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Ralf Hannemann war 18 Jahre lang Pächter von Raabe's Wirtshaus in Steinebach. Nun läuft der Pachtvertrag aus. 

Gastronomie in Wörthsee

Wirtshaus Raabe vor ungewisser Zukunft

Steinebach - Schluss nach 18 Jahren: Ralf Hannemann, Pächter von Raabe's Wirtshaus muss bis zum 31. Juli seine Sachen gepackt haben. Was aus der Wirtschaft wird ist offen. 

Das zentral liegende Gebäude soll verkauft werden und das Erstkaufrecht liegt bei der Gemeinde Wörthsee. Doch Widersprüche bestimmen das Geschehen. „Es ist natürlich schade. Das Wirtshaus läuft seit Jahren wirklich sehr gut“, erklärt der Gastronom Ralf Hannemann. Zweimal wurde der Pachtvertrag bereits verlängert – zuletzt 2014. „Der Vertrag wurde von Seiten der Eigentümer aber auf zwei Jahre befristet“, so Hannemann. Anneliese Hagl ist Ingenieurin und betreut das Objekt der Familie Raabe nach eigener Aussage seit rund 20 Jahren und leitet auch den Verkauf. Laut Hagl, soll Hannemann aber vor zwei Jahren selber um einen befristeten Pachtvertrag gebeten haben. 

Der Gastronom würde das Wirtshaus gerne weiter betreiben und könnte sich auch eine Zusammenarbeit mit dem zukünftigen Besitzer vorstellen. Zudem habe er viel Geld in die Wörthseer Institution gesteckt. „Als ich das Wirtshaus übernahm, habe ich 450 000 Mark für den Ausbau investiert und weitere 25 000 Euro im Jahr 2010 für neue Geräte und weitere Maßnahmen.“ Das alles kann der Gastronom auch mit Fotos beweisen, doch Annelise Hagel ist der festen Überzeugung, dass der Vorpächter den Ausbau erledigt hatte. Sie kann sich nicht erklären, wo Hannemann investiert haben will. „Der Familie Raabe habe ich sogar angeboten, weitere 30 000 Euro für Sanierung und Erneuerungen aufzuwenden, um das Wirtshaus weiterhin betreiben zu können“, berichtet der Gastronom, der seit vergangenem Jahr auch den Alten Wirt in Etterschlag führt (wir berichteten). Unabhängig von der Pachtsituation hat sich das Ehepaar Raabe entschieden, das Gebäude an der Weßlinger Straße in Steinebach zu verkaufen. Mithilfe eines Bieterverfahrens soll ein neuer Eigentümer gefunden werden. Der Richtpreis lag zu Beginn bei 2,5 Mio Euro. Bereits mehrere Investoren waren für Besichtigungen vor Ort, aber das Erstkaufrecht sicherte sich die Gemeinde Wörthsee – laut Satzung. „Ein Angebot haben wir bis jetzt noch nicht aus dem Rathaus bekommen. Selbst nach mehrmaliger Aufforderung wurden uns weder ein Angebot noch eine Preisvorstellung mitgeteilt.“, sagt die Ingenieurin Anneliese Hagl. 

Wie Uwe Kreißelmeier von der Bauamtsleitung im Rathaus bestätigt, ist die Gemeinde nicht verpflichtet ein Angebot abzugeben, um ihr Erstkaufrecht wahrzunehmen. Über den Notar wird der Gemeinde der Kauf des Gebäudes zu dem günstigsten Preis angeboten. „Wir werden aber nicht spekulieren, sondern auch aktiv werden“, berichtet Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Was für die Gemeinde bereits feststeht: Ein Wirtshaus samt Biergarten sollen an der Stelle möglichst erhalten bleiben. Zusätzlich dazu könnte man sich den Bau von Wohnungen gut vorstellen, „solange es in die Landschaft passt und die ortsbildprägenden Bauten wie die Kirche nicht erschlagen.“ Inzwischen hat die Gemeinde einen Arbeitskreis gebildet, der sich mit dem Thema beschäftigt. Bezüglich des Objektwertes hat die Gemeinde eine Vorstellung. Das Rathaus schickte einen Wertgutachter. „Wahrscheinlich war die Gemeinde aber mit dem Preis ihres Gutachters nicht so zufrieden, sonst hätten wir doch schon ein Angebot“, vermutet die Objektleiterin. Der Gutachter soll aber den Idealwert ermittelt haben. „Geprüft wurde dabei nicht der aktuelle Wert des Objekts, sondern der Wert, der nach allen Neubauten, Sanierungen und Renovierungen entstehen würde“, erklärt Muggenthal. Hagl wirft der Gemeinde auch vor, sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft zu haben. Unter dem Vorwand, erneut einen Gutachter zu schicken, sollen sich Investoren das Gebäude angesehen haben. „Erst als ich explizit danach gefragt hatte, gab Frau Muggenthal zu, dass es sich bei den Herren um Investoren handelte“, teilt die Ingenieurin mit. Von falschen Gutachtern weiß die Bürgermeisterin aber nichts. „Wir haben einen Architekten gebeten, sich ein Bild über den aktuellen Zustand im Inneren zu machen, und das war alles.“ 

Über die Ergebnisse des Gutachters schweigt die Gemeinde. Hannemann vermutet, dass die Kosten für Sanierungen und Renovierungen keine sechsstellige Summe erreichen, während Hagl einen Abriss als konsequente Folge sieht. „Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo in der Mitte liegen“, prognostiziert die Rathauschefin.

Patrick Öhler

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