Scheidet die Geister in Wörthsee: eine Skizze des geplanten Supermarkts am Teilsrain. Für ihn muss ein Teil des angrenzenden Buchenwalds gefällt werden.  Foto: gemeinde
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Scheidet die Geister in Wörthsee: eine Skizze des geplanten Supermarkts am Teilsrain. Für ihn muss ein Teil des angrenzenden Buchenwalds gefällt werden.

Ortsentwicklung in Steinebach

Quorum erreicht, nun ist der Rat am Zug

Das Bürgerbegehren gegen einen Supermarkt am Teilsrain in Steinebach hat mit 777 gültigen Stimmen das Quorum erreicht. Nun müssen Wörthsees Gemeinderäte entscheiden, ob sie das Bürgerbegehren für zulässig erachten. Die Initiatoren haben unterdessen einen offenen Brief an die Räte verfasst.

Steinebach – „Wir haben 777 gültige Stimmen gezählt“ sagte Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal gestern dem Starnberger Merkur. Damit hat das Bürgerbegehren „Nein danke zu einem Vollsortimenter nördlich zum Kuckucksheim“ das Quorum erreicht, es lag bei gut 400 Stimmen. Nun liegt der Ball bei der Gemeinde.

In ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch, 20. Januar, müssen die Räte entscheiden, ob sie das Bürgerbegehren für zulässig erachten oder nicht. „Der Gemeinderat steht zu seiner Planung“, sagte Muggenthal. Sie gehe davon aus, dass einem Ratsbegehren zugestimmt werde. Dieser ebnet den Weg zu einem Bürgerentscheid.

Unterdessen haben sich die Initiatoren des Bürgerbegehrens in einem offenen Brief an Bürgermeisterin Muggenthal und den Gemeinderat gewandt, in dem sie ihre Argumente darlegen und ihr Vorgehen verteidigen. Unterschrieben haben den Brief Doja Muggenthaler, Hanna Weber und Michael Benzinger im Namen des Bündnisses „Rettet den Kuckuckswald!“.

So war immer wieder kritisiert worden, dass das Bürgerbegehren zu spät gekommen sei. „Ja, das Bürgerbegehren kam spät, wie manche kritisieren. Aber erst bei der 2. Auslegung wurden den Wörthseer Bürgern alle Fakten vollständig bekannt gemacht“, argumentiert das Bündnis. Es gebe bis jetzt keinen Gesamtplan für diesen großen Bereich. Anders als beim Kirchenwirt-Areal seien die Bürger nicht informiert worden, es habe kein Mitspracherecht gegeben. Dem Argument, dass mögliche Betreiber kleinere Verkaufsflächen nicht als wirtschaftlich einstufen, stünde entgegen, dass beispielsweise in Grafrath vor einem halben Jahr ein „Feneberg-Supermarkt“ errichtet worden sei, „der kleiner ist als unser Edeka und zudem seinen Schwerpunkt auf regionale Vermarktung setzt“. Die Gemeinde gebe ihre Verantwortung ab. Viele Wörthseer wünschten sich eine Einkaufsmöglichkeit nahe der S-Bahn. Dort gebe es noch große freie Flächen. „Es wurde nie transparent gemacht, warum dort kein geeigneter Standort wäre.“ Für angebliche jahrelange Bemühungen seien keine Nachweise erbracht worden.

Soweit die Vorwürfe gegen die Gemeinde. Das Bündnis kritisiert zudem die Versiegelung von Flächen, die Abholzung wertvollen Buchenbestands. Es sei bekannt, dass die Mehrzahl der Ausgleichsflächen nicht dauerhaft und fachgerecht betreut würden. „Raus aus der Sackgasse! Eine neue, eine bessere Planung mit allen Bürger*innen muss her!“, heißt es abschließend.

Muggenthal nahm zu den Vorwürfen gestern Stellung. So hätten sämtliche Planungsunterlagen den Bürgern vorgelegen. „Lediglich das Schallschutzgutachten und eine Kundenbefragung der Dorfladeninitiative lagen erst in der 2. Auslegung vor.“ Das gelte auch für die Gesamtplanung für das Areal. Beim Kirchenwirt habe die Bürgerbeteiligung ebenfalls im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens stattgefunden. „Nur für die Feinstudie Ortsmitte Steinebach fand eine corona-konforme Beteiligung statt.“ Der neue „Feneberg-Supermarkt“ in Grafrath verfüge über 880 Quadratmeter Verkaufsfläche, der geplante Markt am Teilsrain über 940 Quadratmeter. Und auch in Grafrath habe die Eigentümerfamilie entschieden, an wen die neu gebaute Immobilie vermietet werde.

Was einen Supermarkt südlich des Bahnhofs in Wörthsee anginge, so hätten Interessenten die Erschließung der freien Fläche unterhalb als zu schwierig eingestuft. „Außerdem hatten die Eigentümer nie Verkaufsinteresse.“ Es handele sich an der Stelle um Baugrund, nicht Gewerbegrund. Nachweise für das Scheitern entsprechender Gespräche müsse die Gemeinde nicht erbringen. „Gesprächs- und Verhandlungsergebnisse wurden den Gemeinderäten in Sitzungen mitgeteilt.“

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