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Der Blick von oben offenbart immer wieder neue Perspektiven und Lösungsansätze. Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal (l.) im Gespräch mit Merkur-Redakteurin Hanna von Prittwitz.

Wörthsee: So wird 2018

Nur noch Schritttempo in der Seestraße?

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Wie war das Jahr 2017 in Wörthsee? Und was steht alles für 2018 auf der Agenda? Wir haben nachgefragt.

Wörthsee – „Anstrengend“ – dieser Begriff fällt Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal spontan ein, wenn sie nach einem Grundgefühl für das Jahr 2017 gefragt wird. „Weil wir immer weniger Personal für immer mehr Aufgaben hatten und ich dann auch ein paar Dinge übernommen habe“, erklärt Muggenthal, Jahrgang 1955. Einiges wurde in der Gemeinde auf den Weg gebracht, und die Bürgermeisterin rechnet damit, dass es 2018 beim großen Thema Wohnungsbau auch zu Entscheidungen kommen wird.

Wohnungsbau

Die CSU Wörthsee hängt an der Realisierung eines Einheimischenmodells in Wörthsee und macht sich immer wieder dafür stark. Christel Muggenthal allerdings macht kein Geheimnis daraus, dass sie die genossenschaftlichen Modelle vorzieht, „denn wir haben einfach kein Grundstück, das wir günstig genug weitergeben könnten“. Verschenken aber dürfe die Gemeinde auch nichts, „dann gibt es gleich Ärger mit der Rechtsaufsicht“.

Ein Einheimischenmodell gelänge nur, „wenn man in der Situation ist wie die Gemeinde Seefeld. Die konnte vor vielen Jahren diesen Acker günstig erwerben“. Die Auswahlkriterien für dieses Modell allerdings habe sie sich angeschaut. „Der Aufwand war sehr groß. Und dennoch gab es Ärger hinterher“, sagt sie und erinnert daran, dass das Modell der Genossenschaft zum Weltkulturerbe gehört und in Deutschland geboren wurde.

„Auch die Raiffeisenbank ist eine Genossenschaft – und gut durch die Bankenkrise gekommen.“ Voraussichtlich im Frühjahr wird die von Bürgern gegründete IG Wohnen die Vereinsgründung abschließen. Wie berichtet, hat der Besitzer eines etwa 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks am Teilsrain in Wörthsee die Fläche der Gemeinde in Erbbaupacht angeboten, allerdings unter der Auflage, dass dort genossenschaftlicher Wohnbau realisiert wird. Im Gemeinderat werden sich 2018 mehrere Genossenschaften vorstellen. Ob die IG Wohnen eine eigene Genossenschaft gründet, oder aber unter das Dach einer bestehenden Organisation schlüpft, ist noch nicht entschieden.

Kirchenwirt

Anfang des Jahres entschloss sich der Gemeinderat, den Kirchenwirt samt Areal rundum zu kaufen. Ein Projektplaner ist mit der Überplanung beauftragt, neben Wohnungsbau sieht die Gemeinde auch vor, die Gastwirtschaft zu erhalten. „Das Wichtigste ist mir, das wir mit dem Erhalt des Kirchenwirts anfangen“, sagt Muggenthal.

Dieser steht nun schon seit einiger Zeit leer, „wir müssen dafür sorgen, dass der Altbestand nicht verfällt“. Schon jetzt hat die Gemeinde Bewerbungen für die Wirtschaft, und zwar mehrere. „Der zukünftige Wirt muss sich mit seinem Konzept von den anderen Gastronomen in der Gemeinde abheben“, sagt Muggenthal. Sie könnte sich vorstellen, dass der Gemeinderat – parallel zur Planung – 2018 auch die Entscheidung für einen Wirt trifft. „Er kann dann seine eigenen Vorstellungen einbringen.“

Kirchenareal

Die Gemeinde erstellt derzeit für das Areal der Kirchenstiftung einen Bebauungsplan. Der Malteser Hilfsdienst plant im oberen Bereich ein Seniorenzentrum, im unteren Bereich ist Wohnbebauung vorgesehen. Muggenthal ist zuversichtlich, dass die Planungen im kommenden Jahr voranschreiten und empfindet die Besprechungen zu dem Thema mit allen Beteiligten als „sehr offen“. Sie geht davon aus, dass die Pläne in 2018 konkreter werden und auch in Bezug auf das Seniorenzentrum Entscheidungen fallen.

Verkehr

Die Gemeinde Wörthsee und der Verkehr – ein Thema, das vor 25 Jahren schon alle beschäftigte. „Das damalige Verkehrskonzept hat nicht für bahnbrechende Veränderungen gesorgt“, stellt die Bürgermeisterin fest. „Die Probleme sind heute noch die selben.“

Der Verkehrsplaner Christian Fahnberg prüfe derzeit, welche zusätzlichen Parkmöglichkeiten sich im nahen Umkreis zum See und zur Seestraße befänden. „Wir wohnen schön, und daher kommen viele zu uns. Dafür fahren wir nach München“, sagt Muggenthal. Über die 4 Euro Parkgebühr, die in der Gemeinde Wörthsee erhoben werden, würden sich die Bürger, egal ob aus Wörthsee oder aus München, generell häufig beschweren. Muggenthal glaubt nicht, dass die grenzenlose Ausweisung von Parkflächen das Problem löst. „Die Gemeinde Inning hat Parkflächen ohne Ende – das spricht sich auch herum und alles ist voll.“

Eine Einbahnstraßenlösung für die Seestraße, wie auch schon vorgeschlagen, betrachtet Muggenthal als nicht realistisch, weil sie zu viel Verkehr produziert. Fahnberg habe sich gemeinsam mit dem Gemeinderat aber schon erste Gedanken gemacht darüber, aus der Seestraße eventuell eine Art Begegnungszone zu machen, in der nur Schritt gefahren werden darf.

Finanzlage

Keine Sorgen macht sich Muggenthal über die Finanzen. „Sie sind stabil, würde ich sagen.“ Das Hanggrundstück nahe der Grundschule konnte die Gemeinde bewahren. „Wir haben gedacht, falls es eng wird mit dem Neubau der Grundschule, müssten wir es vielleicht hernehmen. Aber das war nicht der Fall.“ Gewerbe- und Einkommensteuer steigen stetig. „1,5 Millionen Euro Zuführung in den Vermögenshaushalt – das finde ich enorm für so eine kleine Gemeinde wie Wörthsee“, sagt Muggenthal.

Asyl

Mit ihrer Kündigung hat Elli Unverdross vor wenigen Wochen für einen Paukenschlag gesorgt (wir berichteten). Die 60-Jährige war Koordinatorin für Asyl in der Gemeinde und legt ihr Amt zum Jahresende nieder. Der Appell an die Wörthseer, den Helferkreis bei der Betreuung der insgesamt 43 Asylbewerber (darunter 20 Kinder) im Ort zu unterstützen, verhallte ungehört, so Muggenthal.

Derzeit zählt der Helferkreis etwa zehn Mitglieder. Das Problem ist laut Muggenthal die dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden. Dies erschwere die Organisation der Betreuung erheblich. Wer sich engagieren möchte im Helferkreis, ist willkommen.

Ja, das Jahr 2017 war stressig. Aber was war Muggenthals schönster Moment als Bürgermeisterin im vergangenen Jahr? „Die Sitzung, in der die Gemeinderäte einstmmig beschlossen haben, dass wir den Kirchenwirt kaufen. Das war für mich ein großer Moment, das hatte ich mir immer gewünscht.“

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