Eine Ansicht des geplanten Supermarkts am Teilsrain in Steinebach. Sein Bau steht am 21. März beim Bürgerentscheid zur Entscheidung.
+
Eine Ansicht des geplanten Supermarkts am Teilsrain in Steinebach. Sein Bau steht am 21. März beim Bürgerentscheid zur Entscheidung.

Bürgerbegehren

„Der Ort darf sich nicht entzweien“

Leserbriefe, offene Briefe, Internetseiten: In der Gemeinde Wörthsee wird sechs Wochen vor dem Bürgerentscheid zu Supermarkt und Wohnbebauung am Teilsrain am 21. März emotional diskutiert. Eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats bereitet zum Thema eine Projektzeitung vor.

Wörthsee – Quo vadis Wörthsee? Dass es beim Bürgerentscheid am 21. März um eine Entscheidung mit Tragweite geht, das zeigt allein schon die Intensität der Debatten. Zwei Internetseiten gibt es zum Thema bereits, eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats plant eine Projektzeitung, dazu kommen Stellungnahmen der Fraktionen wie jüngst bei der CSU. „Das Gesamtkonzept ist wie ein Kartenhaus: Zieht man die unterste Karte heraus, muss man neu anfangen“, wird dort Vizebürgermeister Josef Kraus zitiert. Die Gemeinderäte sind sich durch die Fraktionen einig: Am Teilsrain sollen ein Vollsortimenter und ein Wohnprojekt entstehen, gegen den Beschluss zum entsprechenden Ratsbegehren stimmten in der Januarsitzung nur drei Räte, Robert Wihan (FW), Veronika Wihan und Gerald Grobbel (beide Grüne). Für die Mehrheit sind Vollsortimenter und das genossenschaftliche Wohnungsbauprojekt miteinander verknüpft, letztlich hatte die Suche nach einem Standort für den Supermarkt zu dem Wohnprojekt geführt.

Auf dem Supermarkt sollen allein 20 Wohnungen entstehen, im Rahmen des genossenschaftlichen Wohnprojekts 60. Es ist vornehmlich für Menschen mit Wörthsee-Bezug vorgesehen. Damit begegnet die Gemeinde auch der „Vergreisung“ ihres Ortes, wie es Florian Tyroller auf der Internetseite „woerthsee-mitte“ formuliert. Der Grünen-Gemeinderat vertritt eine andere Auffassung als seine Ratskollegen und unterstützt das Projekt.

Die genannte Website haben Teja Ulrich, Sassa Bäumler und Paul Grundler auf Initiative von Axel Pfeiffer konzipiert. Sie unterstützen das Vorhaben, erklären die Historie, befassen sich mit Pro und Contra, Missverständnissen und der Öko-Bilanz. Die Seite liefert einen Gesamtüberblick. „Wir wollten die Emotionen raushalten“, erklärte Bäumler, die wie Ulrich bei der Kommunalwahl für die Gruppierung WörthseeAktiv kandidierte. Deren Gründer ist der Landwirt Paul Grundler, Besitzer des Grundstücks am Teilsrain, auf dem der genossenschaftliche Wohnungsbau entsteht. Unter dieser Auflage hat die Gemeinde mit ihm einen Erbbaurechtsvertrag geschlossen. „Der Ort darf sich darüber nicht entzweien“, sagte Grundler am Freitag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Auch Bäumler bedauert, dass die Diskussion fast schon zu einer Spaltung im Ort führe. „Das ist doch gerade das, was man in diesen Zeiten überhaupt nicht braucht.“ Unter z 01 76/92 65 83 87 stehen die Macher der Seite für Anregungen bereit. Es soll eine organische Internetseite sein. „Wir wollen Diskussion und Argumente, die aufkommen, noch aufnehmen.“

Auf der Internetseite www.zum-kuckuck.org stellen indessen die Kritiker ihre Sicht der Dinge dar. Verantwortlich zeichnet die Initiative „Wörthsee für Artenvielfalt“, deren Sprecherin Doja Muggenthaler ist. Aus dieser Gruppe heraus gründete sich das Bündnis „Rettet den Kuckuckswald“, das letztlich das Bürgerbegehren initiierte. Konzipiert hat die Seite der Journalist und Fernsehautor Dr. Stefan Bleek. Er befasst sich unter anderem, mit der Frage, ob neue Supermärkte im Online-Zeitalter überhaupt noch Sinn machen. Dazu kommen eine Animation des Vollsortimenters am Waldrand sowie die kritische Stellungnahme des Bund Naturschutz zum Projekt. Zu den Kritikern des Supermarkt-Projekts zählen zudem Hanna Weber und Bobby Gahn von den Grünen. Beide engagierten sich für das Dorfladen-Projekt, das letztlich aufgegeben werden musste.

Im Gemeinderat hat sich indessen eine Arbeitsgruppe gebildet, die an einer Projektzeitung zum Thema Bürgerentscheid arbeitet. Wie Bürgermeisterin Christel Muggenthal berichtet, soll die Zeitung in zwei, drei Wochen fertig sein und in der Gemeinde Wörthsee verteilt werden. „Die Mitwirkenden sind sehr engagiert.“ Muggenthal setzt auf Information zum Thema. „Ich bin nach wie vor der Meinung, das ist für den Teilrain die beste Planung.“

Einen weiteren offenen Brief vom Bündnis „Rettet den Kuckuckswald“, der diese Woche die Redaktion als Pressemitteilung erreichte, will Muggenthal mit den Gemeinderäten erörtern. Michael Benzinger, Hanna Weber und Doja Muggenthal stellen in dem Schreiben unter anderem Fragen zum Verkehr, zum Umgang mit Ausgleichsflächen und Empfehlungen aus dem ISEK. Naturschutz und Ortsentwicklung treiben die Kritiker um.

Muggenthal findet es schwierig, auf sich wiederholende Anwürfe und mitunter auch Falschaussagen zu reagieren. Das binde Zeit und Kraft, auch im Gemeinderat. „Aber wir halten die Gesprächstür auf.“ Über die Zeit nach dem Bürgerentscheid will sie nicht spekulieren. „Wir werden uns dann alle an einen Tisch setzen und darüber reden, wie es weitergeht.“ Sie spüre die Emotionalität der Diskussion. „Ich bin froh, dass wir nicht noch länger warten müssen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare