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Als eine „Familie“ bezeichnen sich Pizzaservice-Chef Manbir Singh-Warrich (v.l.), Mitarbeiter Ahmadzai Zaman, Safi Zianden und Wolfgang Bernard. Das Team will gegen die drohende Abschiebung von Zaman kämpfen.

Asylbewerber

Zusammenhalten für Zaman

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Asylbewerber Zaman Ahmadzai arbeitet beim Pizzaservice Steinebach. Sein Umfeld lobt ihn als bestens integriert – doch der Afghane soll abgeschoben werden. Seine Freunde unternehmen einen letzten Versuch.

Wörthsee – Es war an einem dieser vielen Abende, an denen Alexander Erb (34) seinen Tee beim Steinebacher Pizzaservice trinkt und sich mit Inhaber Manbir Singh-Warrich (47) unterhält. Dann brach es plötzlich aus dem Inder heraus: Er hat ein Problem. Mitarbeiter Ahmadzai Zaman (24) soll abgeschoben werden. Der bei vielen Kunden beliebte Afghane arbeitet seit eineinhalb Jahren in der Küche des Pizzaservices. „Ich dachte, das darf doch wohl nicht wahr sein“, sagt Stammgast Erb. Wenige Minuten später stand sein Aufruf online in Facebook: Mit Unterschriften soll die Abschiebung verhindert werden.

„Wenn ich zurückgehe, bekomme ich große Probleme“

Jetzt, an einem Vormittag, sitzt Erb wieder mit Singh-Warrich an einem Tisch des Pizza-Services und trinkt Tee. Auch Wolfgang Bernard (65), seit 18 Jahren Mitarbeiter, kommt dazu. Zweimal hätte Zaman schon geklagt. „Eigentlich haben wir keine Chance.“ Die wollen sie aber nutzen. Sie erzählen die Geschichte von Zaman. Dem 24-Jährigen wurde in seiner Heimat zum Verhängnis, dass er für amerikanischen Streitkräfte arbeitete. Im Frühjahr 2013 erhielt er Drohbriefe der Taliban, er solle damit aufhören. Polizei, Amerikaner und der Dorfvorsteher sagten Zaman, sie könnten ihn nicht schützen. Also ließ er seine beiden Schwestern, seine beiden Brüder sowie seine Mutter zurück und floh.

Als seine Freunde die Geschichte erzählt haben, kommt Zaman aus der Küche, blickt schüchtern. Dabei singt er in der Küche gerne, erzählen sie. Und die Sprache kann er auch. „Ich möchte in Deutschland bleiben“, sagt Zaman. „In Afghanistan habe ich keine Zukunft. Wenn ich zurückgehe, bekomme ich große Probleme.“ Wolfgang Bernard formuliert es aus: „Die Taliban wissen genau, wer zurückkommt. Nach ein paar Tagen sind die tot.“

Verwaltungsgericht: Zaman kann im Umland leben

In Deutschland könne er ruhig und sicher leben, sagt Zaman. „Ich möchte hier als Koch arbeiten.“ Er genießt es am Wörthsee. Hier geht er gerne Volleyballspielen, im Sommer fast jeden Tag im See schwimmen. Arbeitgeber Singh-Warrich schwärmt: „Er hat so viel gelernt und kocht so gut, das ist ein Hammer.“ Die Kunden würden ihn mittlerweile kennen. Gerne würde ihn Singh-Warrich weiter fördern, auf der Arbeit und privat. „Er könnte halbtags einen Sprachkurs machen.“

Doch derartige Gedanken verbieten sich derzeit für den Pizza-Chef. Zu groß ist die Sorge um die drohende Abschiebung. Im Ablehnungsbescheid heißt es vom Verwaltungsgericht: „Der Kläger wäre keiner erheblichen individuellen Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt.“ Alleinstehende, leistungsfähige Männer seien in der Lage, in urbanen und semi-urbanen Umgebungen zu leben. „Im Hinterland von Afghanistan verhungern die Leute“, sagt Wolfgang Bernard und schüttelt den Kopf.

Frau kam mit Krücken, um unterschreiben zu können

Mit der Unterschriftenaktion machen sie sich selbst Mut. 45 Unterstützer haben in der ersten Woche unterschrieben. „Eine Frau kam auf Krücken einen Kilometer hergelaufen“, erzählt Singh-Warrich. „Sie wollte unbedingt helfen.“ Damit Zaman doch eine Chance bekommt.

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