Einheimischenmodellen könne man von anderen Gemeinden lernen und dies umsetzen. Alle drei halten das integrierte städtebauliche Gesamtkonzept (ISEK) für eine gute Sache, am kritischsten war Ruckdäschel, der dem ISEK vorwarf, ab und an überholte Zahlen zu nennen.

Nahversorgung

Muggenthal und Tyroller sehen keine Voraussetzungen für einen dritten Supermarkt. Wie berichtet, entsteht zusätzlich zum Edeka an der Etterschlager Straße nahe des Wohnprojekts am Teilsrain ein Nahversorger. Ein dritter steht immer wieder zur Diskussion. Ruckdäschel kann sich das nur vorstellen, wenn sich dieser signifikant von den anderen absetzt, also beispielsweise ein Aldi ist. Dafür gab’s Buhrufe und die Frage, ob Ruckdäschel als Bürgermeister in Sachen Aldi initiativ werden würde. „Die haben kein Interesse mehr, das Thema können wir abhacken“, sagte er.

Verkehr und Sicherheit

Eine Stärkung des ÖPNV, Gespräche mit Carsharing-Anbietern, ein 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn – das sind für Muggenthal Konzepte, die ein Umdenken bei den Menschen erwirken könnten. „Gerade wo Wohngebiete entstehen, braucht nicht jeder ein Auto.“ Im Sommer könnten der Badebus, Radiodurchsagen und eine Parkraumbewirtschaftung samt Kontrolle Erleichterung bringen. Ruckdäschel störte sich an der Qualität der Rad- und Fußwege im Ort. „Das Angebot ist nicht attraktiv.“ Der Münchner wisse nicht, dass auch am Bahnhof Parkplätze seien, daher mache ein Parkleitsystem Sinn. Tyroller setzt auf die Ausweisung von Spielstraßen, im Sommer Webcams an den Parkplätzen und eine andere Preispolitik: „Die Strafgebühr liegt leider unterhalb des MVV-Tickets.“ Alle drei hoffen, dass die Etterschlager Straße als Staatsstraße herabgestuft wird. Allerdings ist das eine Kosten- und Verhandlungsfrage mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim. Auch Zebrastreifen fanden alle gut. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, sie „einfach zu machen“.

Jugend

Lob gab es für das Jugendhaus. Ruckdäschel wünschte sich dennoch mehr „mehr Sportangebote, Beachvolleyball oder auch eine Skaterbahn“. Zumeist Möglichkeiten, die die Gemeinde überprüft hat. „Wir können gerne nochmal für einen Skaterplatz Flächen suchen, aber bisher scheiterte das an den Anwohnern“, berichtete Muggenthal.

Klimaschutz

Die Gemeinde ist in ein Energienetzwerk eingetreten, hat eine Machbarkeitsstudie für ein Nahwärmenetz in Auftrage gegeben und denkt über ein Bürgernetz nach, zählte Muggenthal auf. „Sie muss mit gutem Beispiel vorangehen, aber auch die Privatleute ins Boot holen“, sagte Tyroller. „Niemand von uns will Energie verschwenden“, stellte Ruckdäschel fest. Er setzt darauf, den Bürgern Anreize zu bieten.

Natur- und Landschaftsschutz

Es gibt zu wenige Blühwiesen in Wörthsee, daran wollen alle arbeiten. Dazu kommt das Gespräch mit den Landwirten. „Ohne sie sind wir verloren“, sagte Tyroller. Ruckdäschel setzt auf regionale Vermarktung, Muggenthal freut sich über eine gute Zusammenarbeit mit den Bauern, die beispielsweise in Walchstadt mit ihren Traktoren freiwillig nur noch 25 km/h fahren wollen. Sie appellierte: „Zahlen wir einen ehrlichen Preis für die Produkte, damit es den Landwirten besser geht.“

Kleine Attacken von Ruckdäschel, mögliche Versäumnisse in der Amtszeit von Muggenthal betreffend, konterte die Bürgermeisterin stets mit Fakten. Der Ton war freundlich, auch untereinander. Schließlich durfte jeder Kandidat noch einen Satz zu seinen Ambitionen äußern. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass in Richtung Grüne in Wörthsee etwas passiert“, sagte Tyroller. Ruckdäschel appellierte an alle, zur Wahl zu gehen, und bedankte sich für die Unterstützung. „Es macht mir Spaß, mit ihnen zu diskutieren.“ Und Muggenthal sagte: „Es gibt viele Projekte, die ich gerne mit dem neuen Gemeinderat weiterverfolgen würde.“

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