Abgeholzt: Die Rodung einer Fläche am Steinberg in Steinebach (rot markiert auf dem Foto oben) wirft Fragen auf. Das Areal befindet sich nahe der S-Bahntrasse (mittleres Foto) und im Landschaftsschutzgebiet (Foto unten). Entscheidender könnte sein, dass die Fläche als Schutzwald klassifiziert ist.
+
Abgeholzt: Die Rodung einer Fläche am Steinberg in Steinebach (rot markiert auf dem Foto) wirft Fragen auf.

Waldbesitzer fällt Buchenwald am Steinberg – Behörden informiert

Rodung sorgt für Wirbel

Fällarbeiten auf einem Hangstück „Am Steinberg“ in Steinebach haben bei Bürgern Empörung ausgelöst. Anwohner Dr. Stephan Bleek spricht von einem Kahlschlag des wertvollen Buchenwalds, „und einem erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild“. Bürgermeisterin Christel Muggenthal ist ebenfalls irritiert, die Behörden sind informiert.

Steinebach – Es geht um ein etwa 1,5 Hektar großes Waldstück an der S-Bahn-Trasse, Ortseingang Steinebach von Weßling kommend. Das Grundstück ist in Privathand. Wie Bleek sagt, begannen während der Feiertage die Rodungsarbeiten. Mittlerweile ist der gesamte Hang kahl. Bleek ist entsetzt. „Das ist ein sehr erheblicher Eingriff in das Landschaftsbild und Ortsbild“, sagte er am Freitag dem Starnberger Merkur. Und er hat sich schlaugemacht. Bei weiteren Recherchen stieß Bleek im Bayernatlas auf eine Karte, in dem der gefällte Waldbereich als Schutzwald für Immissionen und lokales Klima sowie Lärmschutz dargestellt wird und damit eine klassifizierte Schutzfunktion besitzt.

Als Schutzwald klassifiziert sind laut dem Bayerischen Waldgesetz Wälder in Hoch- und Kammlagen und an Standorten, die zur Verkarstung neigen oder stark erosionsgefährdet sind. Zudem sollen sie Erdrutschen, Hochwasssern und ähnlichen Gefahren vorbeugen und benachbarte Waldbestände vor Sturmschäden schützen.

Bleek befürchtet, dass der Zustand am Steinberg „heute erst der Anfang ist und dass in den Bestand noch tiefer eingegriffen werden soll“. Er schätzt den Verlust auf rund 30 große, 40 mittelgroße und mehr als 200 jüngere Buchen ein. „Das ist kein nachhaltiges Vorgehen“, sagt Bleek. Der Wald sei nun nach Süden aufgerissen, da sei es nur eine Frage der Zeit, bis eine erste Windböe eine weitere Schneise reiße. Zuvor schon habe es bei Starkregen Probleme mit Hangwasser gegeben. „Jetzt kommt da noch mehr Wasser. Der Boden trocknet aus, auch wenn aufgeforstet werden soll“. Anstatt eines Flächenkahlschlags hätte der Waldbesitzer Einzelentnahmen durchführen können. „So aber sieht es danach aus, als werde mit dem Holz schnell noch Kasse gemacht, bevor es an Wert verliert.“ Was die Klassifizierung als Schutzwald angehe, so hätte auch die Gemeinde durchaus Möglichkeiten, dem Waldbesitzer auf die Füße zu steigen, glaubt Bleek.

Auch Bürgermeisterin Muggenthal, die auf der anderen Seite in der Nähe der Kuppe wohnt, beobachtete die Rodungsarbeiten. „Mich hat es schon gewundert, dass die ganze Fläche gerodet wurde“, sagt sie. Aus diesem Grund habe sie sich auch mit dem Waldbesitzer in Verbindung gesetzt, der sein Vorgehen jedoch mit den Arbeitsweisen in einem Wirtschaftswald begründet habe. „Darauf hat die Gemeinde keinen Einfluss“, sagt Muggenthal. Daran würde auch eine Baumschutzverordnung in der Gemeinde nichts ändern. „Im Wald gelten andere Gesetze.“ Muggenthal hat jedoch wie schon Bleek im Landratsamt Starnberg angefragt, ihr liegen auch mehrere Beschwerden von Bürgern vor. „Ich möchte schon auch genauer wissen, ob und welche Handhabe wir haben, und wie ich auf Anfragen der Bürger reagieren kann.“

Im Landratsamt Starnberg hielt man sich am Freitag mit einer Auskunft noch zurück. „Das Amt für Landwirtschafts- und Forsten in Weilheim ist mit der Sache befasst“, sagte Sprecher Christian Kröck. Zahlreiche Fragen müssten erst geklärt werden. Die Pressestelle des Weilheimer Amts war am Freitag nicht erreichbar.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare