Schließen sich nicht aus: landwirtschaftliche Bewirtschaftung und Fotovoltaikanlagen.
+
Schließen sich nicht aus: landwirtschaftliche Bewirtschaftung und Fotovoltaikanlagen.

Neuer Anlauf für Freiflächen-Fotovoltaik

Viele Jahre war der Bau von Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen in der Gemeinde Wörthsee kein Thema. Am Mittwochabend hat der Gemeinderat diese Option mit einem Grundsatzbeschluss wiederbelebt.

Wörthsee – Neun Jahre ist es her, dass der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München der Gemeinde Wörthsee ein Standortkonzept für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen vorgelegt hat. Grund war, dass zwei Landwirte aus der Gemeinde Interesse an entsprechenden Anlagen zeigten. Geschehen ist seither nichts. Ein Grund dafür, dass die Gemeinde im Landkreis-Vergleich schlecht dasteht, wenn es um regenerative Energiegewinnung geht. Die beiden Interessenten aber gibt es laut Bürgermeisterin Christel Muggenthal immer noch. Das ist auch der Grund, weshalb die Verwaltung am Mittwochabend dem Gemeinderat einen Antrag für einen Grundsatzbeschluss präsentierte. Das Ergebnis: Einstimmig entschieden die Räte, von den beiden Landwirten um die Unterlagen zu ihren Vorhaben zu bitten. Prinzipiell stimmten sie der vom Planungsverband vorgeschlagenen Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung eines Bebauungsplans entlang der Autobahn A 96 und der Bahnlinie der S 8 zu.

Über die Gründe, warum 2011 das Thema nicht weiter verfolgt wurde, kann Muggenthal nur spekulieren. „Vermutlich war es zu greislich“, sagt sie und erinnert sich an entsprechende Diskussionen im Gemeinderat, dem sie damals als Mitglied der SPD angehörte. Über die Optik solcher Anlagen diskutierten die Kommunalpolitiker auch am Mittwoch ausdauernd. Muggenthal hatte alte Unterlagen mit einem Bild verschickt, das eine Anlage nahe der S-Bahn in Auing zeigte. Davon könne heute nicht mehr die Rede sein, betonte sie, aber als Steilvorlage reichten die Bilder trotzdem.

Josef Kraus CSU) schüttelte gleich entsetzt den Kopf. „Die Fläche bei Auing ist nicht geeignet“, sagte er. Da seien Dächer doch besser. Auch Thomas Ruckdäschel (CSU) fürchtete die Optik. „Wir sollten nicht unterschätzen, das solche Flächen ortsbildprägend sind.“ Philip Fleischmann (CSU) fand die Idee vom Grundsatz her zwar gut. „Aber wir sollten nicht Landschaft opfern, wenn wir die innerörtlichen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft haben.“ Robert Wihan (FW) regte an, ein 100-Dächer-Projekt ins Leben zu rufen, „bevor wir Flächen versiegeln“.

Florian Tyroller (Grüne) beschwichtigte. Er hatte Bilder von sogenannten Agrofotovoltaikanlagen an seine Ratskollegen verschickt. Diese neue Generation der Anlagen lässt eine zeitgleiche Bewirtschaftung der Flächen zu. Zwischen aufgeständerten Modulen haben Traktoren und landwirtschaftliche Fahrzeuge Platz. Zudem generieren diese Anlagen morgens und nachmittags Strom und nicht nur mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. „Riesenteile musst du dir nicht vorstellen“, sagte er an Wihan gewandt, der zuvor von „meterhohen Kawenzmännern“ gesprochen hatte. Abgesehen davon: Menschen, die Fotovoltaik auf ihren Dächern wollten, würden diese ohnehin installieren, „aber das reicht nicht“, sagte Tyroller.

Dirk Bödicker (WA) fand den Vorschlag der Verwaltung aus dem Stand gut. „Ich bin bei dem Grundsatzbeschluss dabei.“ Man werde das Ortsbild nicht auf ewig konservieren können. „Über irgendeinen Schatten werden wir springen müssen.“ Er schaue sich die Konzepte der Landwirte gerne an. Letztlich trugen diesen Konsens dann auch alle mit.

Die Verwaltung hatte vorab berechnet, wie die Stromversorgung der Gemeinde aussieht. Danach verbrauchen die Wörthseer im Jahr 14,5 Millionen Kilowattstunden. Eine ein Hektar große Freiflächenanlage generiert etwa 1,1 Millionen kWh. Geht man von einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 kWh pro Haushalt (vierköpfige Familie) aus, können mit einer Anlage dieser Größe rund 275 Haushalte versorgt werden. Für eine vollständige Abdeckung bräuchte die Gemeinde demnach insgesamt zehn bis 13 Hektar Flächen mit Fotovoltaikanlagen.

„Wir wollen keine Biotope oder Landschaft zerstören“, sagte Muggenthal im Anschluss an die Sitzung dem Starnberger Merkur. „Aber wir können auch nicht immerzu die Landschaft anführen, wenn es um Klimaschutz geht.“

Auch interessant

Kommentare