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Wenn Kinder die Sprache verlieren

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Oh Schreck: „Hier schlingt ein Wesen mit scharfen Zähnen Buchstaben in sich hinein“, entfährt es der Hellseherin Roxana alias Greta Taft beim Blick in die Glaskugel.
Oh Schreck: „Hier schlingt ein Wesen mit scharfen Zähnen Buchstaben in sich hinein“, entfährt es der Hellseherin Roxana alias Greta Taft beim Blick in die Glaskugel. © Andrea Jaksch

Es herrscht Hochkonjunktur für Logopäden – urplötzlich vergessen Kinder Buchstaben und können Wörter nicht mehr richtig aussprechen. Was dahinter steckt und wie man es wieder in Ordnung bringt, gaben am Wochenende rund 40 „Theaterkitz“ unter der Leitung von Diana Rotzinger zum Besten.

Steinebach – Mit ihrem Stück „Der Schnürpel“ lockten Diana Rotzinger und ihre „Theaterkitz“ am Samstag derart viele Besucher in die Aula der Grundschule Wörthsee, dass ein Stuhl nur schwer zu ergattern war. Rotzingers schwungvoller Zweiakter aus eigener Feder betörte das Publikum mit bunter Fantasie, viel Wortwitz und viel schauspielerischem Talent.

Wenn Kinder den eigenen Namen nicht mehr korrekt aussprechen können, ist guter Rat teuer. Selbst die kompetente Logopädin Frau Werner (Annalena Tonn) muss da kapitulieren: „Ich habe in den letzten zwei Monaten 50 Kinder behandelt und konnte keinem dieser Kinder helfen. Es geht hier nicht mit rechten Dingen zu.“ Deutlich mehr Spürnase beweist da die selbstbewusste Hellseherin Roxana Rockefeller, grandios verkörpert durch Greta Taft (13). Bei Krötenschleimtee verrät der Profiblick in die Glaskugel: „Hier schlingt ein Wesen mit scharfen Zähnen Buchstaben in sich hinein. Ich sehe eine Höhle in den Bergen, aber in Geografie war ich nie besonders gut.“

Mit den Kostümen und aufwendigen Perücken hat Rotzinger sich einmal mehr selbst übertroffen. Seit 2013 leitet sie die „Theaterkitz“ und schneidert alle Kostüme selber. „Ich habe bestimmte Vorstellungen. Es würde mir schwerfallen, das aufzugeben“, sagt sie. Selbst ausgebildete Schauspielerin, hatte sich Rotzinger nach der Geburt ihrer heute 14 und 17 Jahre alten Töchter entschieden, Schauspielunterricht für Kinder zu geben. Heute zählt ihr Ensemble rund 40 Schüler zwischen sechs und 15 Jahren. Am Samstag und Sonntag wechselte die Besetzung, damit alle Jungschauspieler einmal auf der Bühne stehen konnten. Vivian Sailer (10) trat sogar an beiden Tagen auf. Das Mädchen, das am Sonntag die Logopädin spielte, sprang am Samstag als Troll ein und bekannte mit strahlendem Gesicht: „Ich mag es, mit der Rolle zu verschmelzen, und liebe es, im Rampenlicht zu stehen.“ Mutter Angela Sailer packt derweil tatkräftig hinter den Kulissen mit an.

Diana Rotzinger probt mit ihrem Ensemble rund ums Jahr. Den Startschuss für das Stück „Der Schnürpel“ gab es jedoch erst nach den Sommerferien. Zwischen den jährlichen Theaterstücken üben sich die jungen Darsteller in Pantomime und drehten heuer sogar einen Film. „Vielleicht machen wir bald auch mal ein Musikvideo“, sagt Rotzinger. Professionelle Unterstützung bekommt die Regisseurin bei den Aufführungen – vor allem von ihrem Mann, der Tontechniker bei der Staatsoper in München ist. In Sachen Buchstabenklau spitzen sich die Ereignisse vor dem Aurora-Gebirge zu. Zwar stellt sich bald heraus, dass der perfide Diebstahl dem „Schnürpel“ (Laura Obst) zuzuschreiben ist, der nicht länger als ungebildeter Analphabet sein Dasein im Gebirge fristen will – doch die Polizei versagt schnarchend. Trotzdem finden die Kinder ihre Sprache am glücklichen Ende wieder.

Nilda Frangos

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